Wir sind Europameister!!! (Teil 2)

Handball Feldhandball 1953 Spielzug

Wir sind Europameister!!! (Teil 2)

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Herzlich willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen aber feinen Reihe zu unbeachteten Randsportarten. Nachdem in der letzten Woche das Wurfspiel Kubb den Anfang machte, wenden wir unser heutiges Augenmerk, wie versprochen, zwei Ballsportarten zu.

Bei der ersten Sportart sind die deutschen Mannschaften (Herren und Frauen) eine ziemliche Bank: Beide Teams sind sowohl amtierende Europa- als auch Weltmeister im Faustball.

Faustball Spielfeld Spielzug Fistball Field Ballsport

Eine Spielsituation im Faustball © Flingeflung (CC BY-SA 3.0 DE)

Aber was genau ist Faustball? Die Unterschiede zum Volleyball jedenfalls sind aus Laiensicht auf den ersten Blick nicht sofort ersichtlich. Zum einen wäre da die Anzahl der Spieler. Gespielt wird mit nur fünf Feldspielern (sechs beim Volleyball) und die Positionen werden nicht rotiert, auch wenn theoretisch ein Positionswechsel von Spielern erlaubt ist. Der Ball, bei dem es sich grob vereinfacht nur um einen etwas härter aufgeblasenen Volleyball handelt, darf nur mit den Unterarmen oder den Fäusten (daher auch der Name des Spiels) geführt werden (ein Spiel mit der flachen Hand ist nicht erlaubt).

Der offensichtlichste Unterschied jedoch dürfte die Tatsache sein, dass der Ball vor jeder Spielerberührung einmal auf dem Boden aufkommen darf. Da das Spielfeld beim Faustball etwas mehr als doppelt so groß ist als beim Volleyball, bedeutet diese Regel jedoch keine Verlangsamung des Spiels. Im Gegenteil, je nach Witterungslage und der Beschaffenheit des Untergrunds (Faustball wird sowohl im Freien als auch in der Halle gespielt, dann auf einem etwas kleineren Spielfeld), ergeben sich andere Herausforderungen an die Spieler. Punkte bekommt eine Mannschaft übrigens durch Fehler der gegnerischen Mannschaft. Es wird auf 11 Punkte pro Satz gespielt (mit mindestens zwei Punkten Vorsprung, sonst verlängert sich der Satz), die Anzahl der Gewinnsätze variiert jedoch, je nach Art des Spiels (Liga oder Turnier).

Wen jetzt die Neugier auf den Sport gepackt hat: Vom 26. bis zum 28. August (ganz recht, an nur einem Wochenende) finden die Europameisterschaften 2016 in Grieskirchen in Öberösterreich statt, kurz hinter der deutschen Grenze.

Zugegeben, die Prädikate „unbeachtet“ und „Randsportart“ treffen auf die nächste Sportart nun wirklich nicht zu. Dennoch muss man konstatieren, dass trotz des Weltmeistertitels im Jahr 2007 die Herrenmannschaft im Handball in den letzten Jahren ihren Erfolg, mal knapp, mal bei weitem, nicht wiederholen konnte und die mediale Abdeckung auch deutlich nachgelassen hat. Umso überraschender also, dass das deutsche Team sich im Januar dieses Jahres bei der Europameisterschaft in Polen gegen alle anderen Teams behaupten konnte. Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

Anstatt nun aber die Regeln und Eigenheiten einer hinlänglich bekannten Sportart herunterzubeten, werfen wir lieber einen kleinen Blick in die nicht minder spannende, aber wahrscheinlich unbekanntere Entwicklungsgeschichte des Handballs.

Handball Feldhandball 1953 Spielzug Ballsport

Feldhandballspiel im Jahr 1953 © Deutsche Fotothek (CC BY-SA 3.0 DE)

Begonnen hat alles im Jahr 1917 als Feldhandball, eine Sportart, die sich recht schnell großer Beliebtheit erfreute und 1936 sogar zum ersten (und auch einzigen) Mal olympisch ausgetragen wurde. Die deutlichsten Unterschiede zum heutigen Handball bestanden einerseits in der Feldgröße, die in etwa einem Fußballfeld entsprach, sowie in der Anzahl der Spieler (zehn Feldspieler und ein Torwart damals gegenüber sechs Feldspieler und einem Torwart heute).

Das größte Problem jedoch, was letztlich zum Verschwinden von Feldhandball geführt hat, war die Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen. Auf Betreiben der skandinavischen Länder, die besonders benachteiligt waren, wurde der Sport zusehends in die Halle verlagert, und nach einigen Anpassungen ersetzte der Hallensport die Feldvariante. 1975 schließlich wurden die letzten Meisterschaften im Feldhandball ausgetragen.

In der nächsten Ausgabe jagen die Mannschaften in beiden Sportarten einem kleinen Kunststoffball hinterher.

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Ralf Baumgartner
Ralf Baumgartner
r.baumgartner@raabe.de
1 Comment
  • Wir sind Europameister!!! (Teil 3) – Lehrer-Blog
    Posted at 17:50h, 09 Juli

    […] ganz offensichtlich überfordert war, wenden wir uns von diesem Trauerspiel ab und, nach Faust- und Handball in der letzten Woche, nun heute also einem kleinen Kunststoffball zu, der allerlei Schläge […]

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