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Sommerferien – und jetzt? – Lesetipps aus der Raabe-Redaktion (Teil I)

Sommerferien – und jetzt? – Lesetipps aus der Raabe-Redaktion (Teil I)

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Fragen Sie sich auch, welches Buch Sie in den Sommerurlaub mitnehmen sollen? Soll es ein packender Krimi sein, ein schöner Liebesroman oder einfach nur ein netter Schmöker?

Wir möchten Ihnen bei der Auswahl Ihrer Sommerlektüre ein wenig behilflich sein und haben für Sie Vorschläge in der Raabe-Redaktion gesammelt. Hier ist der erste Teil unserer Auswahl. Wir hoffen, dass Sie einige Anregungen finden!

Wissen Sie schon, was Sie diesen Sommer lesen möchten? Bild: Thinkstock

Wissen Sie schon, was Sie diesen Sommer lesen möchten?
Bild: Thinkstock

„Nächsten Sommer“, ein Roman von Edgar Rai.

Dieses Roadmovie passt zum Sommer: Es geht um eine Reise, im VW-Bus, nach Frankreich, wo Felix ein Haus von seinem Onkel geerbt hat. Mit zwei Freunden macht er sich auf den Weg zu diesem Haus am Meer. Während der Reise gesellen sich Lilith, Zoe und Jeanne hinzu, die wie die drei jungen Männer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und ihres Daseins sind. So wird die Fahrt zu einer Reise zu sich selbst – begleitet von Pleiten, Pech und Pannen. Der Roman liest sich leicht und steckt voller Humor und kluger Gedanken, über die man im Gartenstuhl oder in der Hängematte nachsinnen kann.

• Sollten Sie nach dieser Lektüre Lust auf ein weiteres Roadmovie haben, empfehlen wir Ihnen „tschick“ von Wolfgang Herrndorf:

Es scheint zunächst so, als ob Maik Klingenberg die Sommerferien alleine in der elterlichen Villa verbringen müsste, denn die Mutter ist in der Entzugsklinik, der Vater mit der Assistentin auf Geschäftsreise. Doch dann taucht plötzlich Tschick – eigentlich Andrej Tschichatschow – in einem geklauten hellblauen Lada Niva auf und möchte Maik in die Walachei zu seinem Onkel mitnehmen. Tschick lebt in einem Hochhaus in Hellersdorf, und obwohl er es ins Gymnasium geschafft hat, wirkt er nicht wie ein Musterbeispiel der Integration. Die beiden Achtklässler begeben sich auf eine abenteuerliche Fahrt, auf der sie viel über sich selbst und das Leben erfahren. Eine wunderbare Lektüre, bei der man Tränen lacht, aber auch vor Rührung weinen könnte.

• Um einen Coming-of-Age-Roman und zugleich einen Krimi handelt es sich beim folgenden Buchtipp – „Kim Novak badete nie im See Genezareth“ von Håkan Nesser:

Ein schwedisches Ferienhaus zu Beginn der Sechziger Jahre, zwei 14-Jährige, eine viel zu schöne Lehrerin und ein mysteriöser Mord – daraus macht der Autor Håkan Nesser ein spannendes Verwirrspiel. Besonders spannend ist die Mischung aus dem klassischen „Wer war es?“-Rätsel eines Krimis und der berührenden Geschichte einer Freundschaft zwischen den beiden Jungen Erik und Edmund, die nach diesem Sommer Abschied von ihrer Kindheit nehmen müssen. Übrigens: Wer sich am Ende immer noch nicht sicher ist, wer denn nun der Mörder ist, kann das in dem Erzählband „Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Berra Albertsson“ überprüfen.

• Falls Sie Lust auf einen spannenden psychologischen Roman haben sollten, dürfte Sie der folgende Tipp interessieren: „Und Nietzsche weinte“ von Irvin Yalom.

