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Und sie wächst weiter … – am 11. Juli ist Internationaler Weltbevölkerungstag

Und sie wächst weiter … – am 11. Juli ist Internationaler Weltbevölkerungstag

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10.000 Einwohner haben heutzutage Orte wie Barmstedt in Schleswig-Holstein, Grünwald in Bayern oder Brand-Erbisdorf in Sachsen. 10.000 Bewohner hatte vor 75.000 Jahren die ganze Welt. Denn mehr Menschen, so besagt es jedenfalls die Toba-Katastrophen-Theorie, überlebten damals den Ausbruch des Supervulkans Toba auf Sumatra nicht.

Nur 10 000 Menschen überlebten den Ausbruch des Toba-Vulkans vor 75 000 Jahren. Foto:Thinkstock

Die Entwicklung bis heute

In der Zwischenzeit hat die Größe der Weltbevölkerung allerdings stark zugenommen: Lag sie – nach Schätzungen der UNO – vor 2.000 Jahren noch bei ca. 300 Millionen, überschritt sie im Jahr 1804 erstmals die Milliardenmarke – und wächst seither rapide an. Vor genau 25 Jahren, am 11. Juli 1987, wurden nach UN-Berechnungen bereits 5 Milliarden Menschen auf der Erde gezählt. Und im vergangenen Oktober wurde die kleine Danica aus Manila von der UNO symbolisch zum 7-milliardsten Menschen gekürt.

So lauten die Zukunftsprognosen

Seither nimmt die Weltbevölkerung minütlich um 150 weitere Erdenbürger zu. Bis zum Jahr 2025 erwartet die UNO einen Anstieg der Weltbevölkerung auf 8 Milliarden Menschen – und im Jahr 2050 sollen es dann 9,2 Milliarden sein. Bis 2100 schließlich rechnen die Vereinten Nationen mit 10,9 Milliarden Erdbewohnern. Außerdem wird die Weltbevölkerung nicht nur wachsen, sondern auch altern: von durchschnittlich 27,6 Jahren im Jahr 2004 auf voraussichtlich 38,1 Jahre im Jahr 2050.

Jedes Jahr am 11. Juli ist Internationaler Weltbevölkerungstag. Foto: Thinkstock

Der Internationale Weltbevölkerungstag

Aber ist es überhaupt ein Problem, wenn die Weltbevölkerung ständig zunimmt und es immer mehr Menschen auf der Erde gibt? Ja – das sagt jedenfalls die UNO. Deshalb wird der 11. Juli jährlich zum Internationalen Weltbevölkerungstag erklärt, und das bereits seit 1989. An diesem Tag soll auf die zahlreichen Probleme aufmerksam gemacht werden, die mit einem stetig steigenden Bevölkerungswachstum einhergehen.

Rasantes Bevölkerungswachstum vor allem in ärmeren Ländern

Als besonders problematisch wird erachtet, dass vor allem die Anzahl der Menschen in ärmeren und weniger entwickelten Ländern rasant steigt, während die Bevölkerung in den hoch entwickelten Industrieländern in ihrer Zahl stabil bleibt oder sogar abnimmt. Verfügen wir – so die bange Frage – überhaupt über ausreichend Ressourcen, um eine so große Zahl an Menschen zukünftig versorgen und ernähren zu können? Und wie realistisch sind die in Kyoto vereinbarten Klimaziele angesichts einer Weltbevölkerung, die in den kommenden 90 Jahren um weitere 4 Milliarden Menschen wachsen wird?

Vor allem die Zahl der Menschen in ärmeren Ländern wird rasant steigen. Foto: Thinkstock

Das eigentliche Problem ist nicht die Zahl der Menschen an sich

Die Fragen machen deutlich: Das eigentliche Problem ist nicht die Zahl der Menschen an sich – das eigentliche Problem ist vielmehr unser Lebensstil und der damit einhergehende Verbrauch von Ressourcen. Anschaulich wird das mit dem Konzept des ökologischen Fußabdrucks. Der ökologische Fußabdruck misst jene Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um den Lebensstandard eines einzelnen Menschen zu ermöglichen. Berücksichtigt wird dabei die Fläche, die z. B. zur Bereitstellung von Nahrung, Kleidung oder Energie, zur Entsorgung von Müll oder zum Binden von CO2 benötigt wird.

