Themen
Lehrer-Blog Archiv

Vielsprachigkeit – ein besonderer Unterrichtseinstieg

Vielsprachigkeit – ein besonderer Unterrichtseinstieg

Posting teilen:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es so schön bei Hesse. Oft ist aber aller Anfang schwer – oder zumindest herausfordernd, wenn Sie Schülerinnen und Schüler für die verschiedensten Unterrichtsinhalte motivieren wollen. Der Unterrichtseinstieg sollte, die Lernenden ansprechen, Spannung aufbauen und aktivieren. Gleich drei Dinge auf einmal. Das ist nicht einfach, denn wie kann ein Einstieg für alle gleichermaßen gelten, wo doch jede Schülerin und jeder Schüler seinen spezifischen Lernzugang hat, nur auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreifen kann, das Vorwissen, an dem der neue Inhalt andocken kann, sehr unterschiedlich ist.

Dennoch führt kein Weg daran vorbei, ein Einstieg muss her. Sinnvoll wäre, als Lehrkraft mehrere Einstiege in petto zu haben, um immer wieder variieren zu können, und Erfahrung zu sammeln, was bei den Schülerinnen und Schülern gut ankommt, was weniger. In den verschiedenen Fächern können die Sinne unterschiedlich stark angesprochen werden. Ein spektakuläres Experiment in den naturwissenschaftlichen Fächern wirkt ganz anders als ein mehr oder weniger trockener Lehrervortrag.

Im Fach Deutsch haben Sie als Lehrerin oder Lehrer die Möglichkeit, insbesondere die Subjektivität Ihrer Schülerinnen und Schüler sowie deren Emotionen anzusprechen und herauszufordern. In den letzten Wochen hatte ich ein Manuskript von Heide Marie Voigt auf dem Tisch (Zwiesprache Lyrik. Jugendliche schreiben eigene Gedichte – möglichst zweisprachig). Sie hat zum Beispiel Ihre Unterrichtseinheit „Zwiesprache Lyrik“ mit der letzten Strophe eines Gedichts von Nazim Hikmet (Begründer der modernen türkischen Lyrik und einer der bedeutendsten türkischen Dichter) eröffnet. Mit einem Zettel in der Hand, sie kann nicht türkisch, schreibt sie „Wort für Wort, Zeichen für Zeichen“ an die leere Tafel. Die Klasse, darunter viele Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund, bemerkt: Da passiert etwas Neues!

Schüler schreiben Gedichte.

Schüler mit dem passenden Unterrichtseinstieg zum Dichten bringen.
© Colourbox

Die sich anschließende Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler ist es, selbst ein Gedicht zu verfassen, sie dürfen es auch in der eigenen Muttersprache tun – Zweisprachigkeit, Vielsprachigkeit werden anerkannt und gefördert, Individualität respektiert.

Sich subjektiv auszudrücken ist oft nicht einfach für die Mädchen und Jungen, doch am Ende der Unterrichtseinheit gibt es vorzeigbare Ergebnisse, schreibt Voigt. Es entsteht ein Buch und die eigenen Gedichte werden auf einer Bühne vorgetragen. In Bremen ist dieses Schulprojekt von 2010 bis 2015 erfolgreich gelaufen. Etwa 60 Klassen haben sich bisher an „Zwiesprache Lyrik“ beteiligt – ein großer Erfolg. Vielleicht auch eine Idee für Ihre Klasse? Probieren Sie es aus und schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen.

Posting teilen:
Gerd Birkigt
Gerd Birkigt
g.birkigt@raabe.de

... ist Redaktuer im Bereich Bildungsmanagement.

keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Akzeptieren und Weiter
Diese Webseite verwendet Cookies. In unserer Datenschutzbestimmung können Sie Details über die Einstellungen der Anbieter erfahren und wie Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern können. Durch den Besuch der Website akzeptieren Sie die Nutzung von Cookies.