Mit links! – Der Internationale Linkshändertag

Mit links! – Der Internationale Linkshändertag

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Das ist ein Tag heute… Vielleicht bin ich mit dem linken Bein aufgestanden? Herr X hat sich auch wieder ganz schön link benommen und Frau Y hat erneut bewiesen, dass sie zwei linke Hände hat. Positiv hören sich diese Sätze nicht an. In unserem Sprachgebrauch kommt die linke Seite nicht gut weg – ist doch die rechte Seite die „Gute“. Und so war es auch lange Zeit nicht akzeptiert, mit der linken Hand zu schreiben. Glücklicherweise hat sich das inzwischen geändert – und so gibt es bereits seit 1976 den „Internationalen Linkshändertag“ am 13. August.

Es heißt ja, dass Linkshänder besonders kreativ seien. Das hat meine Kollegin Valeska Spätling und mich (beide Linkshänder) zu einer kleinen Umfrage in der RAABE-Redaktion angestiftet. Immerhin 14% der Redakteure sind Linkshänder – das entspricht dem prozentualen Anteil von Linkshändern in der Gesamtbevölkerung – und Kreativität ist in unserem Job durchaus gefragt! Diese Kreativität auszuleben war aber vor allem in der Schule nicht immer einfach, wie uns berichtet wurde:

Schreiben mit links hat seine Tücken.  ©www.colourbox.com

„Dass beim Schreiben mit dem Füller regelmäßig die Tinte verwischt, das Ziehen eines geraden Strichs mit dem Lineal nur entgegen der Zahlenstrahlrichtung möglich ist und sowohl das Schneiden mit der Schere als auch das Anspitzen eines Bleistiftes eine unangenehm verdrehte Handhaltung erfordern – daran hätte ich mich ja noch gewöhnen können. Ganz schlimm war aber der Handarbeitsunterricht: Da meine Handarbeitslehrerin, Frau B., außerstande war, mir das Stricken und Häkeln aus Linkshänderperspektive beizubringen, war das Gefühl der Überforderung beim „textilen Werken“ mein ständiger Begleiter – ganz abgesehen von den Ergebnissen, die meistens recht unbefriedigend ausfielen. Meine Liebe zur Handarbeit ist seither für immer erloschen.“

Umerziehung – und ihre Folgen
Dabei hatten wir noch Glück: Bis in die 70er Jahre wurden Linkshänder – teilweise sogar mit Schlägen – dazu gezwungen, mit der „schönen“, also der rechten Hand zu schreiben und zu arbeiten. Die Psychologin Dr. Johanna Barbara Sattler bezeichnet dies als einen zwar „unblutigen“, aber dennoch „massiven Eingriff in das menschliche Gehirn“ – mit fatalen Folgen: Die Umerziehung von Links- auf Rechtshändigkeit kann zu Lern- und Entwicklungsstörungen, legasthenischen Eigenschaften, Sprachauffälligkeiten, erhöhten Erschöpfungserscheinungen, Minderwertigkeitsgefühlen u. Ä. führen.

Inzwischen hat man dazugelernt: In den Bildungsplänen für die Grundschulen und den Orientierungsplänen für Kindergärten ist heute zumeist verankert, dass Linkshändigkeit „zu akzeptieren“ ist. Linkshändige Kinder und deren Eltern sollen informiert und unterstützt werden. Doch wie könnte eine solche Unterstützung aussehen? Wir haben die 10 besten Tipps für Sie zusammengetragen.

Unsere Tipps für den Umgang mit Linkshändern in Kindergarten und Schule
1. Händigkeit im Blick: Im Kindergarten sollten Erzieherinnen und Erzieher die Kinder genau beobachten; häufig beugen sich nämlich linkshändige Kinder dem Gruppendruck und erziehen sich selbst zu Pseudorechtshändern um, um der Norm zu entsprechen – mit gravierenden Folgen.

2. Freiraum geben: Kleine Kinder sollten deshalb ermutigt werden, beim Malen, Basteln und Kritzeln beide Hände auszuprobieren.

3. Händigkeit testen: Steht die Händigkeit bis zur Einschulung nicht fest, ist die Durchführung eines Tests empfehlenswert. Adressen von Experten finden Sie auf der folgenden Seite: http://www.linkshaender-beratung.de/.

4. Sitzordnung beachten: Linkshändige Kinder sollten immer auf der linken Seite des Tisches sitzen, damit sich links- und rechtshändige Kinder beim Schreiben nicht stören.

5. Entspannt schreiben: Es ist wichtig, dass Linkshänder von Anfang an Techniken erlernen, die einer Verkrampfung beim Schreiben entgegenwirken.

6. Schreibunterlagen helfen: Außerdem kann eine Schreibunterlage, die die geeignete Lage des Blattes anzeigt, eine große Erleichterung für linkshändige Kinder sein.

7. Keine Füllerpflicht: Eine Füllerpflicht sollte es nicht geben; viel besser eignen sich für Linkshänder nämlich Stifte, die leicht und flüssig nach allen Seiten schreiben und trotzdem nicht verwischen.

8. Werken mit links: Anleitungen für den Handarbeits- oder Werkunterricht sollten immer auch für Linkshänder bereitstehen; im besten Fall ist der Lehrer natürlich in der Lage, die „spiegelverkehrte“ Version selbst vorzuführen.

9. Gebrauchsgegenstände für Linkshänder: Stifte, Scheren, Spitzer, Lineale, College-Blöcke, Zeichenbretter u. Ä – sollten selbstverständlich bereitliegen.

10. Ausstattung von Werkräumen: Von der Werkbank über das Werkzeug bis zur Positionierung von Lichtquellen – bei der Ausstattung von Werkräumen sollten Linkshänder unbedingt berücksichtigt werden.

Wie werden linkshändige Kinder in Ihrer Schule unterstützt? Und welche Erfahrungen haben Sie mit linkshändigen Schülern im Unterricht gemacht? Oder sind Sie sogar selbst Linkshänder und können von eigenen Erlebnissen berichten?

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!
Valeska Spätling und Britta Minges

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Britta Minges
b.minges@raabe.de

... ist als Produktmanagerin für alles rund um die Werke "Auf dem Weg zur inklusiven Schule" und "Auf dem Weg zur inklusiven Grundschule", ebenso wie für SCHULLEITUNGONLINE zuständig - und ist Social-Media-Managerin

1 Comment
  • Tobias Dietzsch
    Posted at 14:36h, 13 August

    In meiner (Real-)Schulzeit, Anfang/Mitte der 80er, wurde auf jeden Fall die Sitzordnung schon entsprechend berücksichtigt.
    Und zu Punkt 5 (Entspannt Schreiben) frage ich mich, was mir als Rechtshänder denn dazu hätte verhelfen können. Jedenfalls war ich bei Aufsätzen bestimmt immer ziemlich verkrampft 😉

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