Der ökologische Fußabdruck eines EU-Bürgers beträgt 4,7 Hektar pro Jahr. Bild: Thinkstock

Der ökologische Fußabdruck im Ländervergleich

Der ökologische Fußabdruck variiert dabei von Region zu Region ganz erheblich. Beispielsweise „verbraucht“ jeder EU-Bürger eine Fläche von 4,7 Hektar pro Jahr – das sind 2,5 Hektar mehr, als ihm nach Berechnungen des Global Footprint Network an Biokapazität innerhalb der EU zur Verfügung stehen. Man spricht deshalb auch von einem „ökologischen Defizit“. Ein Mensch in Afrika hingegen hat einen Verbrauch von nur 1,4 Hektar pro Jahr, wobei ihm 1,5 Hektar an Biokapazität „zustehen“. Damit weist er kein Defizit, sondern eine „ökologische Reserve“ von 0,1 Hektar auf. Global betrachtet, beansprucht jeder Mensch auf dieser Erde 2,7 Hektar Fläche pro Jahr. Ein für die Erde verträglicher Verbrauch läge allerdings bei 1,8 Hektar. Das bedeutet: Wir verbrauchen derzeit 1,5 Erden – und leben damit, vor allem in den hochentwickelten Ländern, auf viel zu „großem Fuß“.

Was tun?

Dass das alles nicht mehr lange gut geht – dieses dumpfe Gefühl plagt hierzulande fast jeden. Was also tun? Den Menschen in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie beispielsweise China und Indien den Verzicht auf neue Autos, Klimaanlagen und Flugreisen nahelegen? Selbst nur fair gehandelte Produkte im Bioladen kaufen und monatlich ein Patenkind in Ghana finanziell unterstützen? Auf die Entwicklung neuer Technologien hoffen, die es uns ermöglichen, weiter wie bisher zu konsumieren, dabei aber weniger Ressourcen zu verbrauchen? Oder darauf bauen, dass „die Mächtigen“ das „systemimmanente Verteilungsproblem“ schließlich doch irgendwie lösen werden?

Die Änderung unserer Überzeugungen

Das Denken ändern und dann erst handeln? Bild: Thinkstock

Vielleicht müssen wir zunächst gar nicht handeln, sondern erst unser Denken ändern. Denn glaubt man der Quantenphysik, dann haben unsere individuellen wie kollektiven Überzeugungen einen weitaus größeren Einfluss auf die Realität, als wir es derzeit wahrhaben wollen. Das eigentliche Problem ist demnach unser kleiner, rastloser und unersättlicher „Affengeist“, der vor allem von zwei Dingen überzeugt ist: 1. Das, was ich jetzt habe, reicht nicht aus, ich brauche in Zukunft noch dieses und jenes, um satt und zufrieden und erfüllt zu sein. 2. Es ist nicht genug für alle da, deshalb muss ich um meinen Teil des Kuchens kämpfen. Vielleicht muss erst jeder – und zwar jeder für sich selbst, in seinem eigenen Leben – diese Überzeugungen aufgeben, damit sich die Dinge zum Guten wenden können. Denn, wie bereits Albert Einstein wusste: „Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.“ Aus einem veränderten individuellen und kollektiven Bewusstsein ergeben sich dann möglicherweise Lösungen für die Zukunft, von denen wir heute noch keinerlei Vorstellung haben. Und dann, wer weiß, wird im Jahr 2050 vielleicht auch noch der 9,2-milliardste Mensch auf dieser Welt mit Freude begrüßt.

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Valeska Spaetling
Valeska Spaetling
v.spaetling@raabe.de

war Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreute die Projekte „RAAbits Wirtschaft Berufliche Schulen“ und "RAAbits Realschule Sozialkunde/Politik".

1 Kommentar
  • Tobias Dietzsch
    Gepostet um 09:30h, 11 Juli

    Toller Beitrag, Valeska! Dann versuchen wir also mal das Denken zu ändern. Wird bestimmt nicht leicht, da wir Menschen doch Gewohnheitstiere sind …

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