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Wir sind noch nicht fertig – Experiment Europa

Wir sind noch nicht fertig – Experiment Europa

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M1Europa-vonobenWer über Europa frustriert sein möchte, muss nicht lange suchen. Es stimmt, auf EU-Ebene gibt es ein erhebliches Demokratiedefizit. Außerdem gilt Brüssel vielen als Synonym für Regulierungswahn. Dabei ist weder die Regulierung der Banken bisher gelungen noch die Eurokrise wirklich überwunden: Für die Mitgliedsländer bestehen nach wie vor erhebliche finanzielle Risiken – und erst diese Woche haben Großbritannien und Schweden die Einführung einer gemeinsamen Finanzmarktsteuer blockiert. (Mehr Details gibt es im fachlich hervorragenden Europa-Blog des Historikers Manuel Müller.)

Trotzdem: Weltweit gibt es kein vergleichbares Projekt der Kooperation – das muss man einfach mal so pathetisch sagen: Das ist ein historischer Riesenfortschritt. Wir sehen unsere Nachbarn nicht mehr als Feinde, sondern als Partner für ein gemeinsames Ziel. Was hätten wir denn wirklich davon, wenn wir wieder alles im Alleingang regelten?

Schon klar, dass man mit dem Argument, „Frieden, Freiheit und Wohlstand“ niemanden hinter dem Ofen hervor locken kann. Wir bedanken uns ja schließlich auch nicht jeden Tag für das saubere Trinkwasser, das aus unseren Hähnen fließt, sondern regen uns über die Schlaglöcher in unserem Wohnviertel auf. So ist der Mensch nun mal.
Es ist eben schwierig, für vermeintlich Selbstverständliches dankbar zu sein. Vor allem, wenn einem immer wieder erzählt wird, dass an allen absurden Neuregelungen die EU schuld ist. Wer, bitteschön? Die EU, das ist immer noch die Summe der Mitgliedsländer. Oftmals ist es der Ministerrat – also die Vertreter der 28 Regierungen –, der die EU-Kommission vor sich hertreibt und den Bürokratieabbau blockiert.

Zugegeben, Europa ist kompliziert. Aber deshalb gleich austreten wollen? Oder die Auseinandersetzung auf ein „Brüssel-Bashing“ beschränken? Das ist einfach und billig, aber nicht ohne Risiken – Wasser auf den Mühlen der Populisten und Nationalisten.

Ein Blick 100 Jahre zurück zeigt es: Was bisher erreicht wurde, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Wer hätte 1914 ein solches Ausmaß an Kooperation in Europa für möglich gehalten! Wir alle profitieren davon. „In Vielfalt vereint“, das Motto der EU, ist immer noch ein Zukunftsprojekt. Wenn wir ein besseres Europa wollen, eine bessere Vertretung der Bürgerinteressen, dann müssen wir auch unsere Stimme bei der Europawahl dafür abgeben. Nur meckern gilt nicht.

Für Ihren Unterricht bieten die folgenden Beiträge aus der Realschule gut strukturierte Materialien an:

Die Auseinandersetzung mit der EU in spielerischer Form – dazu bietet Ihnen der Beitrag aus der Berufsschule „28 Länder und ein Parlament – das Europa-Quiz“ frisch aktualisierte Materialien mit Fragen und Antworten rund um die Geschichte der europäischen Integration sowie zur Europawahl. Außerdem geht es um die Arbeit der Abgeordneten im Europäischen Parlament und die Kandidatur um das Amt des neuen Kommissionspräsidenten.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Euro-Rettungsschirm bietet der folgende Beitrag für das Gymnasium: Der Euro-Rettungsschirm – wird die EU zur Transferunion?

Ausgewogene Hintergrundinformationen zur Wahl des Europaparlaments finden Sie auch hier, beim Blog zur Europawahl der bpb.


Beitrag von Lena Neurauter und Leonie Schönleber

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Ingo Becker
Ingo Becker
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Journalist @mindrockets & Blogger des RAABE Lehrer-Blog @RaabeSchule [Google+ Profil]

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