Martin Luther – Wahrheit, Legenden und unser Redaktions-Luther

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Die Legende des Tintenflecks

Ab dem Winter 1521/22 versteckte sich Martin Luther unter dem Namen Junker Jörg auf der Wartburg in Thüringen. Als er eines Tages während der Arbeit an der Übersetzung der Bibel ein Schaben und Kratzen hörte, aufsah und in das Angesicht des Teufels blickte, soll er beherzt zum Tintenfass gegriffen und es nach der Satansfratze an die Wand geworfen haben. Fakt ist, Luther fühlte sich Zeit seines Lebens von Dämonen verfolgt. Die Einsamkeit auf der Burg hat diese Ängste wohl verstärkt, was ihn schon beim Rascheln der Mäuse im Gebälk die Anwesenheit des Teufels vermuten ließ. Fakt ist außerdem, dass es jahrhundertelang einen Tintenfleck an der Wand der Wartburg gab. Von Luther war er nicht. Und trotz, dass ihn Besucher Stück für Stück abkratzten, will ihn heute noch manch Tourist gesehen haben.

Die Legende um den „locus“

Die zentrale Erkenntnis, dass der Mensch allein durch den Glauben die göttliche Gnade erfährt, soll Luther auf dem „locus“, dem „stillen Örtchen“ erlangt haben. Ob er mit „locus“ auch sein Arbeitszimmer, welches über der Latrine lag, gemeint haben könnte, ist nicht überliefert. Fakt ist, Luther litt unter chronischen Verstopfungen und verbrachte viel Zeit auf der Toilette. Er sprach in seinen überlieferten Tischreden häufig vom „locus“ oder gar der „cloaca“ als Ort seiner Erkenntnis. Inwiefern das „stille Örtchen“ wirklich Ort sowohl körperlicher als auch geistiger Befreiung war, bleibt wohl für immer ungewiss.

Die Legende der 95 Thesen

Die bekannteste Legende von Martin Luther ist wahrscheinlich jene, die als Beginn der Reformation angesehen wird: der Anschlag seiner 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg. Zwei Zeitgenossen von Luther berichten zwar von jenem Thesenanschlag, fakt ist jedoch, sie waren nicht dabei. Man weiß heute nur, dass Luther seine Thesen in einem Brief an Albrecht von Brandenburg, den Erzbischof von Mainz, sandte, um darüber zu diskutieren.

Von weitaus weniger Legenden umrankt ist unser Redaktions-Luther. Wohlbehütet von der Redaktion Religion hat er weder den Teufel zu fürchten, noch muss er viel Zeit auf unserem „stillen Örtchen“ verbringen und wird ferngehalten von Hammer und Nägeln. Aber wehe, wenn sie losgelassen …

© Playmobil – geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG, Zirndorf

Wenn Sie mehr über Luther und die Reformation erfahren und das Thema mit Ihren Schülern ergründen möchten, holen Sie sich den neuen Beitrag RAAbits Realschule Geschichte IV/14 „Luther und die Reformation – Spaltung oder Veränderung der Kirche?“

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Susan Schuchert
Susan Schuchert
s.schuchert@raabe.de

... ist Redakteurin im Bereich Gesellschaftswissenschaften.

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