Vor langer Zeit …? – Der „Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung“

Vor langer Zeit …? – Der „Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung“

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Ich habe den Test gemacht: 35 Sklaven arbeiten für mich. Jedenfalls laut slaveryfootprint.org. Dabei lebe ich im 21. Jahrhundert mitten in Europa und versuche WIRKLICH, ein guter Mensch und Konsument zu sein. Angesichts des „Internationalen Tages zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung“ am 23. August stellt sich da die Frage: Wie sieht es denn aus, das Gesicht der modernen Sklaverei?

Logo UNESCO CLT 2014 20th Twentieth Anniversary of the Slave Route ProjectJa, gibt’s denn heut‘ überhaupt noch Sklaven?

Also ich hab‘ noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar g‘sehen“, verkündete Franz Beckenbauer im vergangenen November nach seiner Rückkehr aus dem Emirat. „Die laufen alle frei rum. Weder in Ketten, gefesselt, noch mit irgendwelcher Büßerkappe auf dem Kopf.

– Quelle / Video: YouTube

Katastrophale Arbeitsbedingungen auf den Baustellen in Katar

Die Reaktionen auf Beckenbauers Äußerungen reichten von ungläubigem Staunen bis hin zu blankem Entsetzen. Vor allem Menschenrechtsorganisationen reagierten empört. Denn der Wüstenstaat Katar steht bereits seit längerer Zeit in der Kritik: Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der WM-Stadien sind katastrophal. Tausende Menschen werden dort als moderne Arbeitssklaven ausgebeutet – auch ohne Fesseln und Ketten. Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften werden missachtet, Gehälter nicht gezahlt, Pässe werden eingezogen. Zahlreiche Arbeiter sind bereits ums Leben gekommen.

Sklaven in Ketten und Fesseln – woher stammt diese Vorstellung?

Die Vorstellung vom Sklaven in Ketten und Fesseln ist allerdings noch immer weitverbreitet. Denn unser Bild von Sklaverei ist vor allem durch den transatlantischen Sklavenhandel der Kolonialzeit geprägt. Millionen von Afrikanern wurden in dieser Zeit von den europäischen Seehandelsmächten – allen voran Portugal – in überseeische Kolonien verschleppt, wo sie als rechtlose Sklaven auf den dortigen Plantagen schuften mussten.

23. August – der „Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung“

Im Jahr 1807 verbot Großbritannien den Handel mit Sklaven – und bekämpfte zudem aktiv den Sklavenhandel der anderen europäischen Staaten. 1815 wurden Sklaverei und Sklavenhandel auf dem Wiener Kongress geächtet. Nach und nach kam der transatlantische Sklavenhandel zum Erliegen. Mit dem 1998 von der UNESCO ausgerufenen „Internationalen Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung“ wird diesem dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte gedacht.

Moderne Sklaverei braucht keine Fesseln und Ketten

Heute ist Sklaverei in der ganzen Welt offiziell abgeschafft. Doch auch wenn sie auf dem Papier nicht mehr existiert, ist sie längst nicht ausgestorben. Einer Studie der Walk Free Foundation zufolge sind weltweit knapp 30 Millionen Menschen Opfer moderner Sklaverei. Dabei wird moderne Sklaverei definiert als „Zustand, in dem eine Person besessen und kontrolliert wird, mit dem Ziel, aus diesem Menschen Profit zu schlagen oder ihn zu missbrauchen“. Durchgesetzt wird das von den Tätern durch Gewalt, Drohungen und Nötigung. Moderne Sklaverei umfasst eine Vielzahl an Ausbeutungsverhältnissen wie z. B. Zwangsarbeit, Zwangsprostitution, Kinderarbeit, Zwangsheirat oder auch die sogenannte Schuldknechtschaft.

Wie viele Sklaven arbeiten für Sie?

Wer glaubt, in Deutschland hätten wir heutzutage mit Sklaverei nichts zu tun, der irrt. Kleidung, Handys, Schokolade, Schmuck – in vielen Produkten, die wir tagtäglich konsumieren, steckt Sklavenarbeit. Wie viele Sklaven arbeiten für Sie? Auf www.slaveryfootprint.org können Sie das herausfinden. Trotz weltweiter Ächtung ist die Sklaverei nicht abgeschafft. Es gibt noch viel zu tun.

Falls Sie das Thema „Sklaverei“ in Ihrem Unterricht (auch fächerübergreifend) thematisieren möchten, dann könnten die folgenden Beiträge für Sie interessant sein:

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Valeska Spaetling
Valeska Spaetling
v.spaetling@raabe.de

war Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreute die Projekte „RAAbits Wirtschaft Berufliche Schulen“ und "RAAbits Realschule Sozialkunde/Politik".

1 Comment
  • Kristina Holzner
    Kristina Petry
    Posted at 10:23h, 21 August

    Für die Spanischlehrer unter unseren Bloglesern habe ich ebenfalls noch einen Tipp, dieses interessante Thema im Unterricht aufzugreifen: Der Film “También la lluvia” (“Even the rain”) von Regisseurin Icíar Bollaín zeigt, wie sehr sich die Strukturen der Sklaverei in Bolivien bis heute gehalten haben. Wenn zwei Filmemacher nach Bolivien reisen, um dort einen Film über die “Entdeckung Amerikas” durch Kolumbus zu drehen und dabei auf die indigene Bevölkerung als Komparsen setzen, weil diese so billig sind – spricht daraus nicht auch eine Form der Sklaverei wie sie heutzutage definiert wird? Die Filmemacher nutzen die Notsituation der Indigenen schließlich bewusst aus. Die Unterrichtsreihe zum Film finden Sie hier: http://bit.ly/1liREkZ
    Mein persönlicher Sklaven-Fußabdruck ist übrigens noch etwas höher als der meiner Kollegin – ich werde darüber nachdenken müssen, woran das liegt …

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