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Vom langen Weg zur Medienkompetenz

Vom langen Weg zur Medienkompetenz

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Der Begriff der „Medienkompetenz“ findet sich in beinahe allen Bildungsplänen wieder. Egal ob Deutsch-, Religions- oder Erdkundeunterricht – diese Kompetenz sollen alle Fächer vermitteln. Also lohnt sich doch die Frage, was sich dahinter eigentlich verbirgt! Die Wikipedia-Definition geht auf den Pädagogen Dieter Baacke zurück, der die Medienkompetenz folgendermaßen gliederte:

Gliederung der Medienkompetenz nach Baacke

 

Dabei wird nichts darüber gesagt, um welche Medien es überhaupt geht. Das bedeutet, dass alle Medien gleichberechtigt nebeneinander stehen. Bei dem was heute über Medienkompetenz geschrieben wird, gewinne ich meist den Eindruck, dass es ausschließlich um die „neuen Medien“ oder „digitale Medien“ geht.

Grundschülerin am Globus (c) colourbox.com

Grundschülerin am Globus (c) colourbox.com

Oft vergessen – oder unterschlagen – wird die Fähigkeit mit altbekannten Medien umzugehen: Eines der Didaktik-Bücher aus meiner Studienzeit („Didaktik der Geographie konkret“ herausgegeben von Haubrich u. a. 1997*) listet als Unterrichtsmedien im Erdkunde-Unterricht u. a. Bild, Karikatur, Film, Diagramm, Atlas, Schulbuch, Karte, Zeitung, Modelle und sogar originale Gegenstände auf. Auch damit umzugehen will gelernt sein und muss gelehrt werden!

In vielen Unterrichtsstunden steht am Ende ein Ergebnis in Form eines Posters oder Plakates fest, wird die Erkenntnis von Arbeitsgruppen mithilfe einer Folie präsentiert, oder tragen Schüler ihre Einsichten als Vortrag vor, der durch Powerpoint-Folien illustriert wird. Diese Beispiele zeigen, dass der Umgang mit unterschiedlichen Medien ganz selbstverständlich geübt wird.

Die Aspekte der Medienkritik und der Medienkunde spielen keine oder höchstens eine untergeordnete Rolle. Hier sehe ich persönlich großen Nachholbedarf. Besonders der Aspekt der Medienkritik scheint ein Feld mit gewaltigem Potenzial zu sein, wenn man bedenkt, dass zunehmende Medienkompetenz im Bereich der neuen Medien anscheinend dazu führt, dass diese häufig für Cybermobbing genutzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie der Universitäten Münster und Hohenheim laut Bildungsklick.

Ich bin gespannt, ob die geplante Bildungsplanreform für Baden-Württemberg den Spagat zwischen

  • Medien aktiv und innovativ nutzen und gestalten

auf der einen und

  • Medien analytisch, reflexiv und ethisch zu kritisieren

auf der anderen Seite gut hin bekommt. Denn immerhin bezeichnet sie den Umgang mit Medien sogar als „Schlüsselkompetenz“ und will darum

die Medienbildung als fächerübergreifendes Leitprinzip in allen Schularten und Jahrgangsstufen als zentrales Element noch stärker als bisher im Unterricht

verankern. Diese Information stammt von hier.

* Um Herrn Professor Haubrich und seinen Mitherausgebern gerecht zu werden, muss ich natürlich erwähnen, dass die Neuauflage des Buches (von 2006) den digitalen Medien im Erdkunde-Unterricht sogar ein eigenes Kapitel widmet!

 

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Tobias Dietzsch
t.dietzsch@raabe.de

Redakteur bei den RAAbits, betreut Realschule Erdkunde verantwortlich, bei der Entwicklung neuer Produktideen dabei und unterstützt die Redaktion von Berufsschule Englisch und hat als Lehramtsfächer Englisch und Erdkunde studiert.

2 Kommentare
  • Tobias Dietzsch
    Gepostet um 17:00h, 21 August

    Hier als Nachtrag noch ein Link zur Stellungnahme einer 16jährigen Schülerin: http://www.netzofant.de/vermittlung-medienkompetenz-im-schulalltag/

  • Vom langen Weg zur Medienkompetenz | #shgmedien...
    Gepostet um 09:48h, 19 Oktober

    […] Der Begriff der "Medienkompetenz" findet sich in beinahe allen Bildungsplänen wieder. Egal ob Deutsch-, Religions- oder Erdkundeunterricht – diese Kompetenz sollen alle Fächer vermitteln.  […]

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