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Ausgestorben aber immer noch da – Wie alte Berufe in Namen weiterleben

Ausgestorben aber immer noch da – Wie alte Berufe in Namen weiterleben

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Wenn man Bäcker oder Müller heißt, ist es einfach zu erraten, wo diese Namen ihren Ursprung haben. Doch wie sieht es bei Pfister oder Häberle aus? Um die Mitte des 15. Jahrhunderts sind nahezu 150 Berufe in den großen Städten zu finden, die sich bis heute als Nachnamen bei uns etabliert haben. Da viele dieser Tätigkeiten heute nicht mehr benötigt werden oder von Maschinen übernommen wurden, tragen viele Menschen einen ausgestorbenen Beruf als Familiennamen. Die historischen Wurzeln sind manchmal aber noch zu erkennen.

Das „Kriegshandwerk“

In Zeiten von Krieg und noch vor der Verwendung des Schießpulvers erhielten die Recken ihre Waffen von Bognern oder Armbrustern. Wie leicht zu erraten ist, stellten sie Bögen und Armbrüste her. Zu diesen Berufen gesellten sich die Reider ebenso wie die Schwertfeger. Ihre Tätigkeiten gingen Hand in Hand: Während der Reider Messer- und Schwertgriffe herstellte, polierte und schärfte der Schwertfeger deren Klingen.

Stadtleben

CC BY-SA 3.0

Vor allen Dingen das Wachsen von Städten ermöglichte die Bildung vieler Berufszweige. Wer heutzutage Krüger heißt, dessen Vorfahren haben nicht etwa Krüge hergestellt, sondern besaßen das Krugrecht und betrieben vermutlich eine Gastwirtschaft. Ihre Getränke lagerten sie in Fässern. Diese wiederum wurden von einem anderen Berufsstand hergestellt: Neben (Fass-)Binder und Böttcher hat auch etwa Küfer die Bedeutung eines Fassherstellers. Je nach Region variierten diese Bezeichnungen stark. Die Fässer wurden von Kernern oder Kärrnern als Vorgänger heutiger Transportdienstleister mit Hilfe von Zugtieren an ihren Bestimmungsort geliefert. Noch heute kennt man den Begriff „Kärrnerarbeit“ als Synonym für harte körperliche Arbeit. Im Laufe der Zeit differenzierten sich die Berufe in den Städten mehr und mehr aus. Für das Herstellen von Holzgefäßen waren beispielsweise Scheffler, auch Schaffer oder Schäffler zuständig. Dementsprechend gehörte er entweder zu den Fassbindern, den Böttchern oder Küfern, die sich auf die Herstellung von Scheffeln, also Messbechern, konzentriert hatten.

Außerhalb des Handwerks

© Cubitus pixelio

Neben dem aufblühenden Handwerk und der Herausbildung von Zünften blieben auch Namen aus anderen Berufen erhalten. So der Büttel. Den Begriff kennen auch heute viele noch als abfällige Bezeichnung für einen niedrigen Beamten. Im Mittelalter waren dies Gerichtsdiener oder Boten jeglicher Art, die den Stand als niedrige Exekutivbeamte innehatten. Schultheißen, Schulze oder Schulte waren ernannte Dorfvorsteher, die darauf achteten, dass die Gemeindemitglieder die Leistung ihrer „Schuldigkeit“ einhielten. Wer den Namen „Türmer“ trägt hatte vermutlich einmal einen Türmer als Vorfahren. Er hielt von Turm einer Stadt nach Gefahren wie Angriffen und Feuer Ausschau und warnte die Stadtbewohner. Die Stadt Münster ließ es sich in den 1950er Jahre nicht nehmen, wieder einen traditionellen Türmer zu beschäftigen. Seit mehr als 60 Jahren wachen dort Türmer für Türmer.

Bauer ist nicht gleich Bauer

© iStock

Das landwirtschaftliche Gewerbe war der größte Wirtschaftssektor im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Damit kam den Bauern eine wichtige Rolle zu: Die Beschaffung tierischer und pflanzlicher Produkte. Worauf er sich spezialisiert hatte, lässt sich mehr oder weniger einfach aus dem Namen bestimmen: Wer sich beispielsweise fragt, was wohl ein Beckenbauer macht, denkt vermutlich zuerst entweder an Fußball oder aber an einen Menschen, der Becken baut (=Beckenschläger). Doch mit diesen Tätigkeiten hatte er nichts zu tun. Ein Beckenbauer war ein Bauer, der nebenbei als Bäcker tätig war. Das ermöglichte ihm einen zusätzlichen Verdienst, da im Mittelalter nicht jeder Haushalt über einen Ofen verfügte oder die Bevölkerung ihr Brot gegen Bezahlung beim Grundherrn backen musste. Wer sich auf einen speziellen Anbau konzentrierte oder sich einem bestimmten Produkt besonders widmete, lässt sich bei den Bäckern auch im Namen festmachen. So waren das schwäbische Häberle oder auch Habermann oder Habermeyer Bauern, die vornehmlich Hafer anbauten oder damit handelten. Pfister, Schönebeck oder Schwarzbeck fertigten feine weiße Brote für die Oberschicht oder dunkle für die Allgemeinheit.

 

Während diese alten und zumeist ausgestorbenen Berufe in heutigen Familiennamen weiterleben und an vergangene Zeiten erinnern, gibt es noch eine zweite Form von ausgestorbenen Berufen, deren Erinnerung allmählich verblasst. Von Aufweckern und Schmuckeremiten berichten wir im nächsten Beitrag.

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Sabine Friedrich
Sabine Friedrich
s.friedrich@raabe.de

... ist Redakteurin in der Redaktion Gesellschaftswissen und Sprachen.

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