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Was heißt hier „entdecken“? – Europäer entdecken die Welt

Was heißt hier „entdecken“? – Europäer entdecken die Welt

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Vasco Núñez de Balboa

Am 25. September soll Balboa – nicht Sylvester Stallone als Boxer sondern der Spanier Vasco Núñez de Balboa – als erster Europäer den Pazifischen Ozean erblickt haben. Wir feiern also das Jubiläum, dass wir Europäer seit 500 Jahren vom Pazifik wissen. Mein Kollege Gerd Birkigt hat ja bereits darauf hingewiesen.

Das gibt uns die Gelegenheit, unser europäisches Weltbild zu reflektieren. Balboa steht für uns in gedanklicher Nähe zu den großen „Entdeckern“ und Eroberern Christoph Columbus, Francisco Pizarro und James Cook. Die Tatsache, dass diese Menschen als „Entdecker“ in unserer Alltagssprache verankert sind, täuscht lässig darüber hinweg, dass die meisten ihrer „Entdeckungen“ im besten Falle als Wieder-Entdeckungen zu bezeichnen sind, da bereits andere Menschen dort siedelten oder zumindest vorher schon da waren. Es handelt sich also nur für die damaligen Europäer um tatsächliche Entdeckungen. Sehr schön hat G. C. Lichtenberg das ausgedrückt:

Der Amerikaner, der Columbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung.

Ich kenne einige Südamerikaner, die sich – obwohl europäischer Abstammung – vehement gegen eine solch eurozentrische Sicht auf die Welt und Weltgeschichte wehren. Sie empfinden es heute noch so, dass ihr Lebensraum für uns Europäer nur eine große Vorratskammer darstellt, in welcher wir uns nach Lust und Laune bedienen, ohne Rücksicht auf die Einwohner zu nehmen – wie das bereits Columbus getan hat. Als

So lernen Schüler die Welt kennen. Auf der ganzen Welt ist Europ im Mittelpunkt.

So lernen Schüler die Welt kennen. Auf der ganzen Welt ist Europa im Mittelpunkt.

Argument für die Überheblichkeit und das egozentrische Verhalten der Europäer wird dann auch gerne auf die Weltkarte verwiesen, auf der traditionell Europa im Zentrum steht. Weltweit wachsen die Schüler mit dieser Ansicht der Welt auf. Dass es für diese Darstellungsweise auch Gründe gibt, soll dahingestellt bleiben.

Die Fragen, die sich mir stellen: Wie stehen wir Europäer zu anderen Kontinenten? Sehen wir uns als Teil der einen Welt oder denken wir nur europäisch? Hat das Zusammenwachsen Europas auch globale Folgen? Und wenn ja, welche? Welche Verantwortung haben wir Europäer wahrzunehmen? Wie wollen wir in der Welt wahrgenommen werden und was tun wir dafür?

Auf Antworten – aus aller Welt – bin ich gespannt!

 

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Tobias Dietzsch
t.dietzsch@raabe.de

Redakteur bei den RAAbits, betreut Realschule Erdkunde verantwortlich, bei der Entwicklung neuer Produktideen dabei und unterstützt die Redaktion von Berufsschule Englisch und hat als Lehramtsfächer Englisch und Erdkunde studiert.

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