Sommergespräch – astronomisch

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Wer letztes Wochenende lange wach war und den Himmel beobachtet hat, hat ihn gesehen: den Perseidenregen. Ganz ohne technische Hilfsmittel wurde man wie in jedem Jahr zum Beobachter eines ganz besonderen Himmelsspektakels. Ein nicht alltägliches Ereignis. Doch wie ist der Alltag eines professionellen Astronomen?

Andreas Kaufer vor der Kuppel des Kueyen Teleskops des ESO Very Large Telescopes (VLT) auf dem Cerro Paranal. Credit: ESO/Max Alexander.

Andreas Kaufer vor der Kuppel des Kueyen Teleskops des ESO Very Large Telescopes (VLT) auf dem Cerro Paranal. Credit: ESO/Max Alexander.

Andreas Kaufer, Direktor des La Silla Paranal Observatoriums der Europäischen Südsternwarte (European Southern Observatory, oder kurz ESO) in der chilenischen Atacama Wüste, hat mir einiges über seine Arbeit und die Astronomie berichtet. Bevor Andreas Kaufer vor 13 Jahren nach Chile zog, studierte er in Heidelberg und promovierte dort an der Landessternwarte auf dem Königstuhl in Heidelberg. Aber wie kam er zur Astronomie?

Astronomische Anfänge
„Ich war bereits als Schüler und später noch als Student an einer Amateursternwarte, der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim, aktiv. Habe dort beobachtet, auch schon Instrumente gebaut. In der Schule gab es damals einen Astronomiekurs, aber die Arbeit an der Sternwarte war spannender. Ich habe dann aber erst einmal Physik in Heidelberg studiert und habe mich damals sehr für die Teilchenphysik interessiert. Erst am Ende des Studiums habe ich mich dann auf die Astrophysik spezialisiert. Geplant war das nicht. Erst ein Praktikum und ein erstes professionelles Beobachtungsprojekt an der Landessternwarte an einem nach heutigen Maßstäben kleinem 70-cm Teleskope haben mich mit der professionellen Astronomie in Kontakt gebracht.“

Der Forschungsschwerpunkt
„Ich habe mich in meiner Laufbahn hauptsächlich mit den hellsten und massereichsten Sterne im Universum, den sogenannten Blauen Überriesen, beschäftigt. Diese Sterne sind bereits am Ende ihres in astronomischen Zeitskalen kurzen Lebens und werden in Kürze als Supernova explodieren und dann ein schwarzes Loch zurücklassen. Diese Sterne beeinflussen über ihr ganzes sehr extremes Leben hinweg aber auch die Entwicklung der Galaxien, in denen sie sich befinden. Ziel meiner Arbeiten war es daher, diese Sterne möglichst genau zu verstehen, um damit auch im Endeffekt die Entwicklung der Galaxien besser zu verstehen.“

Der Arbeitsplatz
„Meine Arbeitszeit verbringe ich an den verschiedenen Observatorien und in unserem Büro in Santiago de Chile – typischerweise bin ich unter der Woche unterwegs und versuche am Wochenende in Santiago zu sein. Dazu kommen aber noch sechs bis acht Reisen pro Jahr in unser Hauptquartier in Garching bei München. Viel zu Hause bin ich nicht …“

Die Aufgaben
„Der zentrale Aspekt meiner Arbeit ist natürlich der Betrieb der Observatorien. Hinter dem La Silla Paranal Observatorium verstecken sich eigentlich drei Observatorien:
La Silla bei La Serena, das erste Observatorium der ESO in Chile, das in den 60er Jahren gebaut wurde und wo wir heute noch die drei größten Teleskope mit Spiegeln von 2.2-3.6 Metern Durchmesser betreiben;
Paranal bei Antofagasta, das größte erdgebundene Observatorium für Beobachtungen im optischen Wellenlängenbereich mit seinen vier 8.2 Meter Teleskopen (auch Very Large Telescope oder VLT genannt) und zwei weiteren Teleskopen zur Durchmusterung des Himmels bei optischen und infraroten Wellenlängen; und
APEX, das Atacama Pathfinder Experiment, eine 12-m Radioantenne auf der Chajnantor Hochebene auf 5000m in der Nähe von San Pedro de Atacama.

Wir betreiben diese drei Observatorien mit 200 Mitarbeitern – Astronomen, Ingenieure, und Techniker -, die dafür sorgen, dass die Wissenschaftler aus Europa und der ganzen Welt, die unsere Einrichtungen benutzen, immer die bestmöglichen Beobachtungsbedingungen und funktionierende Geräte zur Verfügung haben. Dieser Betrieb inmitten der Wüste bedarf natürlich einiger Planung und Betreuung und administrative Aufgaben stehen daher bei mir im Vordergrund. Aber ich finde schon noch Zeit meine eigenen Forschungen durchzuführen. Natürlich nicht mehr so intensiv wie früher. Aber das ist eine Entscheidung, die man treffen muss, wenn man eine solche Position als Direktor annimmt. Es ist auch ein gutes Gefühl zu sehen, dass man anderen Wissenschaftlern ermöglicht hat, tolle Entdeckungen zu machen. Man muss nicht immer daran direkt teilgenommen haben.“

 Beobachten und ‚Sternegucken
„Das klassische ‚Sternegucken‘ gibt es ja in der modernen Astronomie schon lange nicht mehr. Durch keines unserer Teleskope kann man mit dem bloßen Auge hindurchschauen. Alles wird mit elektronischen Kameras aufgezeichnet und muss erst im Computer so aufbereitet werden, dass man mit der wissenschaftliche Analyse beginnen kann. Mich hat immer der technische Aspekt der Astronomie sehr fasziniert, nicht nur die reine Grundlagenforschung. Ich habe von Anfang meiner Karriere an Instrumente für die astronomische Forschung gebaut. Heute leite ich das größte Observatorium mit den modernsten und besten Instrumenten … was will man mehr. Und Sternegucken ist immer noch am schönsten mit dem bloßen Auge oder mit einem kleinen Feldstecher. Dafür muss ich einfach nur aus meinem Büro nachts vor die Tür gehen. Das entschädigt dann für so Einiges…“

Und wie läuft eine Beobachtungsnacht in Chile ab? Wer darf beobachten und welches Beobachtungsergebnis ist Andreas Kaufer besonders in Erinnerung geblieben?

Fortsetzung folgt

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Britta Minges
b.minges@raabe.de

... ist als Produktmanagerin für alles rund um die Werke "Auf dem Weg zur inklusiven Schule" und "Auf dem Weg zur inklusiven Grundschule", ebenso wie für SCHULLEITUNGONLINE zuständig - und ist Social-Media-Managerin

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