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Rhetorik – Die Kunst der Persuasion

Rhetorik – Die Kunst der Persuasion

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Jegliches rhetorisches Handeln erfolgt mit dem Ziel zu überzeugen. Doch warum gelingt es manchen Menschen ihre Zuhörer von Ideen zu überzeugen, die nicht immer nur gut sind?

Dieser Thematik widmeten sich bereits in der Antike bekannte Redner: Aristoteles, der die sogenannten „3 Säulen der Persuasion“ formulierte, und Cicero, der eine Rede als perfekt inszenierte Show sieht.

Die drei Säulen der Persuasion

Ziel des Redners ist, das Publikum für sich zu gewinnen, indem er Emotionen erzeugt – positive für sich oder negative gegenüber der Gegenpartei. Diese Säule wird meist mit dem griechischen Wort für Gefühl, pathos (πάθος), verknüpft. Eine weitere Möglichkeit, seine Hörer von Inhalten zu überzeugen, ist, einen bestimmten Charakter des Sprechers zu zeichnen (der Redner entwirft von sich ein vertrauenswürdiges, kompetentes Bild; diese kann natürlich auch zur negativen Charakterisierung des Gegners eingesetzt werden). Sie wird mit dem griechischen Begriff für Charakter ethos( ἦθος) bezeichnet.

Während die erstgenannten eher auf Personen und deren Wahrnehmung durch das Publikum bezogen sind, zielt die dritte Säule der Persuasion als auf die Vernunft. Durch rationale Argumente, überzeugende Beispiele oder Fakten wird so die Persuasion zu erzielen versucht. Das griechische Wort für Vernunft oder Verstand lautet λόγος (logos).

Die Ziele der Rede nach Cicero

Wenn Schülerinnen und Schüler heutzutage im Lateinunterricht mit Rhetorik in Berührung kommen, so geschieht dies in erster Linie durch Marcus Tullius Cicero. Auch der berühmteste Redner Roms konzentrierte die wichtigsten Aspekte einer Rede auf 3 Punkte: als Redner sollte man unterhalten, belehren und bewegen.

Um die Zuhörer in seinem Sinne zu beeinflussen, musste ein Redner eine perfekte Show mit einer perfekten Rede abliefern. Dazu gehörte, den Inhalt möglichst überzeugend anzuordnen, stilistisch auszufeilen und mit der nötigen Gestik und Mimik wie in einer heutigen Castingshow zu „performen“. Denn nur bei einem Redner, der intelligent unterhielt (delectare), blieb das Publikum stehen und hörte zu. Wenn seine Fakten überzeugten (docere), konnte der Redner hoffen, dass am Ende alle Zuhörer hinreichend beeinflusst waren (movere), um in seinem Sinne abzustimmen oder Druck auf diejenigen auszuüben, die die Entscheidung trafen. Wenn ein anderer Redner aber eine bessere Show lieferte, bestand die Gefahr, dass er die Bürger hierdurch nachhaltiger beeindruckte als durch seine Argumente und schließlich die Abstimmungsergebnisse bestimmte.

Antike Rhetorik in modernem Kontext

Diese Ziele und Säulen einer Rede haben sich bis heute gehalten. Ein Beispiel dafür ist Angela Merkel. Der Beitrag Officia oratoris. Eine Unterrichtsreihe zur Theorie der römischen Rhetorik aus RAAbits Latein greift diese Vergleiche auch auf. Ein Gratis-Material aus dem Beitrag können Sie hier herunterladen. Selbst in kurzen, auf 60 Sekunden reduzierten Reden finden sich diese Aspekte wieder. Hier finden Sie ein Gratis-Material zur Analyse der beiden Schlussreden während des TV-Duells am 03.09.2017.

Die von Cicero geforderten Handlungsweisen eines Redners finden sich auch in Merkels Reden wieder. Das ganze Material als Gratis-Download finden Sie hier.

 

 

 

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Alexander Honisch
Alexander Honisch
a.honisch@raabe.de

...ist Redakteur im Bereich Sprachen.

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