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Was Worte bewirken – Sprache im Wahlkampf

Was Worte bewirken – Sprache im Wahlkampf

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Obwohl Politiker häufig behaupten, dass sie „Politik machen“ und nicht nur darüber sprechen, besteht ein beträchtlicher Teil ihrer Arbeit im Gebrauch von Sprache. Das wird nun in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs wieder deutlich. Ob in Parlamentsreden oder in der Öffentlichkeit, nun gilt es, in relativ kurzer Zeit noch einmal möglichst viele Wählerinnen und Wähler zu überzeugen.

Homo oeconomicus? Von wegen!

Die Annahme, dass der Mensch ein rationales Wesen ist, das seine Entscheidungen nach reiflichem Überlegen und unter Abwägung der Fakten trifft, scheint dabei nicht ganz zu stimmen. Vielmehr läuft unser Denken wohl nur zu einem recht geringen Teil bewusst ab – so zumindest eine These der Kognitionswissenschaft. Was heißt das für die Wahlentscheidung? Und welche Bedeutung nimmt hier Sprache ein?

Framing

Wörter können Gefühle erzeugen – auch im Wahlkampf

Ein Beispiel: Im Zusammenhang mit dem globalen Temperaturanstieg werden häufig die Begriffe „Klimawandel“ und „Erderwärmung“ benutzt. Man könnte meinen, dass sie das Phänomen recht neutral fassen – oder? Genau betrachtet beschreibt das Wort „Wandel“ aber lediglich eine Veränderung und mit Wärme assoziieren wir vor allem Behaglichkeit und Wohlbefinden. Sollte man nicht besser von „Erderhitzung“ sprechen, um den Ernst der Lage darzustellen?

Macht der Worte

Wörter sind also nicht neutral. Sie landen vielmehr in einem Deutungsrahmen, einem so genannten Frame, wie es die Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling bezeichnet. Dieser Deutungsrahmen hilft uns, Begriffe semantisch einzuordnen und Phänomene begreifbar zu machen. Da macht es einen großen Unterschied, ob Politiker das Bild einer bedrohlichen, anonymen Flüchtlingswelle heraufbeschwören oder sachlicher von Geflüchteten sprechen, die auf Hilfe angewiesen sind.

Diskutieren Sie das Thema „Sprache und Handeln in der Politik“ mit Ihren Schülern – und nutzen Sie die kostenlosen Materialien*, um

*Auszüge aus „Die Macht der Worte – wie kognitive Deutungsrahmen unser Sprechen, Denken und Handeln bestimmen“

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Pamela Winkler
Pamela Winkler
p.winkler@raabe.de

... ist Redakteurin für RAAbits Deutsch (Sprache).

1 Kommentar
  • Wir haben den Wahl(schein) - oder doch nur den Schein einer Wahl?
    Gepostet um 13:58h, 22 September

    […] Mithilfe der Daten von Millionen von Internet-Nutzern, die insbesondere über kostenlose Psychologietests via Facebook, aber auch über besuchte Internetseiten, Einkäufe usw. generiert wurden, stuften die Psychologen die Wähler in verschiedene Kategorien ein. Während des Wahlkampfes erhielten die Nutzer – ihrer jeweiligen Kategorie entsprechend – hoch personalisierte und auf sie zugeschnittene Nachrichten und Posts. […]

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