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Neuer Schwung für die Bildung – Baden-Württemberg nach dem Regierungswechsel

Neuer Schwung für die Bildung – Baden-Württemberg nach dem Regierungswechsel

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Bildung in Baden-Württemberg: Spaß im Klassenzimmer

Spaß im Klassenzimmer!
Foto: Fotolia

In meiner Schulzeit ging es mit der Bildung in Baden-Württemberg ziemlich konservativ zu. Welchen schüchternen Protest wir Schülerinnen und Schüler auch wagten, wie tapfer auch immer wir uns vor dem Stuttgarter Landtag an erschlaffte Transparente klammerten – nichts änderte sich an der Politik.

Demonstrieren, das lernten wir damals, bringt es nicht wirklich. Einen Hauptbahnhof, ein paar Wasserwerfer und sehr viele zornige Schwaben auf der Straße später muss ich das revidieren. Die Politik hierzulande hat ihren Kurs geändert. Seit 2011 steht Baden-Württemberg kopf.

 Abschied vom Leistungsprinzip

Der Hauptbahnhof in Stuttgart ist zwar immer noch Baustelle und das merkt man auch. Aber beim Thema Bildung hat sich einiges geändert. Plötzlich reden alle von Gerechtigkeit, von Chancengleichheit, von einem System, das dich als Mensch deinen Fähigkeiten entsprechend weiterbringen soll, ob du nun reich, arm, schlau, nicht so schlau, hochbegabt oder Schulverweigerer bist. Eine logische Konsequenz daraus ist, dass es der verkürzten Gymnasialzeit – G 8 – an den Kragen geht: Im Rahmen eines Schulversuchs, so erläutert das Bildungsministerium auf seiner Homepage, gebe es seit dem Schuljahr 2012/13 ländlesweit 22 Modellschulen, an denen G8 und G9 wieder parallel laufen.

Jetzt können auch Grundschüler entspannen

Außerdem fällt die verbindliche Grundschulempfehlung weg. Seit 2011 entscheiden die Eltern alleine, welche Schule nach der Grundschule die beste für ihr Kind ist. Die Schüler freuen sich bestimmt: Der Druck fällt weg. Früher mussten sie in Deutsch und Mathe einen Notendurchschnitt von mindestens 2,5 haben, um auf das Gymnasium wechseln zu können. Viele wurden von ihren Eltern ganz schön in die Mangel genommen, um nur ja das „Grundschulabitur“ zu bestehen.

 Zusammen lernen heißt schöner lernen

Vor allem aber machen sich die Neuen im Landtag daran, das dreigliedrige Schulsystem in die Wüste zu schicken. Denn es gibt jetzt auch in Baden-Württemberg Gemeinschaftsschulen. Und es klingt richtig schön, was sie da so machen: Keiner kann sitzen bleiben und Noten sind die Ausnahme. Alle lernen zusammen, Hochbegabte, Hauptschüler, Kinder mit Behinderung, Kinder ohne Behinderung. Es gibt noch Klassenzimmer und Klassen und Lehrer. Aber man sagt dazu jetzt „Lerngruppen“ und „Lernbegleiter“, und die Schülerinnen und Schüler haben Jahrespläne und Wochenpläne und lernen an Lernstationen und auf Lerninseln.

Außerdem werden die Pläne zur Bildung in Baden-Württemberg reformiert. 2012 arbeiteten spezielle Kommissionen – bestehend aus je einer Vertreterin und einem Vertreter jeder Schulart, auch der Berufsschulen – erst einmal an so genannten Basisplänen. Zurzeit werden diese Basispläne von den Kommissionen weiter ausgebaut, in Richtung eines Bildungsplans für alle Schularten. Im Jahr 2015 soll dieser fertig sein. Dann haben wir nur noch einen einzigen Bildungsplan für die Grundschule und die gesamte Sekundarstufe I.

Das klingt natürlich alles ein wenig zu schön, um wahr zu sein. All dieses Engagement für mehr Chancengleichheit und umfassende Bildung wird sich in der baden-württembergischen Realität erst bewähren müssen, wo man bisher bildungspolitisch ganz andere Töne anschlug. Vielleicht fehlt es deshalb vielen Reformen an Mut. Die neue G-8-Regelung ist auf den zweiten Blick ziemlich zahm: An einer Handvoll ausgewählter Modellschulen versucht man sich an einem vorsichtigen Parallel-Modell. Und mit der Stärkung des Elternwillens bei der Grundschulempfehlung geht man zumindest kein großes Risiko ein.

Aber trotzdem. Wer hätte früher auch nur die Ansätze solcher Reformen für möglich gehalten? Hätte uns das vor dem Landtag jemand erzählt, damals, mit unserem tapferen „Bildung für alle“-Transparent – nie im Leben hätten wir es geglaubt.

Und Sie?


Beitrag von Leonie Schönleber

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Britta Minges
b.minges@raabe.de

... ist als Produktmanagerin für alles rund um die Werke "Auf dem Weg zur inklusiven Schule" und "Auf dem Weg zur inklusiven Grundschule", ebenso wie für SCHULLEITUNGONLINE zuständig - und ist Social-Media-Managerin

1 Kommentar
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