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Auf den Spuren der Vergangenheit – Sonderbare Berufe

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Gasriecher, Milchmädchen oder Aschenbrenner. Das sind Berufe, mit denen Menschen in vergangenen Zeiten ihr tägliches Brot verdient haben. Die Veränderungen in der Welt, sei es in Technik, Medizin oder der Gesellschaft führten immer zu einer Entwicklung in der Berufswelt. Man reagiert auf die Nachfrage. Und so entstanden im Laufe der Zeit neue Tätigkeitsfelder, andere starben aus. Drei ganz sonderbare Berufe haben wir uns einmal genauer angeschaut:

Klopf-klopf – Der Knocker-up

Wecker

Ahoek/CC BY-SA 3.0

Morgens um sechs schrillt es von der Seite. Wieder aufstehen und zwar viel zu früh. Die Hand tastet nach dem „Aus-Knopf“ vom Wecker. Eine kurze Überlegung, ob man nicht doch nochmal kurz liegen bleibt. Auf die Gefahr hin, dann doch zu verschlafen, weil man auf die Schnelle den Timer nicht aktiviert hat…

So läuft es heutzutage meist ab, wenn man den neuen Tag beginnt. Das frühe Aufstehen gab es auch früher schon. Wenn der Hahn krähte, wurde – zumindest auf dem Land – das Tagewerk begonnen. Mit Sonnen-, Wasser- oder Sanduhren maßen die Menschen schon im Altertum Zeit. Der später im Mittelalter entstandene Beruf des Uhrmachers war dann der Vorreiter des Feinmechanikers. Hier ging es allerdings mehr um das Kunsthandwerk als um das eigentliche Messen von Zeit.

Seit dem 18. Jahrhundert existieren bereits Uhren mit Weckfunktion. Diese waren meist Standuhren und nicht jeder Haushalt konnte sich eine solche leisten. Im Zeitalter zunehmender Arbeitsbeschäftigung in den wachsenden Städten kam deshalb der Beruf des „Knocker ups“ auf. Diese „Aufwecker“ waren bis in das 20. Jahrhundert hinein in Großbritannien oder Irland tätig. Sie klopften mit Stöcken an die Türen der Kunden, die sich damit wecken ließen.

Im heutigen digitalen Zeitalter übernehmen mehr und mehr Smartphones die Weckfunktion, oft sogar mit integrierter Sprachsteuerung oder mit Apps, die die Schlafphasen des Menschen messen und darauf reagieren…

Zurückgezogen im Erdhaus – Der Schmuckeremit

Für Landschaftsliebhaber und Müßiggänger wäre das Dasein als Schmuckeremit vermutlich sehr reizvoll gewesen. Im 18. und 19. Jahrhundert stellten Gartenbesitzer diese Einsiedler zum Bewohnen ihrer Parks ein. Für die Dauer ihres Beschäftigungsverhältnisses lebten sie in Eremitagen und mussten präsent sein, damit die Gartenbesucher sich an ihnen erfreuen konnten.

Eremitage

Thomas Wright: Eremitage mit Memento mori über der Tür, Universal Architecture, 1755.

Ausgestattet mit Bibel, Brille und Stundenglas verkörperte der Eremit den gläubigen und gelehrten Menschen, der sein Leben im Einklang mit der Natur und weit weg von künstlicher Zivilisation führte. Das Leben als Schmuckeremit muss jedoch recht einsam gewesen sein. Das Reden und Interagieren mit Besuchern war untersagt. So war der Beruf eher eine Möglichkeit der Selbstfindung und Besinnung.

Die Eremitage war oftmals ein einfaches Erdhaus. Eine solche Einsiedelei verschmolz mit der Natur und gab ein harmonisches Bild für die Besucher ab. Ob die Einsiedler wirklich etwas verwildert aussahen, mit langen Haaren und ungepflegten Nägeln, scheint aber eher eine Übertreibung der Medien gewesen zu sein. Was jedoch als gesicherte gelten darf, ist ihr fortgeschrittenes Alter. Deshalb verkörperten sie ein wenig den weisen Philosophen, der sich ganz der Natur und dem Geist verschrieben hatte.

Der Begriff „ornamental hermit“ ist im englischen Sprachraum (früher eben für „Schmuckeremit“) bis heute geblieben. Er beschreibt jedoch nicht mehr den zurückgezogenen Eremiten, sondern einen exzentrischen Lebenswandel.

„Die Nase des Gesetzes wacht!“ – Der Kaffeeriecher

Kaffeeduft mögen viele Menschen. Selbst die, die gar keinen trinken. Für diese wäre der Beruf des Kaffeeriechers perfekt gewesen. In der Zeit Friedrichs des Großen setzte er versierte Riecher ein, um illegale Kaffeeröster dingfest zu machen. Er unterstütze damit die einheimischen Malzkaffeelieferanten, indem er die Einfuhr von Kaffee und das Rösten desselben verbot.

Der Kaffeeriecher

„Die Kaffeeriecher“ nach einem Gemälde von Louis Katzenstein 1892, veröffentlicht in der „Gartenlaube“, S. 257.

Der Hintergedanke war jedoch vermutlich ein anderer: Friedrich der Große ist bekannt für seine Kriege. Und diese kosten, wie heute auch noch, sehr viel Geld. Damit die Staatskasse wieder gefüllt werde, besteuerte Friedrich kurzerhand viele Lebensmittel wie Tee, Tabak, Fleisch, Zucker, Essig, Salz, Wein und auch Kaffee. Der sehr teure Kaffee veranlasste die Bevölkerung zum Kaffeeschmuggel, was den König sehr verärgerte. So monopolisierte er den Kaffeehandel und erlaubte das Rösten nur an von ihm festgesetzten Orten. Doch davon ließen sich viele nicht einschüchtern. Immer wieder rösteten Einheimische Kaffee selbst und produzierten somit eine Art „Schwarzkaffee“. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, stellte Friedrich die Kaffeeriecher ein. „Sie drangen in die Häuser und in die Stuben, spionierten in Tassen und Töpfen, und manchmal mag ein biederes Kränzchen ein Ende mit Schrecken genommen haben“, so beschrieben in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ von 1892. Auch Jahre danach war diese obskure Praxis des Preußen noch bekannt.

Doch auch diese Maßnahmen halfen dem König nicht, seine Geldprobleme zu lösen. Die Bevölkerung reagierte mit diesen Maßnahmen mit Witzen wie Karikaturen, die den kaffeemahlenden König zeigen.

Ein wenig klang es schon an: Berufe ändern sich, sind Reaktionen auf den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Diesem Aspekt gehen wir in unserem nächsten Beitrag „Von der Landwirtschaft zur Software – Im Wandel der Wirtschaftssektoren“ nach.

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Sabine Friedrich
Sabine Friedrich
s.friedrich@raabe.de

... ist Redakteurin in der Redaktion Gesellschaftswissen und Sprachen.

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