Osterhase vs. Jesus? – Der Ostertermin und die Auferstehung

Osterhase vs. Jesus? – Der Ostertermin und die Auferstehung

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Die Sprunghaftigkeit des Ostertermins

Jedes Jahr findet sich dieser Termin aufs Neue im Kalender: Ostern. Auch wenn viele heute eher den Osterhasen und die Eiersuche mit Ostern verbinden oder einfach nur froh sind, ein verlängertes Wochenende zu haben, hat der Tag – natürlich – tiefe religiöse Wurzeln. Aber warum denn bitte springt der Termin so von Jahr zu Jahr über die Monate hinweg wie der Osterhase beim Verstecken der Eier: mal im März, mal im April!? Diese Sprunghaftigkeit verweist auf die tiefe Verwurzelung des Christentums im jüdischen Glauben und dessen Traditionen.

Passafest und jüdischer „Lunisolarkalender“

Im Falle von Ostern ist es das Passa-, oder hebräisch Pessachfest, und der jüdische Kalender, an denen sich das christliche Fest orientiert. Denn am Vorabend zum Sabbat, unserem Samstag, der am 14. Nisan mit dem Passafest zusammenfällt, soll Jesus laut johanneischer Chronologie sein letztes Mahl mit seinen Jüngern gefeiert haben. Das Passa selbst als Familienfest ist Rückgrat der religiösen Identität von den Anfängen des “Volkes Israel” bis zum heutigen Judentum. Es wird auf den Auszug aus Ägypten zurückgeführt, ist also ein Erinnerungsmahl und gedenkt des Schutzes durch Gott.

Der jüdische Kalender orientiert sich am Lauf des Mondes bzw. an den Mondphasen. Zugleich wird er nach einem rechnerisch festgesetzten Ablauf an das Sonnenjahr angeglichen. Daraus ergibt sich die etwas komplizierte Berechnung des jüdischen, aber auch zum Beispiel des chinesischen und des islamischen Kalenders. In aller Kürze lässt sich der “Lunisolarkalender” folgendermaßen erklären: Das Mondjahr hat ebenfalls 12 Monate, die abwechselnd 29 und 30 Tage zählen, und somit etwa 11 Tage weniger als der Solarkalender. Die Zählung wird alle 19 Sonnenjahre (235 Mondmonate) durch ein Schaltjahr mit 13 Monaten (384 Tage) unterbrochen, um sie wieder der Zählung nach Sonnenjahren anzupassen. (Detaillierte Informationen finden Sie zum Beispiel im Wikipedia-Artikel „Jüdischer Kalender“.)

Der 14. Nisan (30 Tage) liegt also dementsprechend zwischen Mitte März bis Mitte April. So kommt die Veränderlichkeit des christlichen Ostertermins zustande.

Ostern – am Anfang war der Osterhase?

Von Christen wird natürlich nicht das jährliche Wiedererscheinen des Osterhasen oder eines anderen tierischen Lieferanten bemalter Eier gefeiert, sondern die Auferstehung oder auch Auferweckung Jesu Christi. Die Ostererfahrung ist im paulinischen 1. Korintherbrief, Kapitel 15, und in den Auferstehungserzählungen der Evangelien festgehalten. Die zentrale Aussage: Gott belässt es nicht beim Tod des Menschen, der biblisch eine notwendige Folge der Sünde ist – die ultimative Strafe. Der Tod bedeutet die endgültige und unwiderrufliche Auslöschung menschlicher Existenz. Nichts bleibt übrig von ihm, auch nicht eine unsterbliche Seele, wie fälschlicherweise immer wieder angenommen wird. Gottes Handeln lässt den Menschen aber trotz alledem auferstehen in ein “himmlisches”, neues Leben, eine “himmlische”, neue Welt. Wie auch immer das aussehen mag und wer auch immer ‘dort’ zu finden sein wird.

Auferstehung in anderen Religionen

Im engeren Sinne gibt es die Auferstehung nur in der christlichen Vorstellungswelt und im Islam, modifiziert im Judentum und als innerweltlicher Vorgang im Zoroastrismus. Im Manichäismus sowie in der Bahai-Religion dient der Begriff als Metapher für die Befreiung des göttlichen Lichtfunkens aus der Materie bzw. für die geistige Erweckung des Individuums zu einer Einheit mit Allah. Seien es altorientalische, ägyptische, vedische oder daoistische Vorstellungen: Der wesentliche Unterschied der christlichen “Auferstehung” besteht im Ende der jetzigen Existenz der uns bekannten Welt und der Neuschaffung hin zu etwas völlig Neuem, das nur durch ein schöpferisches Handeln eines persönlichen Gottes erreicht wird.

Haben Sie jetzt immer noch nicht genug? Haben Sie Lust darauf, Ostern auch Ihren Schülern nahezubringen? Dann sehen Sie sich doch einmal unsere Unterrichtsmaterialien zum Thema Ostern an:

Religion erleben (GS): Schritte ins Leben – Jesu Kreuzweg und Auferstehung mithilfe von Bodenbildern nachvollziehen als Einzelbeitrag oder als PDF-Download

Religion (HS 7-9): Ostern – Fest der Auferstehung (PDF-Download)

Religion (Gym, Sek I): Ostern neu erleben – mit dem Bilderzyklus von Alfred Manessier. Materialien für einen Gottesdienst und eine Unterrichtseinheit als Einzelbeitrag oder als PDF-Download

Religion (Gym, Sek II): Volles Grab und leerer Glaube? Die Bedeutung von Leben, Tod und Auferstehung Jesu (PDF-Download)

Lebendige Kindergottesdienste:

Das Grab ist leer (PDF-Download)

Ostern – was ist das? (PDF-Download)

Der RAABE-Verlag wünscht ein erholsames, eireiches und gesegnetes Osterfest!

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Marcel Meder
Marcel Meder
m.meder@raabe.de

... ist RAABE-Redakteur und betreut die Projekte RAAbits Berufliche Schulen Religion und Werte und Ethik Mittlere Schulformen.

2 Comments
  • Tobias Dietzsch
    Posted at 10:05h, 27 März

    Daher kommt es also, dass es nicht immer gleich sinnvoll ist, in der Woche vor Ostern die Winter- gegen die Sommerreifen austauschen zu lassen …

  • Tobias Dietzsch
    Posted at 10:09h, 27 März

    Ist die Erklärung: immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn (21. März) eigentlich zu sehr vereinfacht? Das ist jedenfalls die „Regel“, die ich im Kopf hatte. Zugegebenermaßen deutlich primitiver hergeleitet als Deine ausführliche wissenschaftliche Abhandlung 😉

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