Auf in die Walachei! – „Tschick“ ab 15. September im Kino

Auf in die Walachei! – „Tschick“ ab 15. September im Kino

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Von der Roadnovel zum Roadmovie – Stationen einer Erfolgsgeschichte

Es ist die größte literarische Erfolgsgeschichte der letzten Jahre: 2010 erschien der Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Über viele Monate hielt er sich in den Bestsellerlisten, wurde 2011 mit dem Clemens-Brentano-Preis und mit dem Jugendliteraturpreis, 2012 mit dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet. Fast 2 Millionen Mal hat sich „Tschick“ inzwischen verkauft, wurde in über 20 Sprachen übersetzt und in einer Theaterfassung des Dramaturgen Robert Koall an rund 50 Theaterbühnen inszeniert. In der Saison 2012/2013 war „Tschick“ das meistgespielte Stück an deutschsprachigen Bühnen.

Am 15. September folgt nun der nächste, logische Schritt in der Verwertungskette: Die Roadnovel „Tschick“ kommt als Roadmovie ins Kino – mit Fatih Akin von einem prominenten Regisseur in Szene gesetzt, der für unterhaltsame Komödien („Solino“, „Soul Kitchen“) ebenso bekannt ist wie für die Inszenierung dramatischer Stoffe („Gegen die Wand“, „Auf der anderen Seite“). Der Erfolg des Films scheint also vorprogrammiert – und der Trailer verspricht, uns Zuschauer pünktlich zum Herbstbeginn noch einmal in die Atmosphäre der großen Ferien und in die Hitze des Sommers zu entführen, in dem Maik und Tschick zu ihrer wilden Tour durch den Osten Deutschlands aufbrechen.

Im geklauten Lada auf Bildungsreise – das Erfolgsgeheimnis des Romans

Die zahlreichen Rezensionen der Verfilmung, die in nächster Zeit erscheinen werden, werden sie an der literarischen Vorlage messen: Kann der Film mit dem Roman mithalten? Gelingt ihm die gleiche Balance zwischen Komik und Ernst, die Mischung von jugendlichem Überschwang und existenzieller Nachdenklichkeit, die für „Tschick“ so charakteristisch sind?

Herrndorfs Roman lebt wesentlich von dem Kontrast zwischen skurriler Komik und wehmütigen Momenten. Maik und Tschick, auf den ersten Blick cool und pragmatisch, entpuppen sich im Verlauf ihrer Reise als durchaus sentimental: So sinnieren die Jugendlichen beim Anblick beige gekleideter Rentner über die Vergänglichkeit des Lebens; ein andermal ritzen sie ihre Namen in das Holz einer Berghütte und versprechen einander, sich auf den Tag genau in 50 Jahren dort wiederzutreffen.

Auf ihrer Reise in die „Walachei“ (wo Tschick angeblich einen Großvater hat) treffen Tschick und Maik auf zahlreiche skurrile Figuren unter zum Teil grotesken Umständen. Alle haben irgendwie eine Macke – gemeinsam ist ihnen aber eine große Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit. Und so entwickelt sich der coole Abenteuertrip zu einer Art Bildungsreise, die Maik zu der Erkenntnis führt, dass die Welt vielleicht gar nicht so schlecht ist, wie es ihm Elternhaus, Schule und Medien bislang immer hatten weismachen wollen. Fast nebenbei entwickelt sich zudem eine tiefe und enge Freundschaft zwischen den beiden Ausreißern. Bei aller oberflächlichen Leichtigkeit und Absurdität der Story geht es in „Tschick“ also um den Sinn und die großen Fragen des Lebens: um Freundschaft, Liebe, Glück und Menschlichkeit. Ob auch der Film dieser Vielschichtigkeit des Romans gerecht wird?

Der Film im Kino – der Roman im Unterricht

Kathrin Passig hatte es in einem Interview mit Wolfgang Herrndorf 2011 noch als ferne Zukunftsvision ausgemalt: „Versetzen wir uns ins Jahr 2030. Ihr Buch ist seit zehn Jahren Schullektüre. Neuntklässler stöhnen, wenn sie den Namen Wolfgang Herrndorf hören.“ So lange hat es allerdings nicht gedauert: Schon jetzt hat „Tschick“ als Schullektüre Erfolgsgeschichte geschrieben – und bei Schülerinnen und Schülern meist eher Begeisterung als Stöhnen hervorgerufen. Die aktuelle Verfilmung und die Möglichkeiten zum Vergleich zwischen Roman und Film machen „Tschick“ nun erneut für die Schule interessant.

Doch welche Unterrichtsmaterialien eignen sich, um die Besprechung im Unterricht zu begleiten und zu unterstützen? Aus der Vielzahl von Handreichungen und Materialsammlungen, die inzwischen erhältlich sind, möchte ich an dieser Stelle zwei hervorheben:

■ Wenn Sie den Film „Tschick“ näher unter die Lupe nehmen möchten, bietet ein Arbeitsheft von „Vision Kino“ zahlreiche Anregungen. Sie können es auf den Seiten von Vision Kino – Netzwerk für Film und Medienkompetenz bestellen oder herunterladen.

■ Um sich intensiv mit dem Roman „Tschick“ auseinanderzusetzen, ist die RAAbits-Reihe eine gute Wahl: Die Materialien leiten zur genauen Lektüre an und geben für den Unterricht vielfältige Impulse über den Text hinaus, stellen Bezüge zu anderen Jugendromanen her („Crazy“ von Benjamin Lebert und „Huckleberry Finn“ von Mark Twain) und regen zum Vergleich mit einem weiteren Roadmovie an („Vincent will meer“). Die Unterrichtsreihe können Sie in unserem Webshop als PDF-Download bestellen.

Weitere Materialien zum Autor Wolfgang Herrndorf, zu seinem Tagebuchblog „Arbeit und Struktur“, den er bis zu seinem Tod 2013 über das Leben mit seiner Krebserkrankung führte, sowie zur Theaterfassung von „Tschick“ finden Sie zudem in der Materialmappe des Deutschen Theaters Berlin, die Sie ebenfalls im Internet herunterladen können.

PS: Und wenn der Film „Tschick“ Ihr Interesse für Filme von Fatih Akin geweckt hat: Zur Untersuchung von „Auf der anderen Seite“ gibt es ebenfalls RAAbits-Materialien, die zum Vergleich des Films mit dem Roman „Räuberhände“ von Finn-Ole Heinrich anregen.

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Gerrit Leerhoff
g.leerhoff@raabe.de

Redakteur im RAABE Fachverlag für die Schule

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