Zwei historische Persönlichkeiten, die sich wohl nie begegnet sind, aber in der gleichen Zeit gelebt haben, treffen aufeinander: Josef Breuer, der neben Sigmund Freund als der Begründer der Psychoanalyse gilt, und Friedrich Nietzsche. Arrangiert wird dieses Treffen von Lou Salomé – einer geheimnisvollen Femme fatale, die selbst Schriftstellerin und Psychoanalytikerin war. Im Wien des Jahres 1882 bittet sie Josef Breuer, den selbstmordgefährdeten Friedrich Nietzsche zu kurieren, der an einer Obsession für die leidenschaftliche Lou Salomé leidet. Nietzsche weiß nichts von dieser Abmachung und stimmt zunächst nur der körperlichen Behandlung zu. Im Gegenzug soll er Breuers seelische Leiden heilen. Ein spannender Rollentausch findet statt – und dem Leser werden interessante Einblicke in die Philosophie Nietzsches und die historischen Anfänge der Psychoanalyse gewährt. Der Autor, selbst ein Psychoanalytiker, versteht es dabei, fesselnd und eindrücklich zu schreiben.

• Um psychologische Fragen anderer Art geht es im Roman „Die Lügen der Frauen“ von Ljudmilla Ulitzkaja:

Das Buch spielt in Russland und beginnt mit einer Urlaubsszene: Wir lernen Shenja, eine junge Frau, Akademikerin und unsichere Mutter, kennen. Sie macht mit ihrem kleinen Sohn Urlaub am Meer. Shenjas eigene Sorgen verblassen, als sie Bekanntschaft mit Ireen macht, die offenherzig Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Shenja ist gutgläubig, muss aber bald feststellen, dass sie mit ihrem Mitgefühl einer Lügnerin aufgesessen ist. Der Roman ist als Episodenroman gestaltet, und so begegnen wir im nächsten Kapitel wieder Shenja, ein paar Jahre später. Erneut begegnet ihr ein Mensch, der sie belügt – nur handelt es sich diesmal um ein junges Mädchen, fast noch ein Kind. Auch in den folgenden Kapiteln geht es um Frauen, die lügen – und um die Frage, warum Frauen „anders lügen“ als Männer. Diese Frage fasziniert Shenja, und sie glaubt, dass die unterschiedlichen Frauen sich ihr Leben schöner lügen. Gleichzeitig erlebt der Leser mit, dass auch Shenja mit Lebenslügen älter wird.

Der Ton des Romans ist leicht und traurig zugleich, gewürzt mit einem feinen Gespür für die Wechselfälle des Lebens und voller Sympathie für Shenja, der Heldin des russischen Alltags, der ziemlich anders ist als unserer. Die menschlichen Schwächen sind es aber nicht.

• Möchten Sie vielleicht einen Klassiker lesen? Dann empfehlen wir Ihnen „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez aus dem Jahre 1967:

Erzählt wird die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang einer kolumbianischen Familie und des von ihr gegründeten Dorfes Macondo. Die Bewohner sind anfangs durch den Regenwald von der Umwelt isoliert und kommen gut ohne Kirche, staatliche Verwaltung und Wirtschaftsbeziehungen aus. Doch das Leben ändert sich, als das Dorf an eine Bahnlinie angeschlossen wird … Der Roman ist ein typisches Werk des Magischen Realismus, einer Literaturströmung aus Lateinamerika, die Wirklichkeit und Phantastisches vermischt bzw. Phantastisches als absolut wirklich darstellt und den Leser in eine fantasievolle, aber auch groteske Welt entführt.

Wer nach dieser Lektüre mehr über den Autor erfahren möchte, dem sei die Autobiografie von García Márquez empfohlen – „Leben, um davon zu erzählen“. Es ist spannend, wie der junge Mann seine Leidenschaft fürs Schreiben zunächst als Journalist und später als Romanautor auslebt. Als Bonus findet man jede Menge Anekdoten wieder, die in „100 Jahre Einsamkeit“ so oder so ähnlich eingebaut sind.

