Lukas rastet aus und Simone rechnet nicht – was tun bei Lern- und Verhaltensschwierigkeiten?

Lukas rastet aus und Simone rechnet nicht – was tun bei Lern- und Verhaltensschwierigkeiten?

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Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Klasse in der Inklusion nicht nur auf dem Papier steht, sondern Alltag ist. Sie ist bunt gemischt mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Lernvoraussetzungen. In dieser Klasse wird es nie langweilig, denn sie steckt voller unterschiedlicher Charaktere und Begabungen, vereint sowohl Verhaltenskreative als auch Musterschüler. In diese Klasse gehen Lukas und Simone.

Lukas und die Welt der Zahlen

Lukas ist begabt in Mathematik. Er lebt in einer Welt der Zahlen. Zahlen sind toll, Zahlen sind logisch, Zahlen sind nicht wie Gefühle, missverständlich und verwirrend. In der Welt der Zahlen fühlt sich Lukas wohl. In anderen Fächern hat er Schwierigkeiten mitzukommen, er driftet oft ab, denkt lieber über Zahlen nach.

© iStock/Essentials Collection

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Manche Unterrichtssituationen sind schwer für ihn zu ertragen, zum Beispiel wenn er mit jemandem zusammenarbeiten soll, wenn es sehr laut zugeht in der Klasse, wenn Ben wieder Quatsch macht und ihn ärgert, oder wenn er im großen Stuhlkreis vor allen anderen Schülern etwas sagen soll. Ihm wird dann heiß und kalt und ihm ist ihm schnell alles zu viel. Manchmal weiß er sich nicht anders zu helfen – er schlägt einfach um sich oder wirft Stühle durchs Klassenzimmer.

Lukas‘ Verhalten ist in solchen Situationen für die ganz Klasse schwierig. Es kommt zu Unruhe und die ganze Klasse muss erst wieder beruhigt werden. Doch was können Sie tun, um schwierige Verhaltensweisen zu verstehen? Welche Maßnahmen können Sie treffen, um solche Situationen zu vermeiden?

Verhaltens- und Lernschwierigkeiten verstehen und handeln

Wie entsteht ein solches Verhalten, warum und wann tritt es auf, welche Faktoren begünstigen das Entstehen und wie kann man im schulischen Bereich präventiv vorgehen, um Kinder und Jugendliche zu stärken, zu verstehen und zu begleiten? Es gibt bereits verschiedene Programme die Sie in der Schule umsetzen können, zum Beispiel:

  • Das KlasseKinderSpiel ist ein präventives Konzept bei Verhaltensauffälligkeiten. Durch Belohnung von positivem Arbeitsverhalten wird das Verhalten der Schüler gesteuert. Es trägt präventiven Charakter, dient der sozialen Integration der Kinder in Gruppen und kann jederzeit im Unterricht gespielt werden.
  • Allgemeine Lebenskompetenzen und Fertigkeiten (ALF), eignet sich für Sek 1, und vermittelt Kompetenzen in den Bereichen Problemlösung, Stressbewältigung und Kommunikation

Mathe macht Simone schwindelig

Bei Simone, Lukas` Klassenkameradin, sieht es ganz anders aus. Sie kann gut mit Worten umgehen. Simone erzählt viel und unterhält sich sehr gerne mit den Mitschülern und den Lehrern.

© iStock/Signature Collection

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Nur mit Mathe hat sie es nicht so – Zahlen sind für sie einfach nicht verständlich – sie versteht in Mathe meistens nichts und es wird ihr ganz schwindelig, wenn die Lehrerin etwas erklärt und in Ihrem Kopf wirbeln die Zahlen durcheinander. Wenn sie Zahlen schreiben soll, braucht sie immer eine Vorlage – sie zeichnet die Zahlen dann einfach ab, aber was die komischen Formen bedeuten und wie das funktioniert wenn man das eine von dem anderen abzieht, das versteht sie einfach nicht.

Ein Gedankenexperiment zu Rechenschwierigkeiten

Um Simone besser zu verstehen, führen wir ein kleines Gedankenexperiment durch. Wir versetzen uns in die Lage von Simone. Die Zahlen heißen in diesem Experiment nicht so, wie wir sie kennen, sondern folgendermaßen:

©Andreas Schulz

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Lösen Sie nun folgende Aufgaben:
1.) Rubla – Silt = ?
2.) Stimmt die Aussage: Von Jadi bis Silt sind es krin Zählschritte?
3.) Die Kinder Dilo, Wida, Kriu und Leik sitzen an einer Tischgruppe, an der bliet Stühle Platz bieten. Es gibt silt solcher Tischgruppen. Wenn Scho, Jirt, Lodo, Lulli, Opt und Stra hinzukommen, wie viele Tischgruppen sind dann voll besetzt und wie viele Plätze werden insgesamt benötigt?

Hatten Sie Schwierigkeiten, die Aufgabe zu lösen? Nun können Sie sich ungefähr vorstellen, wie Simone sich fühlt, wenn sie rechnen soll. Schülerinnen und Schüler mit Rechenschwierigkeiten haben häufig Probleme, Rechenoperationen und Zahlbeziehungen zu verstehen oder sie tun sich schwer, mit der Zahl-Mengenkodierung bzw. mit den verschiedenen Zahlkodierungen.

Unterstützungsmöglichkeiten bei Dyskalkulie

Wie kann man Simone helfen? Eine Möglichkeit, um sie zu unterstützen ist, die Zahlen zu veranschaulichen: Verwenden Sie möglichst viel Anschauungsmaterial (z.B. Alltagsgegenstände, Zahlenkarten, Holzwürfel, Montessori-Materialien, Schüttelbox, Steckwürfel, usw.) das die Zahlen mit allen Sinnen erfahrbar macht, Verständnis fördert und neue Verknüpfungen ermöglicht.
Übrigens: Mit Bewegung lernt es sich leichter! Probieren Sie doch mal Bewegung in Ihren Matheunterricht zu integrieren, zum Beispiel mit einer Variation des „Himmel und Hölle“-Spiels. Und machen Sie Rechenvorgänge lebendig, zum Beispiel indem Sie ein Kegel- oder Wurfspiel einsetzen.
Das hilft nicht nur Simone, sondern erleichtert allen Schülerinnen und Schülern das Rechnen und den Umgang mit Zahlen.

(Der Blogpost wurde erstellt von Benedikt Reinhard und Natalie Fessler)

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Natalie Fessler
Natalie Fessler
n.fessler@raabe.de

ist Redakteurin im Bereich Bildungsmanagement.

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