Schulleitung – zwischen Herausforderung und Belastung

Schulleitung – zwischen Herausforderung und Belastung

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Der Anspruch der Gesellschaft an Schule und damit an Schulleitungen und Lehrkräfte war immer schon ein besonderer. In den letzten Jahren sind Ansprüche und Erwartungen immer weiter gestiegen, erst recht, seitdem Schulen mehr und mehr in ihre Selbstständigkeit entlassen werden. Die Folge ist: Schulleitung hat heute einen viel höheren Stellenwert als früher. Seit Jahren kämpfen deshalb GEW, VBE, ASD und die Schulleiterverbände darum, Schulleiter als eigenständiges Berufsbild anzusehen und mit mehr zeitlichen Ressourcen zu versehen.

Lehrer und Leiter zugleich
Beansprucht werden Schulleiterinnen und Schulleiter in zweierlei Hinsicht: einmal als Lehrperson und zum anderen als Führungskraft. Das Lehrersein empfinden die meisten nicht als Problem – sie genießen es, in der Klasse zu sein, haben aber auch die Sorge, aus Zeitmangel nicht genügend vorbereitet zu sein. Was als Belastung empfunden wird, sind dagegen Aspekte der Leitungstätigkeit. Von Schulleitern wird viel verlangt. Ihre Handlungsbereiche haben sich erweitert und die damit verbundenen einzelnen Tätigkeiten haben zugenommen.

Prof. Stephan Huber hat zur Beanspruchung von Schulleitungen eine unabhängige Studie durchgeführt. In Deutschland hat er Schulleiterinnen und Schulleiter in Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen befragt. Einhelliges Ergebnis war, dass Tätigkeiten der Organisation und Verwaltung die meiste Zeit fressen. Daneben wurden die eigene Unterrichtsarbeit, die Arbeit mit dem Personal und mit Externen genannt.

© iStockphoto

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Gefordert oder überfordert?
Ergebnis war auch: 20 Prozent der befragten Schulleiterinnen und Schulleiter fühlen sich überfordert. Abzuschalten fällt ihnen schwer. Der wahrgenommene Zeitdruck ist zu groß. 10 Prozent der Befragten empfinden eine hohe Belastung und fühlen sich persönlich erschöpft. Als besonders belastend werden vor allem Aufgaben im Bereich Verwaltung und Organisation gesehen, z. B. Berichte für Behörden zu verfassen oder die Schulstatistik zu führen. Gerade solche Verwaltungstätigkeiten machen jedoch einen großen Teil der Schulleitungstätigkeit aus. Dabei geht Zeit für die wichtigen strategischen Schulentwicklungsaufgaben verloren.

Wie kann man Abhilfe schaffen? Solche Studien geben Denkanstöße, wirken aber nicht direkt auf die Politik ein. Hier müssen die Schulleiterverbände wirksam werden. Ein Faktor, um Entlastung für Schulleitungen zu erreichen, kann mehr Leitungszeit sein. In einigen Bundesländern wurde zumindest schon begonnen, den Leitern von Grundschulen mehr Stunden für die Leitung der Schule zur Verfügung zur stellen. Doch auch für andere Schularten tut dies Not. Letztlich brauchen Schulleiterinnen und Schulleiter mehr Zeit, um ihren Beruf professionell ausüben zu können, auch mehr Freiraum für die wichtige strategische Arbeit zu haben. In Nordrhein-Westfalen wird dem laut Pressekonferenz des VBE vom 8.3.2013 Rechnung getragen. Im Haushaltsentwurf 2013 hat die Landesregierung weitere 197 Stellen vorgesehen.

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Gerd Birkigt
Gerd Birkigt
g.birkigt@raabe.de

... ist Redaktuer im Bereich Bildungsmanagement.

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