Sehnsucht nach dem Süden – 200 Jahre „Italienische Reise““ von Goethe

Sehnsucht nach dem Süden – 200 Jahre „Italienische Reise““ von Goethe

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Ob antike Kunst, frühchristliche Kirchen, idyllische Landschaften oder gutes Essen – Gründe für eine Italienreise gibt es viele. Manchmal sogar dienstliche: Denn der Herbst hat begonnen – und damit die Saison der Klassen- und Studienfahrten! Packen auch Sie bald die Koffer, um Ihrem Oberstufenkurs das klassische Italien zu zeigen? Dann kommen Sie an diesem Jubiläum nicht vorbei: Goethes „Italienische Reise“ erschien vor genau 200 Jahren!

Auch wir in Arkadien? – Die Tradition der Italienreisen

Reisen nach Italien haben eine jahrhundertelange Tradition. Doch die Interessen der Reisenden haben sich gewandelt: Ging es den Pilgern des Mittelalters beim Besuch römischer Apostelgräber um ihr Seelenheil, so waren Architekten und Maler der Renaissance auf der Suche nach antiken Kunstschätzen und ästhetischen Vorbildern. Ab dem 16. Jahrhundert ging dann der europäischen Adel auf „Grand Tour“, die obligatorische Kavaliersreise, um Grundlagen für die höfische Karriere zu legen. Bis ins 18. Jahrhundert stand die Italienreise also im Dienste konkreter Zwecke. Das spiegelt sich auch in den Reiseberichten, die vor allem überliefertes Wissen über historische Stätten und Kunstdenkmäler versammelten.

Die „Italienische Reise“ von Goethe markiert in der Reiseliteratur jedoch einen Wendepunkt: Goethes Beschreibung seiner Italienreise begründet das Ideal der modernen Bildungsreise. Darin verbindet sich die Bewunderung für antike Kunst mit der Liebe zur Natur. Das subjektive Erleben und die eigene Beobachtung stehen im Vordergrund: Ziel der Reise ist nicht mehr allein das Kennenlernen einer anderen Kultur. Es geht auch um die Entwicklung und ganzheitliche Entfaltung der eigenen Anlagen, um die individuelle Selbstbildung – frei von beruflichen Anforderungen oder anderen äußeren Zwecken.

Bildungsreisen im Billigflieger? – Reisen heute und vor 200 Jahren

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Auch wir in Arkadien! Ein Selfie am Forum Romanum im Herbst 2016. © istockphoto

Goethes „Italienische Reise“ und die Geschichte der Italienreisen kann für Ihre Lerngruppe daher Anlass sein, die eigenen Reiseaktivitäten zu reflektieren: Haben modernes Sightseeing und die Suche nach Erholung das Ideal der klassischen Bildungsreise abgelöst? Mit welchen Erwartungen und Zielen verbinden wir eine Reise nach Italien heute? Vollziehen wir nur nach, was der Reiseführer vorgibt, oder sind wir offen für neue, eigene Eindrücke?

Literarischen Diskussionsstoff zu diesen Fragen bietet die RAAbits-Reihe zu „Italienreisen in der deutschen Literatur“. Vergleichen Sie mit Ihren Oberstufenschülern die Reiseberichte der bekanntesten Italienreisenden der deutschen Literatur, Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Seume! Sie nehmen ganz unterschiedliche Perspektiven ein: Der eine schaut auf die Geschichte und preist in feierlichem Ton die Erhabenheit und Schönheit Italiens, der andere richtet den Blick auf den Alltag seiner Gegenwart und macht auf politische und soziale Missstände aufmerksam. In ihrer Widersprüchlichkeit bilden die Autoren wichtige Bezugsgrößen für Italienreisende bis heute. Das zeigen Werke von Rolf Dieter Brinkmann („Rom, Blicke“) und Friedrich Christian Delius („Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“) – und vielleicht auch die Reaktionen Ihrer Schülerinnen und Schüler?

Spannende Reise- und Leseerlebnisse auf Goethes und Seumes Spuren wünscht Ihnen jedenfalls die RAAbits-Literaturredaktion. Buona lettura e buon viaggio!

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Gerrit Leerhoff
g.leerhoff@raabe.de

Redakteur im RAABE Fachverlag für die Schule

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