Bier und Unterricht – passt das zusammen?

Bier zum Tag des Bieres Bierflaschen

Bier und Unterricht – passt das zusammen?

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Geschichte, Deutsch und Erdkunde, Biologie, Chemie oder Physik – all diese Fächer sind in einer Flasche Bier vereint. Glauben Sie nicht? Wir haben an einem schönen Frühlingsabend recherchiert. Anlass war natürlich der Tag des Bieres, der in den letzten Tagen in den Medien präsent war und heute gefeiert wird.


Mit dem Corpus Delicti vor uns ging es los: Plopp – mit einem kurzen Ruck des Flaschenöffners war der Kronkorken von der Flasche entfernt. Viel macht so eine Flasche ja nicht her: einfaches braunes Glas, verschlossen mit einem Kronkorken. Wieso gibt es Bier immer noch wie anno dazumal?

Also schlau machen.

Erstes Ziel: der Flaschenöffner, eine geniale Erfindung der Physik, patentiert von Alfred Louis Bernardin 1893 und William Painter 1894. Einfach konstruiert, macht er sich die Gesetze der Hebeltechnik zu nutze. Schon sind wir bei Physik und bei einer ganz einfachen Antwort auf die Frage, warum es sinnvoll ist, zu wissen, mit welchem Kraftaufwand man was wie bewegt.

Kronkorken ist das Nächste. Was für ein Wort; adelig und bäuerlich zugleich. 1892 auch von William Painter zum Patent angemeldet, beantwortet es allein durch die Jahreszahl gleich die Frage, was zuerst da war. Wie hat man als Schüler gelitten, wenn in Geschichte Daten für die nächste Schularbeit auswendig gelernt werden mussten, um historische Zusammenhänge zu begreifen.

Der Kronkorken trat jedenfalls erfolgreich seinen Siegeszug gegenüber dem Bügelverschluss an. Dieser verschließt genauso zuverlässig wie der Kronkorken unter Druck stehende Gefäße. Das machte das Bier transportabler. Schon wieder Physik, aber eine handfeste Revolution! Doch auch heutzutage kann man in einigen Regionen noch mit dem Bierkrug in die Brauereigaststätte gehen und sich seine Halbe abfüllen lassen. Trotz Fortschritt bleiben manche Traditionen eben bestehen.

Aber warum ist überhaupt Druck in der Flasche? Was trinken wir da eigentlich? Durch Gärung von Malz und mit Kohlensäure, ja Säure, versetzt und angereichert mit Würzstoffen wie Gerste, und voll modern à la Craft Beer mit Früchten und Kräutern, ist das schon ein ganz eigenartiges Destillat. Oder ist es eine Lösung? Oh Gott, Chemie, aber wir trinken es ja und es schmeckt uns.

Also was ist Bier? Auf Chemieonline lesen wir, es sei vielleicht ein heterogenes Stoffgemisch, dessen Farbe von den gelösten Molekülen herrühre. Die Inhaltsstoffe absorbieren die Wellenlängen aller Farben außer gelb. Abgesehen von Kohlendioxid und dem Schaum ist es eine homogene, gefärbte Lösung. Aha, hätten wir in Chemie bloß mal besser aufgepasst.

Das führt gleich zur nächsten Frage: Welches Gefäß hält denn so ein Gebräu überhaupt aus? Muss doch alles kaputt gehen oder nicht? Glas tut’s nicht. Also was ist Glas? Es ist eine amorphe Substanz und thermodynamisch gesehen eine gefrorene, unterkühlte Flüssigkeit. Ja, wir reden hier vom Glas, nicht vom Bier. Glas ist zum Beispiel Obsidian oder Bimsstein. Jetzt also Erdkunde. Wir lesen, sie können vulkanischen Ursprungs sein, sogenannte Tektite, oder als Impaktgläser von Meteoriteneinschlägen herrühren. Jetzt also auch noch Astronomie? Oder bleiben wir doch noch bei Erdkunde? Wir lesen weiter. Grundsätzlich entsteht Glas beim Schmelzen von Sand. Heute hergestelltes Glas wird durch Schmelzen verschiedener Rohstoffe in verschiedensten Schmelzaggregaten erzeugt. Also doch Chemie. Auf jeden Fall ist Glas nicht immer braun (wir erinnern uns an eine Zeit, wo es hieß: Trink kein Bier aus grünen Flaschen) und vor allem definitiv nicht langweilig. Nichts anderes hatten wir erwartet.

Ein einfaches Flaschenbier ist also physikalisch, chemisch, geologisch und astronomisch interessant. Und sprachlich? Was heißt denn Bier überhaupt? Das weiß wieder mal keiner von uns so genau. Etymologisch gibt es unterschiedliche Ansätze: Die Experten meinen, es sei verwandt mit Althochdeutsch (Bior), hat eine indogermanische Wurzel (Bhreu). Bhreu bedeutet vom Sinn her so etwas wie aufblasen oder schwellen. Aha! Das alte deutsche Wort Äl verwenden wir heute nicht mehr. Die Briten allerdings schon und im Zeitalter der Craft-Biere hält dieses Wort, allerdings als Anglizismus, wieder Einzug in die deutsche Bierkultur.

Es wird spät, inzwischen sind wir bei den Sumerern, Chinesen und Ägyptern angekommen; den Erfindern des Gebräus. Das war irgendwann um 3000 vor Christus. Und damit sind wir wieder mitten im Geschichtsunterricht.

Damit wären alle Fragen geklärt – zumindest unsere. Da sage noch mal einer, viel macht eine Flasche Bier nicht her!

(Britta Minges & Gerd Birkigt)

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Gerd Birkigt
Gerd Birkigt
g.birkigt@raabe.de

... ist Redaktuer im Bereich Bildungsmanagement.

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