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Sapere aude! – Ein Plädoyer für ein kleines Fach von großer Bedeutung

Sapere aude! – Ein Plädoyer für ein kleines Fach von großer Bedeutung

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Ethik, das ist das kleine Fach mit den großen Fragen. Als „Laberfach“ verschrieen, als Ersatzfach für Religionsabwähler diskreditiert, häufig fachfremd unterrichtet.

Philosophie – in vielen Bundesländern nur freiwilliger Wahlkurs – findet sich nicht selten an den Rand des Stundenplans der Oberstufe gedrängt. Nur wenige Schülerinnen und Schüler wählen Philosophie in der Oberstufe, noch weniger studieren es auf Lehramt. Nicht nur, weil Lehramt-Studierende im Fachbereich Philosophie noch immer als Studenten zweiter Klasse gelten.

Die Ausbildung von Philosophie-Lehrern an deutschen Hochschulen wird nach wie vor stiefmütterlich behandelt, das bekundete einmal mehr die „Münsteraner Erklärung“, veröffentlicht auf dem 23. Deutschen Kongress für Philosophie 2014.

Dabei kommt dem Fach Ethik/Philosophie im Rahmen des Paradigmenwechsels hin zur Kompetenzorientierung eine zentrale Bedeutung zu:

  • Es fördert die personale Bildung.
  • Es ist Multiplikator für kritisches Denken und
  • es erzieht zu Mündigkeit und Wertebewusstsein.
  • Philosophie ist die Grundlagen- und Querschnittsdisziplin.
  • Kein Fach hat eine solche Integrationskraft wie Ethik. Kein Fach ist so wichtig in einer zunehmend multiethnischen, multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft.
Ethik ist das kleine Fach mit den großen Fragen. Wo sonst ist Raum, über die großen Fragen des Lebens zu reden?  © Colourbox

Ethik ist das kleine Fach mit den großen Fragen. Wo sonst ist Raum, über die großen Fragen des Lebens zu reden?
© Colourbox

Wo, wenn nicht hier, ist der Platz, grundlegende Fragen zu stellen? Zu erörtern, wie die Welt von morgen aussehen soll. Wo, wenn nicht hier, können im geschützten Raum Argumente erprobt, reflektiert und abgewogen werden, Meinungen verteidigt und revidiert? Wo, wenn nicht hier, lernen Schülerinnen und Schüler zuzuhören und andere gelten zu lassen?

Nirgends sonst sind Jugendliche eingeladen, mit Descartes alles sicher Geglaubte radikalem Zweifel zu unterziehen, zu erörtern, wann das Leben beginnt, und mit Kant am ewigen Frieden zu bauen.

Umso schlimmer, dass es der Philosophie an Nachwuchs fehlt. Der aber muss aus der Schule kommen. Wichtig sind deshalb gute Lehrerinnen und Lehrer, die gute Schüler ausbilden, aus denen dann wiederum gute Studenten und später wiederum gute Lehrer werden.

Grund genug also, einem kleinen Fach Respekt zu zollen, eine Lanze zu brechen, für eine bessere Ausbildung für Lehramtsstudierende im Fachbereich Ethik/Philosophie und mehr Hochachtung gegenüber denjenigen, welche den Schülerinnen und Schülern tagtäglich Orientierung geben auf ihrem Lebensweg.

Gelegenheit einmal ganz direkt auszusprechen, dass Ethik/Philosophie einfach das wichtigste Fach im schulischen Fächerkanon ist – zumindest heute am 21. November, dem Welttag der Philosophie.

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Claudia Hagemann
Claudia Hagemann
c.hagemann@raabe.de

… ist Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreut die Projekte „RAAbits Ethik/Philosophie“ und „RAAbits Religion“.

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