Was geschah am 7. Dezember 43 v. Chr.?

Was geschah am 7. Dezember 43 v. Chr.?

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Cicero-Statue vor dem „Palazzo di Giustizia“ in Rom © Thinkstock/Hemera

Cicero-Statue vor dem „Palazzo di Giustizia“ in Rom
© Thinkstock/Hemera

Heute vor über 2000 Jahren: Es ist der 7. Dezember 43 v. Chr. Ein Mann versucht, in der Nähe von Formiae, einer italienischen Hafenstadt südöstlich von Rom, über das Meer zu fliehen, wird aber von Soldaten gefasst und getötet …

 Wer war dieser Mann und was geschah?

Es handelt sich um keinen geringeren als Marcus Tullius Cicero: römischer Schriftsteller, Politiker, Anwalt und Philosoph, berühmtester Redner Roms sowie Konsul des Jahres 63 v. Chr. Die Soldaten waren Anhänger von Marcus Antonius, der alte Differenzen durch großangelegte Proskriptionen, also Ächtungen, beilegen wollte. Geächtete Personen durften im antiken Rom von jedem getötet werden, der dafür meist auch noch eine Belohnung erhielt. Eine Liste mit den Namen der Proskribierten wurde öffentlich ausgehängt. Auf Antonius’ erster Liste stand auch Ciceros Name.

Aber von vorne … Cicero wurde am 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum, circa 110 km südöstlich von Rom, als der ältere von zwei Söhnen eines wohlhabenden Ritters geboren.

Er erreichte alle Ämter des cursus honorum – der traditionellen Abfolge der Magistraturen in der antiken Ämterlaufbahn – in dem dafür vorgeschriebenen Mindestalter (suo anno), was ihm den Vorwurf einbrachte, ein homo novus zu sein, also ein Mann, der als Erster aus seiner Familie das Konsulat bekleidete – in der Antike kein Grund für Komplimente, sondern etwas, das abschätzig von der Oberschicht betrachtet wurde, war er doch ein „Emporkömmling“ und „Aufsteiger“ aus dem Ritterstand (ordo equester).

In politischen Belangen ist Cicero vor allem für seine Rolle im Prozess gegen Verres und bei der Niederschlagung der Catilinarischen Verschwörung bekannt. Spätestens seit dem Urteil des römischen Redners und Rhetoriklehrers Quintilian, dass Cicero jedem griechischen Redner ebenbürtig sei, gilt er als das entscheidende stilistische Vorbild für klassische lateinische Prosa: sein Stil wird als Muster der „goldenen Latinität“ gesehen. Von Cicero sind circa 100 Reden durch Titel oder Bruchstücke bekannt und 58 erhalten, wenn auch teilweise lückenhaft. Weiterhin gehören philosophische Schriften, rhetoriktheoretische Werke und über 800 Briefe zu seinem Werk.

Auf philosophischem Gebiet liegt Ciceros Leistung darin, dass er die griechische Philosophie an lateinischsprachige Leser vermittelte, wofür er eine neue lateinische Terminologie schuf. Viele griechische Quellen, die ansonsten nicht überliefert sind, findet man nur in seiner Bearbeitung.

Soviel zu seiner Karriere und seinem schriftstellerischen Schaffen. Aber warum wurde Cicero nun im Dezember 43 getötet?

Die Iden des März 44 v. Chr.

Eine Gruppe von Senatoren möchte der despotischen Herrschaft Caesars ein Ende setzen und ermordet ihn unter der Führung von Gaius Cassius Longius und Marcus Iunius Brutus. Cicero ist daran nicht beteiligt, äußert aber Freude über den Tod des „Tyrannen“. In der Folge kehrt jedoch keine Ruhe ein, sondern Antonius – zuvor Caesars Mitkonsul und Verbündeter – strebt nun die Alleinherrschaft an. Auch Caesars Neffe Octavian mischt mit und zieht die früheren Anhänger seines Onkels auf seine Seite, die kurz zuvor noch auf Antonius’ Seite standen. Cicero unterstützt – nicht ohne Bedenken – Octavian gegen Antonius und übernimmt mit seinen 14 philippischen Reden die Führung im republikanischen Teil des Senats. Doch Octavian plant nicht, wie Cicero hofft, Antonius zu vernichten, sondern zieht mit seinen Legionen nach Rom, um das Konsulat für sich zu beanspruchen, das er im August 43 v. Chr. auch erhält. Und nicht nur das, er bildet kurz darauf gemeinsam mit Antonius und Marcus Lepidus das Zweite Triumvirat, das Proskriptionen gegen seine politische Gegner beschließt. Ganz oben auf Antonius „Todesliste“ steht also Cicero, der am 7. Dezember 43 v. Chr. auf der Flucht getötet wird und dessen Kopf und Hände zur Abschreckung auf der Rostra am Forum Romanum zur Schau gestellt werden.

Folgende spannende Beiträge zu Cicero finden Sie in den RAAbits Latein:

Spannend wie ein Roman: Der Verres-Prozess. Eine Unterrichtseinheit zu Ciceros Reden gegen Verres (9./10.Klasse)

Scimus fidem concidisse – Cicero und die Finanzkrise (Oberstufe)

De re publica. Die römische Verfassung in Theorie und Praxis (Oberstufe)

Fit für Cicero! Texte fürs Latinum mit Cicero als zentralem Autor (9.-13. Klasse)

Officia oratoris. Eine Unterrichtsreihe zur Theorie der römischen Rhetorik (ab 10. Klasse)

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Ina Koslowski
Ina Koslowski
i.koslowski@raabe.de

… betreut im RAABE Fachverlag für die Schule die Projekte RAAbits Latein und RAAbits Realschule Religion.

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