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Wir sind Europameister!!! – Nur nicht im Fußball (Teil 4)

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Wir sind Europameister!!! – Nur nicht im Fußball (Teil 4)

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Nun ist es vollbracht: Die Fußball-Europameisterschaft ist vorbei, die Autos der Fans werden bis zur nächsten Meisterschaft wieder in den Garagen abgestellt und mitsamt den Hupen tunlichst geschont, und auch bei uns wird die Schlussglocke zur letzten Runde geläutet. Auf noch zwei Sportarten ist das Scheinwerferlicht zu richten. Passend zu den kurzzeitig hohen Temperaturen begeben wir uns heute unter anderem ins kühle Nass und müssen anschließend aufpassen, dass wir uns bei der zweiten Sportart keine Erkältung zuziehen.

Wie wir alle wissen (sollten), spielen (bzw. rudern) die deutschen Ruderer und Kanuten vorne in der Weltspitze mit, die mediale Abdeckung von Ruderwettbewerben und Kanuslalom sprechen jedenfalls dafür. Dennoch gibt es auch hier eine Teamsportart, die unter dem Radar läuft, obwohl „wir“ auch hier zur Weltspitze gehören (Damen wie Herren sind amtierende Europameister, die Damen sogar Weltmeister). Es ist die Rede von Kanupolo (und ich bitte, die Bilder von Pferden in Booten ganz schnell wieder zu vergessen).

Gespielt wird Kanupolo entweder auf stillen Gewässern oder in Schwimmbädern. Zwei Teams mit je fünf Feldspielern (ausgerüstet mit Kanu, Paddel , Schwimmweste und Helm mit Schutzgitter) treten auf einem 23 mal 35 Meter großen, durch Schwimmleinen begrenzten Spielfeld (bzw. etwas kleiner, wenn im Schwimmbad gespielt wird) gegeneinander an und versuchen – Überraschung – in zwei Mal zehn Minuten mehr Tore als der Gegner zu schießen. Oder besser, zu werfen, denn das Tor befindet sich in zwei Metern Höhe über der Wasseroberfläche. Der (Wasser-)Ball darf dabei sowohl mit dem Paddel als auch mit der Hand gespielt, jedoch nur maximal fünf Sekunden gehalten werden, bevor er wieder ab- oder wegzuspielen ist.

So rüde das Spiel auf dem Foto auch aussieht, jegliche Berührung eines Spielers, auch mit Paddel und Boot, gilt als Foul. Doch keine Regel ohne Ausnahme: der ballführende Spieler darf seitlich oder an der Schulter geschubst werden (jedoch nicht gerammt), um ihn zum Kentern zu bringen. Und im Torraum der verteidigenden Mannschaft dürfen die Gegner mit dem Boot weg- , jedoch nicht Boote aufeinander geschoben werden, was wiederum als Foul gälte.

Und keine Ausnahme ohne Ausnahme: der Torwart darf weder berührt noch behindert werden, sonst, richtig, zählt es als Foul. Einen festen Torwart gibt es übrigens nicht, als Torwart zählt derjenige Spieler, der dem Tor am nächsten ist, wobei sich das Heck des Bootes unter dem Tor befinden muss.

Etwas gemächlicher geht es bei der nächsten Sportart zu, die entgegen ihres Namens ganzjährig gespielt werden kann: Eisstockschießen.

Eisstockschießen Stockschießen Wintersport Sportarten

Eine Spielsituation im (Eis-)Stockschießen (schwach in Gelb zu erkennen: die Markierungen für den Zielwettbewerb)

Viel eher sollte man eigentlich von Stockschießen reden, denn im Sommer wird logischerweise nicht auf Eis gespielt. Demzufolge besteht, je nach den Witterungsbedingungen bzw. des Untergrunds, die Laufsohle eines Stocks aus Gummi (im Winter auf Eis) oder Kunststoff (im Sommer auf Asphalt oder Beton).

(Eis-)Stockschießen wird in drei Disziplinen gespielt: der Weitenwettbewerb (selbsterklärend); dem Zielwettbewerb (im Grunde ebenfalls selbsterklärend): stark verkürzt versucht man, in mehreren Durchgängen mit dem Stock u.a. so nah wie möglich an ein Ziel (das Mittelkreuz oder ein anderer Stock) zu werfen; und der Mannschaftswettbewerb, um den es hier gehen soll und etwas mehr der Erläuterung bedarf.

Gespielt wird auf einem 28 mal 3 Meter großen Spielfeld. Auf beiden Seiten ist ein sechs mal drei Meter großer Bereich besonders markiert: aus dem ersten Bereich werfen die Spieler (vier an der Zahl pro Team) ihre Stöcke (einer je Spieler) in den zweiten, den Zielbereich, möglichst nah an den Zielstein, Daube genannt (im Bild der kleine Ring), der sich auf dem Mittelkreuz befindet. Die zwei Mannschaften spielen ihre Stöcke im Wechsel, dabei dürfen auch die Stöcke der Gegner von der Daube weg- oder sogar aus dem Feld gespielt werden, so man sie denn trifft. Gleiches gilt für die Daube selbst. Wenn jeder Spieler an der Reihe war, wird abgerechnet: Diejenige Mannschaft, deren Stock der Daube am nächsten liegt, erhält drei Punkte sowie zwei weitere Punkte pro eigenem Stock, der vor dem bestplatzierten des Gegners liegt. Es werden sechs Durchgänge gespielt, und diejenige Mannschaft, die danach am meisten Punkte hat, gewinnt.

Vielleicht konnte diese Reihe ein klein wenig Trost spenden darüber, dass die deutsche Mannschaft bei der Fußball-EM leer ausgegangen ist, denn dafür sind „wir“ Spitze, wenn nicht sogar Weltspitze in so vielen anderen Disziplinen, von denen einige hier noch nicht einmal aufgeführt wurden

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Ralf Baumgartner
Ralf Baumgartner
r.baumgartner@raabe.de
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