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Auf der Flucht – der Weltflüchtlingstag am 20. Juni

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Spätestens seit 2015 ist das Thema Flüchtlinge in Deutschland wieder hochaktuell und wird mit Interesse verfolgt. Aber Flucht und Vertreibung sind keine neuen Probleme.

Um uns die Herausforderungen einer Flucht, deren Gefahren, Hindernisse und Gründe in Erinnerung zu rufen und unsere Solidarität mit Flüchtlingen zum Ausdruck zu bringen, gründete UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees), das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, 2001 den Weltflüchtlingstag.

Warum 2001, weshalb am 20. Juni und was ist überhaupt UNHCR?

2001 feierte UNHCR seinen 50. Jahrestag. UNHCR ist das in der UN zuständige Kommissariat für Flüchtlinge und Staatenlose. Es kümmert sich um deren Schutz, überwacht die Einhaltung der Genfer Flüchtlingskonvention, nach der Flüchtlinge in anderen Ländern Asyl erhalten können, und organisierte humanitäre Hilfsprojekte im In- und Ausland.

Da Flüchtlingstage schon vor 2001 in vielen Ländern begangen wurden – oft initiiert durch die Kirche – beschloss UNHCR einen weltweiten Tag festzulegen. Die Wahl fiel auf den 20. Juni, weil an diesem Tag bereits einige Länder speziell der Flüchtlinge aus Afrika gedachten.

Weitere Flüchtlingstage in Deutschland sind der Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 19. Januar (eingeführt 1914 durch Papst Benedikt XV) und der Tag des Flüchtlings Ende September im Zuge der Interkulturellen Woche (1975 gegründet durch die Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie).

Sind Flüchtlinge denn ein anhaltendes Thema und wie sieht die Situation aktuell aus?

Wer erst seit fünf oder zehn Jahren unterrichtet, dem kommt der Zuwachs an fremdsprachigen Schülern im Unterricht vielleicht wie ein nie bekanntes Problem vor, schon länger tätige Lehrkräfte wirken möglicherweise schon „abgebrühter“.

Bereits in den 90er Jahren erlebte Deutschland einen markanten Anstieg der Flüchtlingszahlen. Rund 440.000 Asylsteller vor allem aus Jugoslawien und Rumänien stellten Lehrkräfte um 1992, ähnlich wie den letzten zwei Jahren, vor neue Herausforderungen.

Seitdem sah die Zahl der Asylanträge in Deutschland eher überschaubar aus (im Schnitt bei 100.000). Erst 2015 war mit rund 480.000 Erstasylanträgen wieder ein Höhepunkt erkennbar, der sich 2016 nochmals auf ca. 720.000 Anträge steigerte.

Doch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) warnt vor voreiligen Schlüssen. Die Zahl der Asylanträge entspricht nicht der Anzahl der Flüchtlinge in Deutschland. So haben nicht alle Menschen, die in Deutschland einreisen sofort die Möglichkeit einen Antrag auf Asyl zu stellen. Andere, die häufig in andere Ortschaften oder Bundesländern verlegt werden und/oder keine Ausweispapiere haben, werden unter Umständen mehrfach erfasst. So geht das BAMF zum Beispiel davon aus, dass 2016 nur ca. 280.000 Asylsuchende in Deutschland eingereist sind.

Helfen ist nicht schwer

Was passiert mit Flüchtlingen in Deutschland?

Nicht jede Person, die in Deutschland Asyl beantragt, erhält dieses auch. Zuerst wird geprüft, welches Land für die Bearbeitung des Asylantrages zuständig ist und ob der Antragssteller ein Flüchtling im Sinne des Gesetzes ist. Hierzu zählen Menschen, die in ihrem Heimatland aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder ihrer politischer Überzeugung vom Staat verfolgt werden. Erfolgt die Verfolgung durch eine nicht-staatliche Organisation, muss geprüft werden, ob der Heimatstaat selbst Schutz anbieten könnte. 2016 wurden vor allem Geflüchtete aus Syrien, dem Irak, dem Iran und Eritrea als Flüchtlinge eingestuft.

Anders sieht die Situation für Menschen aus, die aufgrund von Bürgerkriegen, Naturkatastrophen, Armut oder Arbeitslosigkeit ihr Land verlassen. Obwohl sie nach der Genfer Flüchtlingskonvention nicht als Flüchtlinge gelten, können sie in Deutschland (eingeschränktes) Asyl erhalten. Hierzu zählen Geflüchtete, deren Leben durch Todesstrafe, Folter oder bewaffnete Konflikte in ihrem Land ernsthaft bedroht ist. Sie erhalten sogenannten subsidiären Schutz und dürfen in Deutschland bleiben, aber ihre Familien erst nach zwei Jahren hinzuholen (sofern die Schutzvoraussetzungen bis dahin noch vorhanden sind). Alternativ kann ein Abschiebeverbot verhängt werden, durch das die Menschen mindestens ein Jahr in Deutschland bleiben dürfen.

Geringe Chancen auf eine Bleibeerlaubnis haben Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen oder auf Grund von Diskriminierung (ohne das ihr Leben ernsthaft in Gefahr ist) nach Deutschland flüchten, zum Beispiel Tschetschenen aus Russland oder Roma und Arbeitsmigranten aus Albanien. 2016 mussten ca. 40 % der Asylbewerber Deutschland wieder verlassen, 2017 wurden bisher gut 50 % der Anträge abgelehnt.

Das Thema Flüchtlinge im Unterricht?

Trauen Sie sich, das Thema auch im Unterricht aufzugreifen – auch schon in der Grundschule.

Klären Sie mit den Schülern beispielsweise Fluchtgründe und -schicksale anhand konkreter Beispiele oder lassen Sie die Kinder danach recherchieren (zum Beispiel auf kindersache.de).

Werfen Sie einen genaueren Blick auf die Asylpolitik Deutschlands oder das Asylverfahren.

Stelle Sie Bezüge zur Vergangenheit oder anderen Ländern her.

Oder greifen Sie das Thema über eine Geschichte auf, zum Beispiel mit den Büchern Ins Paradies von Iris Lemanczyk oder Der falsche Inder von Abbas Khider.

Und vielleicht haben Sie auch Schüler in Ihren Klassen, die bereit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Nutzen Sie die Gelegenheit auch, das Schöne der Herkunftsländer hervorzuheben und geben Sie Ihren Schülern die Chance, andere Kulturen kennenzulernen.

Und wie klappt das mit der Integration in der Schule?

Die Schule ist für viele Flüchtlingskinder der erste Schritt in die Integration. Hier lernen sie Kinder in ihren Alter kennen und erleben den deutschen Alltag und Kultur direkt mit.

Um die neuen Schüler nicht nur als passive Beisitzer im Unterricht und ins Schulgeschehen miteinzubeziehen, ist eine schnelle – aber auch individuell angepasste – Sprachförderung wichtig. Das gilt für die Grundschule, ebenso wie für die weiterführenden Schulen.

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Ines Wagner
Ines Wagner
i.wagner@raabe.de

... ist Redakteurin in der Grundschulredaktion im Bereich Deutsch als Zweitsprache.

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