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Was ein Marshmallow über den Notendurchschnitt verrät

Was ein Marshmallow über den Notendurchschnitt verrät

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Kennen Sie den Marshmallow-Test?

Marshmallow on the skewers

Süß und sehr verführerisch!  © Colourbox

Dieses psychologische Experiment hat der Persönlichkeitspsychologe Walter Mischel Ende der 60er Jahre entwickelt, um die Fähigkeit zur Impulskontrolle bei Kindern im Vorschulalter zu messen. Die Versuchsanordnung ist einfach: Vor das Kind wird ein Teller mit einem Marshmallow gestellt. Die Betreuerin bietet dem Kind nun folgenden Deal an: „Entweder isst Du das Marshmallow sofort oder Du wartest, bis ich wiederkomme. Dann bekommst Du zwei Marshmallows.“ Mit dieser Information verlässt die Betreuerin für etwa 15 Minuten den Raum und stellt das Kind vor die alles entscheidende Frage: Kann ich dieser fluffigen Köstlichkeit jetzt widerstehen, wenn das Versprechen lockt, später gleich zwei davon zu bekommen? Keine einfache Entscheidung, wie dieses Video beweist:

Erstaunliche Erkenntnisse über die Entwicklung von Kindern

Walter Mischel hat die Kinder aus seiner Studie über längere Zeit begleitet und dabei Erstaunliches festgestellt. In einem Interview mit dem Zeit-Journalisten Kolja Rudzio fasst der Wissenschaftler seine Ergebnisse zusammen:

„Zehn Jahre nach unserem Experiment stellten wir fest: Die High Delayer [Kinder, die lange auf das Marshmallow warten konnten] besaßen eine höhere Konzentrationsfähigkeit als die anderen. Sie konnten besser mit Frustrationen umgehen, waren selbstbewusster, erzielten bei Intelligenztests höhere Werte und hatten die besseren Schulnoten. Zwanzig Jahre später besaßen sie häufiger einen Uni-Abschluss, ihre Beziehungen waren stabiler, sie nahmen seltener Drogen, und sie waren schlanker als die Low Delayer. Und so ging es in den folgenden Jahrzehnten immer weiter: In allen möglichen Facetten des Lebens blieben auffällige Unterschiede.“

Ist also ein Marshmallow entscheidend für den späteren Erfolg im Leben? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Denn zum einen gilt der sozialwissenschaftliche Grundsatz, dass Korrelation nicht Kausalität bedeutet. Dass ich als Vierjährige bei einem Marshmallow schwach werde, heißt nicht zwangsläufig, dass ich später einmal schlechte Noten schreibe. Außerdem – und das ist entscheidend – können Menschen sich ändern. Studien zur Impulskontrolle zeigen, dass aus Kindern mit einem geringen Maß an Selbstdisziplin Jugendliche mit guter Impulskontrolle werden können – und andersherum. Immerhin ein Viertel der Studienteilnehmer von Walter Mischel hatten im Laufe der Zeit eine Veränderung in die eine oder andere Richtung durchgemacht. Es gibt also Hoffnung für die ungeduldigen Marshmallow-Vertilger aus dem Video! Impulskontrolle und weitere Fähigkeiten, die für ein planvolles und überlegtes Handeln wichtig sind, kann man üben und trainieren. In den Neurowissenschaften werden diese Fähigkeiten als „exekutive Funktionen“ bezeichnet.


Was sind exekutive Funktionen?

Exekutive Funktionen ermöglichen es uns, zu organisieren und zu planen, eine Aufgabe zeitig anzufangen und dranzubleiben, mit Frustration und Wut umzugehen sowie flexibel nach Lösungen zu suchen. Sie entwickeln sich im Kindesalter und sind Grundlage dafür, sich selbst „im Griff zu haben“.


Mit exekutiven Funktionen alles im Griff! In der Schule ist die Fähigkeit, Impulse zu kontrollieren und zu steuern, sowohl für den Lernerfolg als auch für das Miteinander zentral. Ihre Schülerinnen und Schüler müssen lernen konzentriert und sorgfältig zu arbeiten, sich nicht ablenken zu lassen und geduldig mit sich und anderen zu sein. Das ist oft leichter gesagt als getan, wie Sie sicher aus Ihrer Erfahrung – nicht nur mit frisch gebackenen ABC-Schützen – wissen. Als Lehrerinnen und Lehrer können Sie Ihre Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, indem Sie z. B. die Arbeit Ihrer Klasse durch Wochenpläne strukturieren, für ausreichend Bewegung sorgen und Übergänge zwischen verschiedenen Arbeitsphasen den Kindern bewusst machen. Welche Fördermöglichkeiten es sonst noch gibt und wie Sie Ihre Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung der exekutiven Funktionen helfen können, ist Thema einer Fortbildung der Raabe Akademie für Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer. In Zusammenarbeit mit dem ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen der Universität Ulm und mit Unterstützung des VBE und des BLLV haben wir die Fortbildung „Alles im Griff – Leichter lernen durch die Förderung der Selbstregulation“ entwickelt. In der Fortbildung erfahren Sie, wie Sie die exekutiven Funktionen Ihrer Schülerinnen und Schüler mit viel Spaß fördern und trainieren können. Die nächsten Termine stehen auch schon fest:

Eine Anmeldung ist ab sofort möglich. Weitere Informationen finden Sie unter www.raabe-akademie.de

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Anne-Kathrin Schmid
Anne-Kathrin Schmid
a.schmid@raabe.de

organisierte Veranstaltungen für die RAABE Akademie.

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