Und Spanischlehrer können die Werke selbstverständlich im Original lesen!

• Falls Sie sich nach einer schönen Liebesgeschichte sehnen, dann sollten Sie „Von der Herrlichkeit des Lebens“ von Michael Kumpfmüller lesen:

Dies ist ein ganz wunderbares, stilles und anrührendes Buch über einen der größten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und seine letzte große Liebe. Die Rede ist von Franz Kafka, der sich – bereits an Tuberkulose erkrankt – im Sommer 1923 in die 25-jährige Köchin Dora Diamant verliebt und mit ihr ein gemeinsames Leben wagt – trotz Krankheit, Hyperinflation und argwöhnischer Eltern. Bis zu seinem Tod im Juni 1924 werden sich Franz Kafka und Dora Diamant, von wenigen Tagen abgesehen, nicht mehr trennen.

Michael Kumpfmüller kennt Kafkas Tagebücher, seine Briefe und letzten Texte genau und webt sie zart in die Erzählung ein. Aber ebenso sehr widmet er sich Doras Sicht, dem Blick der verliebten jungen Frau auf ihren rätselhaften, sterbenden Mann. Und so gelingt Kumpfmüller eine tief anrührende Parabel über das Leben und die Liebe, das Schreiben und den Tod.

Hier finden Sie alle Tipps im Überblick:

  • Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit. Fischer Verlag. 480 Seiten, Preis: 9,95 Euro
  • Wolfgang Herrndorf: tschick. Rowohlt Verlag, 256 Seiten, Preis: 8,99 Euro
  • Gabriel García Márquez: Leben, um davon zu erzählen. Fischer Verlag, 603 Seiten, Preis: 9,95 Euro
  • Michael Kumpfmüller: Von der Herrlichkeit des Lebens. Kiepenheuer & Witsch, 237 Seiten, bisher nur gebunden für 18,99 €.
  • Håkan Nesser: Kim Novak badete nie im See Genezareth. BTB Verlag, 320 Seiten, Preis: 9 Euro
  • Edgar Rai: Nächsten Sommer. Aufbau Verlag, 236 Seiten, Preis: 8,95 Euro
  • Ljudmilla Ulitzkaja: Die Lügen der Frauen. Deutschen Taschenbuch Verlag, 176 Seiten, Preis: 8,90 Euro
  • Irvin Yalom: Und Nietzsche weinte. BTB Verlag, 448 Seiten, Preis: 9,99 Euro

Danke an Claudia Hagemann, Lena Neurauter, Kristina Petry, Judith Renz und Michaela Tietz für die Lektüretipps.

Viel Spaß beim Lesen wünscht die Raabe-Redaktion!

Weitere Tipps finden Sie demnächst in unserem Blog!

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Jasmina Frey
Jasmina Frey
j.frey@raabe.de

…ist Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreut die Projekte Deutsch und Englisch Berufliche Schulen

3 Kommentare
  • Tobias Dietzsch
    Gepostet um 15:39h, 12 Juli

    Na, das macht dann ja doch einen eher „frauenlastigen“ Eindruck.
    Haben die Männer keine Tipps abgegeben?

  • Verena Hasse
    Gepostet um 16:12h, 12 Juli

    Das stimmt tatsächlich! Die Frauen haben einfach deutlich mehr Vorschläge gebracht. Aber es gibt ja einen zweiten Teil der Lesetipps – die Männer haben also nochmal eine Chance. Was liest man(n) denn im Sommer?

  • Marcel Meder
    Marcel Meder
    Gepostet um 16:15h, 12 Juli

    Offenbar nicht. Oder hast du eine Empfehlung abgegeben? Ich werde schauen, das ich für den zweiten Teil noch eine liefere. Noch besteht die Chance …

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