Wie geht eigentlich Integration?

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Wie geht eigentlich Integration?

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Die „Flüchtlingswelle“ war das Streitthema 2015. Und auch ein Jahr später, sind an deutschen Schulen die damit verknüpften Herausforderungen noch längst nicht gemeistert.

476.649 Anträge auf Asyl wurden im Jahr 2015 gestellt, fast 480.000 bereits bis Juli dieses Jahres. Das Bildungsministerium rechnet mit 90.000 bis 120.000 zugewanderten, schulpflichtigen Kindern bis Ende 2016.

Es bleibt die Frage: Wie können Kindern, die über keine oder mangelnde Deutschkenntnis verfügen, in die Schule und den Unterricht integriert werden?

Submersiv, integrativ …

Bildung ist Ländersache und somit gibt es auch beim Thema Deutsch als Zweitsprache keine bundesweit einheitliche Regelung, wie Kinder mit anderen Herkunftssprachen in unseren Schulen integriert werden sollen. In der Sprachförderung unterscheidet man zwischen dem submersiven, integrativen, teilintegrativen oder parallelen Modell.

Integration Sprachförderung kleiner Junge Unterricht

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Submersiv und integrativ handeln die Schulen, die den Fokus auf den Regelunterricht legen. Im submersiven Modell findet eine gesonderte Sprachförderung beispielsweise nur im Rahmen der vorhandenen Förderkurse für leistungsschwächere Schüler statt. Dieses Modell ist vor allem in der ersten Klasse verbreitet.

Im integrativen Modell werden die Kinder zusätzlich in speziellen Intensivkursen oder Sprachgruppen gefördert. Niedersachsen bewilligt zum Beispiel vier bis sechs zusätzliche Wochenstunden in der Grundschule bzw. fünf bis acht weitere Wochenstunden in der Sekundarstufe I, die zur Sprachförderung im Bereich DaZ genutzt werden können – vorausgesetzt die wöchentliche Höchststundenzahl wird nicht überschritten.

… oder doch lieber parallel?

Im Gegensatz zum submersiven und integrativen Modell erfolgt der Unterricht im teilintegrativen und parallelen Modell vorrangig in eigenen Willkommens- oder Vorbereitungsklassen. Nach dem teilintegrativen Ansatz verbringen die Kinder einen Teil des Tages in ihrer eigenen Sprachklasse (zum Beispiel zehn Wochenstunden in Grundschulen und 20 Wochenstunden in weiterführenden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern). Diese können auch Schüler mehrerer Schulen zusammenfassen, wie es beispielsweise in den DaZ-Zentren in Schleswig-Holstein der Fall ist. Schritt für Schritt wird die Teilnahme am Regelunterricht erhöht.

Schülerin Schule Unterricht Klassenzimmer Integration Sprachförderung

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Handelt die Schule nach dem parallelen Modell, werden die Kinder in allen Fächern parallel zu ihren deutschen Mitschülern in einer eigenen Klasse unterrichtet. Je nach Bundesland können die Schüler in berufsbildenden Schulen sogar bis zum Abschluss in „ihrer“ Klasse bleiben.

Doch auch wenn die Kultusministerien Empfehlungen aussprechen und teilweise Vorgehensweisen festlegen, liegt die endgültige Entscheidung dann doch oft bei der Schulleitung und dem Kollegium:

Haben wir überhaupt die Räume für zusätzliche Klassen? Wer soll sie unterrichten? Reichen unsere Ressourcen und Kompetenzen, um diese anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen? Und wie können Kindern und Jugendlichen – neben der Sprache – auch Kultur und Landeskunde vermittelt werden?

Den einen Weg zur perfekten Integration gibt es nicht.

Regelunterricht vs. Sprachklassen

In Nordrhein-Westfalen sorgt beispielsweise ein neuer Erlass für Aufregung, der die Sprachförderung im Rahmen des Regelunterrichts stärker in den Fokus nimmt. Durch gemeinsamen Unterricht soll die Integration von geflüchteten Kindern erleichtert werden. Zusätzlich lernen die Kinder nicht nur von der Lehrkraft, sondern auch von ihren Mitschülern, verbessern ihre Sprachkenntnisse in typischen Schulsituationen und lernen Regeln und Verhaltensweisen im Alltag kennen.

Kritisieren könnte man an diesem Verfahren, dass die Kinder nicht so sprachintensiv gefördert werden (können), wie es in einer eigenen Klasse der Fall ist. Dort kann in einem relativ gleichbleibenden Umfeld Schritt für Schritt an die Vielzahl neuer Eindrücke, Informationen und die Anforderungen im Regelunterricht herangeführt werden. Denn wie soll die Lehrkraft für alle Kinder gleichzeitig da sein, wenn sich plötzlich in ihrer Klasse neben durchschnittlichen oder sogar hochbegabten Schülern und Schülern mit Förderbedarf auch mehrere Kinder ohne Deutschkenntnisse befinden? „Eine Chance auf eine fundierte Bildung und spätere berufliche Perspektiven in Deutschland gibt es für neu zugewanderte Kinder nur mit soliden Deutschkenntnissen. Und die lassen sich nicht nebenher in der Regelklasse vermitteln“, so Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw (vgl. „Katastrophe für die schulische Integration“, vom 08.07.2016)

Ist deswegen die Förderung in Kleingruppen und die Teilintegration in den Regelunterricht am sinnvollsten, oder werden die Kinder durch das zweigleisige System nur überfordert? Hilft es ihnen mehr, wenn sie unter „Ihresgleichen“ sich zuerst in einer eigenen Klasse auf das Deutschlernen fokussieren, um dann mit gestärktem Selbstvertrauen und vor allem dem nötigen sprachlichen Verständnis die „anderen Schüler“ kennenzulernen? Oder funktioniert eine gute Integration nur, wenn so schnell wie möglich eine Trennung in deutschsprechende und DaZ-Kinder vermieden wird?

Wie klappt es denn nun?

Wie handhabt Ihre Schule die Sprachförderung?

Teilen Sie uns und allen anderen „DaZ-Lehrern“ Ihre Erfahrung gleich hier in den Kommentaren mit. Unter allen Teilnehmern verlosen wir bis zum 16. September drei Beiträge aus RAAbits DaZ.

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Ines Wagner
Ines Wagner
i.wagner@raabe.de

... ist Redakteurin in der Grundschulredaktion im Bereich Deutsch als Zweitsprache.

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