Was für ein Theater! – Postdramatische Stücke im Unterricht

Was für ein Theater! – Postdramatische Stücke im Unterricht

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Theaterstücke der Gegenwart – nur blinde Provokation?

Turbulent geht es auf der Bühne zu: Die Darsteller schreien und schimpfen, reden vor sich hin, rattern komplexe Texte herunter, filmen einander mit Videokameras oder verfangen sich in scheinbar sinnlosen Wiederholungsschleifen. Wer heute ins Theater geht, muss sich auf Einiges gefasst machen: Wahrscheinlich bekommt er kaum eine Handlung zu sehen, geschweige denn Schauspieler, die durchgängig eine Rolle spielen.

Auch auf routinierte Theaterbesucher wirkt das oft irritierend. Erst recht sorgt es daher bei Schülerinnen und Schülern für Verwirrung, wenn sie zum ersten Mal mit einem postdramatischen Theaterstück in Berührung kommen. Schnell tauchen Fragen auf: Was soll das alles? Was steckt hinter dem Verzicht auf traditionelle Formen? Wozu die schnellen Schnitte, die schrillen Töne, die vielen Sprünge, Überblendungen und Spiegelungen?

Schöne neue Arbeitswelt – Manager auf der Bühne

Wer sich auf die ungewohnte Ästhetik einlässt, merkt schnell, dass die künstlerischen Mittel des Gegenwartstheaters keineswegs Selbstzweck oder nur auf Provokation ausgerichtet sind. Sie reagieren vielmehr auf unser gewandeltes Medien- und Rezeptionsverhalten und zielen darauf ab, die Diskussion über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen anzustoßen: etwa über das Wirtschafts- und Arbeitsleben in Zeiten des Neoliberalismus.

Die Inszenierung an der Berliner Schaubühne vermittelt zum Beispiel einen Eindruck davon, wie Falk Richter in seinem Drama „Unter Eis“ den heutigen Leistungs- und Erfolgsdruck zum Thema macht: Das Stück zeigt, wie die Sprache und der Kulturbegriff der Consultingindustrie auf die gesamte Gesellschaft übergreifen und welche Existenzängste diejenigen plagen, die mit dem Tempo der flexiblen Arbeitswelt nicht mehr mithalten können:

Nutzen Sie die Diskussionsimpulse aktueller Theaterstücke, um brisante gesellschaftliche Entwicklungen in Ihrem Unterricht zu diskutieren! Die RAAbits-Reihe „Der flexible Mensch – Arbeit und Individuum im postdramatischen Theater“ bietet Material dafür: Ihre Schülerinnen und Schüler untersuchen Stücke von Falk Richter, Kathrin Röggla und René Pollesch und erleben dabei, wie das Gegenwartstheater Probleme unseres Alltags auf die Bühne bringt, aktuelle Tendenzen hinterfragt und sich dabei selbst reflektiert.

Titelfoto: © thinkstock/istock

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Gerrit Leerhoff
g.leerhoff@raabe.de

Redakteur im RAABE Fachverlag für die Schule

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