Toleranz kommt nicht von toll – zum Internationalen Tag der Muttersprache

Toleranz kommt nicht von toll – zum Internationalen Tag der Muttersprache

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Little Girl Holding Hand on Ear

„Hä?“ – Diese Geste wird vermutlich überall verstanden. Foto: © www.colourbox.com

Weltweit gibt es rund 6.000 verschiedene Sprachen, die aktuell noch gesprochen werden. Ein großer Teil davon ist vom Verschwinden bedroht. Daran erinnert die UNESCO, die den Internationalen Tag der Muttersprache im Jahr 2000 ins Leben gerufen hat. Damit soll die Bedeutung des Kulturguts Sprache gewürdigt und zugleich die herrschende Vielfalt anerkannt werden. Die UNESCO betont damit zugleich, dass die Muttersprache als Ausdruck der kulturellen Identität schützenswert ist.

Heute weiß man: Für die spätere Entwicklung ist es positiv, wenn die Eltern mit ihrem Kind die Sprache sprechen, die sie selbst am besten beherrschen. Der frühkindliche Spracherwerb hat einen starken Einfluss auf die spätere Beherrschung der Zweitsprache oder auch anderer Fremdsprachen. Es schadet also nicht, wenn zuhause kein Hochdeutsch gesprochen wird. Vielmehr kann eine schlechte Kenntnis der Herkunftssprache bei den Kindern langfristig zu Identitäts- und Beziehungsproblemen in der Familie führen.

Mehrsprachigkeit und Toleranz
Wir alle haben eine, manche auch zwei – wie beispielsweise der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir, wenn er Schwäbisch und Türkisch als seine Muttersprachen bezeichnet. Sein Beispiel zeigt, dass es kein Widerspruch sein muss, mehrsprachig aufzuwachsen und sich zugehörig zu fühlen. Einerseits sind Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenunterricht Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Respekt. Andererseits: In vielen Orten Deutschlands hängt das Zugehörigkeitsgefühl von der souveränen Beherrschung des lokalen Dialekts ab. Hier kann man schnell spüren, dass Sprache gleichermaßen ein wirkungsvolles Instrument zur Abgrenzung gegenüber anderen ist. Das zeigt auch der folgende Witz, der passend zum Standort des Raabe-Verlages ausgewählt wurde: Am 8. Tag verteilte Gott die Dialekte. Als er mit allen Volksstämmen durch war, beschwerte sich der Schwabe, er hätte keinen abbekommen. Da besann sich Gott und sagte schließlich: „Ha, no schwätzat halt wie i!“ Diesen Witz gibt es vermutlich ähnlich in anderen nord- oder süd-, west-, oder ostdeutschen Einfärbungen.

Sprachkompetenz in der Schule
Die Schule ist ein Feld, in dem Sprache traditionell besonders wichtig genommen wird. Erlernen der Hochsprache, zeitweiliges Dialektverbot, Entwicklung des bilingualen Unterrichts und neuerdings Wertschätzung der Zweisprachigkeit bei Migrantenkindern als Chance, dies sind nur einige Beispiele für die zentrale Bedeutung der Sprache im Bildungsprozess. Bei der erwähnten Doppelfunktion des Dialektes: einerseits Zugehörigkeit zu vermitteln, andererseits ab- und auszugrenzen, wird schnell deutlich, dass hier das eigentliche Lernziel Toleranz heißt. Wie wir wissen, stammt dieses Wort aus dem Lateinischen, wir haben es also einer der Urgroßmütter in unserer Sprachfamilie zu verdanken. Toleranz meint im Prinzip, das Andere als gleichwertig und gleichberechtigt anzuerkennen – verschieden, aber von gleichem Wert. Wem dies hier zu moralisch ist, der kann auch gerne die rheinische Variante dieser Weisheit nutzen: Jede Jeck es anders! Besser und wahrer lässt es sich kaum ausdrücken.

Naturgemäß bietet sich der Deutschunterricht an, um die Bedeutung von Sprache zu reflektieren. Das können Sie ganz einfach mit unseren Beiträgen.


Beitrag von Lena Neurauter

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Ingo Becker
Ingo Becker
ib@mindrockets.com

Journalist @mindrockets & Blogger des RAABE Lehrer-Blog @RaabeSchule [Google+ Profil]

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