Wir sind Europameister!!! (Teil 3)

Wir sind Europameister!!! (Teil 3)

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…und ein herzliches Willkommen zurück zur dritten Ausgabe beim Blick mit dem Feldstecher über den sportlichen Tellerrand durch den Nebel der Unkenntnis. Mittlerweile ist ja leider das Fallbeil über Island gefallen (vielleicht lässt sich ihnen zu Ehren eine Runde Wikingerschach spielen?). Da auch Wales mit der Aufgabe als zwischenzeitlicher Empfänger des Daumendrückens und als Restfunken der Hoffnung auf eine Überraschung ganz offensichtlich überfordert war, wenden wir uns von diesem Trauerspiel ab und, nach Faust- und Handball in der letzten Woche, nun heute also einem kleinen Kunststoffball zu, der allerlei Schläge einstecken muss.

Keine Sorge, es geht nicht um Golf (zumal, wie ja jeder weiß, ein Golfball aus Hartgummi mit einem Kunststoffüberzug besteht), sondern um Hockey. Bzw. um zwei Unterarten dieser Sportart.

Hallenhockey Hockey Spielfeld

Das Spielfeld beim Hallenhockey

Dass die deutschen Mannschaften im Feldhockey ziemlich erfolgreich sind, dürfte hinlänglich bekannt sein, immerhin reichte es bei einem Erfolg (wie zum Beispiel den Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Peking und London) zu einer Meldung in den Nachrichten. Hallenhockey hingegen findet selten Erwähnung, was vielleicht nicht zuletzt daran liegt, dass Hallenhockey nur eine Variante des Feldhockeys ist, die während der kalten Jahreszeit gespielt wird, bis man wieder aufs (Kunst-)Grün umsteigen kann. Mittlerweile werden aber auch reine Hallenturniere abgehalten, und bei den diesjährigen Europameisterschaften sind, wenig überraschend, sonst fände es hier keine Erwähnung, die Hockey-Herren im Januar (mal wieder) Europameister geworden.

Die Regeln beim Hallenhockey sind, bis auf wenige Unterschiede, identisch mit denen des Feldhockeys. Kaum verwundern dürfte es, dass das Spielfeld in der Halle deutlich kleiner (ungefähr 40 m auf 20 m, im Gegensatz zu 91,4 m auf 55 m), die Spielzeit mit zwei Mal 30 Minuten ein wenig geringer ist als im Freien (zwei mal 35 Minuten). Auffälliger ist, dass der Ball weder hoch gespielt (es sei denn beim Torschuss) noch geschlagen oder geschlenzt (quasi das „Schleudern“ des Balles durch dessen Platzierung in der Beuge des Schlägers; aber auch das ist beim Torschuss erlaubt) werden darf. Vor allem aber gibt es in der Halle kein Seitenaus, stattdessen ist das Feld durch eine Bande begrenzt, die ins Spiel mit einbezogen werden kann. Ein Spieler kann sich so .z.B. selbst eine Vorlage geben, in dem er den gegnerischen Spieler über Bande ausspielt.

Hockey Skaterhockey Inline-Skaterhockey

Genau hinsehen: hierbei handelt es sich nicht um Eishockey, sondern um Inline-Skaterhockey
– © Wolfram Hauck (CC BY-SA 3.0 DE)

Ganz im Gegensatz dazu muss man bei der nächsten Hockeyvariante genau hinsehen, um zu erkennen, dass eine Kleinigkeit fehlt. Wobei, Kleinigkeit ist eine Untertreibung, immerhin fehlt das Eis. Denn wenn man dem Eishockey die Eisfläche wegnimmt, entsteht Inline-Skaterhockey bzw. Skaterhockey, wie es vor dem Aufkommen von Inlineskates genannt und als es noch mit Rollschuhen gespielt wurde. Inline-Skaterhockey ist übrigens noch eine recht junge Sportart und wird erst seit Mitte der 1980er Jahre professionell gespielt.

Die Unterschiede zum Eishockey, abgesehen vom Spiel mit einem Ball anstatt eines Pucks (das wäre dann Inlinehockey), sind, wie schon bei Hallenhockey zu Feldhockey, marginal: während beim großen Bruder bei Unterbrechungen die Zeit angehalten wird, läuft sie beim Inline-Skaterhockey weiter, mit Ausnahme der letzten zwei Minuten des letzten Drittels (gespielt wird drei mal zwanzig Minuten). Ebenso existiert keine Abseits- und keine Icingregel (letzteres bedeutet grob gesagt einen Befreiungsschlag aus der eigenen Spielhälfte hinter die gegnerische Torlinie). Dafür sind Freistöße bei hohem Stock und bei Festhalten des Balls durch den Torhüter vorgesehen (es sei denn, er wird von einem gegnerischen Spieler bedrängt). Mit Ausnahme einiger Zeit- und Spielstrafen für Spieler war’s das dann auch schon.

Die nächsten Europameisterschaften werden übrigens im August in Opatija in Kroatien ausgetragen, bis dahin ist noch die deutsche Herrenmannschaft (wenig überraschend) amtierender Europameister.

Beim nächsten Mal begeben wir uns einerseits ins kühle Nass und widmen uns andererseits einem Sport, der entgegen des Namens ganzjährig gespielt werden kann.

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Ralf Baumgartner
Ralf Baumgartner
r.baumgartner@raabe.de
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