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Lesetipps für heiße Tage! (Teil II)

Lesetipps für heiße Tage! (Teil II)

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Was zum Schmunzeln, Sich-bilden oder Sich-drin-vergessen? – Was lesen Sie diesen Sommer?
Foto: Thinkstock

SOMMERZEIT ist FERIENZEIT! – und somit die Zeit des Jahres, in der man sich auch als Lehrer/in endlich einmal die Zeit zum entspannten Schmökern nehmen kann. Zeit, um nicht nur das zu lesen, was man ohnehin lesen muss, sondern um ausgiebig zu genießen, was man gerne lesen möchte – und das nicht nur häppchenweise. Freuen Sie sich auch darauf, mal wieder ein paar Seiten am Stück zu schaffen?

Ganz egal, ob Sie sie am liebsten kurz vor dem Einschlafen, beim Frühstückskaffee oder mal eben zwischendurch genießen möchten – unsere Redakteure haben für Sie ihre heißesten Tipps für sommerliches Lesevergnügen gesammelt.

„Der Mann, der kein Mörder war“ – ein etwas anderer Skandinavienkrimi von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt
In einem Waldstück nahe des schwedischen Västerås entdecken Pfadfinder die Leiche eines 16-jährigen Jungen, der brutal ermordet wurde. Der Schüler eines Elitegymnasiums wurde bereits seit Tagen vermisst. Da die lokale Polizei überfordert ist, reist der Stockholmer Kommissar Höglund mit seinem Team in die Provinz. Vor Ort trifft er einen alten Bekannten, den ehemaligen Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann. Bergmann, der bei einem Unglück Frau und Tochter verloren hat, versucht seinen Schmerz durch zahllose Affären zu betäuben und präsentiert sich seiner Umwelt gegenüber als echtes Ekelpaket. Dennoch bietet er dem Kommissar seine Hilfe an – sehr zum Leidwesen des übrigen Ermittlerteams. Doch schon bald wird der brillante Kollege für den Fall unverzichtbar, denn hinter den Mauern der Schule tun sich Abgründe auf, mit denen keiner gerechnet hat.

Kein depressiver Skandinavienkrimi, sondern mit knapp 600 Seiten zwar ein ziemlicher Wälzer, aber durch viele unerwartete Wendungen spannend bis zum Schluss. Teil II soll noch im August erscheinen und eine ZDF-Verfilmung ist bereits angekündigt. Freuen Sie sich drauf!

„Dead end in norvelt“ – ein schwarzhumoriger Jugendroman von Jack Gantos
Der 12-jährige Jack lebt in einer Kleinstadt irgendwo im Amerika der 1960er-Jahre. Nachdem er im Garten aus Versehen das Gewehr seines Vaters abgefeuert hat, erteilt ihm seine Mutter Hausarrest für den gesamten Sommer. Doch zum Glück braucht die schrullige alte Dame Miss Volker aufgrund ihrer Arthritis jemanden, der für sie die Todesanzeigen für die Lokalzeitung schreibt. Und zurzeit sterben so einige Leute in Norvelt unter mysteriösen Umständen. Jack und Miss Volker machen sich auf Spurensuche.

Ein echter page-turner! Liebenswürdig, lehrreich, voller verrückter Ideen und schwarzem Humor. Ein Lesespaß für alle, die gerne englisch lesen und vielleicht auch ein Tipp für eine Klassenlektüre.

 „Im Himmel Tango“ – eine Tangogeschichte von Elsa Osorio
Die junge Argentinierin Ana lebt seit ihrer Kindheit in Paris und tanzt dort sehr erfolgreich Tango. Als ihr der junge Dokumentarfilmredakteur Luis vorschlägt, gemeinsam einen Film über die Geschichte des Tango Argentino zu drehen, lernt Ana nicht nur eine fantastische neue Welt kennen, sondern sieht sich auch mit der Vergangenheit ihrer eigenen Familie konfrontiert, die eng mit Luis‘ Familiengeschichte verbunden ist: Anas Urgroßvater Hernán und Luis‘ Urgroßmutter Asunción waren nämlich Pioniere des Tangos und mussten als Liebespaar über Jahre gegen gesellschaftliche Konventionen und Widerstände kämpfen.

Diese spannende argentinische Familiensaga zeichnet über drei Generationen ein farbenprächtiges Bild der argentinischen Gesellschaft und des Tango. Mittels gekonnter erzählerischer Kunstgriffe inszeniert die Autorin die vielen faszinierenden Facetten des Tango Argentino, der seine Anfänge als „unanständiger Tanz“ in den Bordellen von Buenos Aires nahm und es bis zum UNESCO-Weltkulturerbe geschafft hat. Eine wunderschöne Liebeserklärung an den Tango!

 „Darwin. Abenteuer des Lebens“ – eine biografisch-literarische Wissenschaftsreportage von Jürgen Neffe
Ein vielseitiger, gebildeter Gesprächspartner – das war der Wunsch von Kapitän Robert FitzRoy, als er von der britischen Admiralität den Auftrag erhielt, die Küste Südamerikas exakt zu kartieren. Empfohlen wird ihm ein Student, standesgemäß, talentiert, mit Kenntnissen über Flora und Fauna, Spezialgebiet Entomologie (Käferkunde), mit abgebrochenem Medizinstudium. Nach dem Willen seines wohlhabenden Vaters hatte dieser zudem ein Studium der Theologie abgeschlossen, weshalb sich der tiefgläubige FitzRoy sofort mit ihm versteht. Der Name des Studenten: Charles Darwin.
Auf dieser, seiner ersten und einzigen Reise, sammelt und notiert Darwin akribisch alle Erkenntnisse zu Geologie, Flora und Fauna und wird den Rest seines Lebens damit verbringen, die Erkenntnisse seiner Reise wissenschaftlich zu erfassen. Die Evolutionstheorie, deren Tragweite er sich als Theologe durchaus bewusst ist, stürzt ihn nicht nur in einen Konflikt mit Kapitän FitzRoy, sondern auch mit der Kirche.

„Das Abenteuer des Lebens“ nennt der Wissenschaftsjournalist Jürgen Neffe sein Buch über die Welt- und Lebensreise Darwins von 1831 bis 1836, auf deren Spuren er sich zu dessen 200. Geburtstag begibt. Er heftet sich dabei an die Fersen des großen Forschers, und zeichnet Etappe für Etappe die Weltumrundung Darwins auf der berühmtesten Route der Wissenschaftsgeschichte und die geistige Reise zur Evolutionstheorie nach. Sie führt uns durch eine spannende Mischung aus Reiseerzählung und wissenschaftlicher Ideengeschichte.

 „Der Hals der Giraffe“ – ein gefeierter Bildungsroman von Judith Schalansky
Inge Lohmark ist Mitte 50, Lehrerin an einem Gymnasium im Osten Deutschlands und die letzte ihrer Art. Eine Lehrerin der „alten Schule“ eben, die sich weigert, den Frontalunterricht zugunsten der lächerlichen „Kuschelpädagogik“ ihrer Kollegen aufzugeben. Sie unterrichtet Biologie in der Oberstufe in einer Schule, die bereits zum Sterben verurteilt ist. Weil die Kleinstadt schrumpft und die Schülerzahlen rückläufig sind, soll das Gymnasium in vier Jahren geschlossen werden. Dennoch pflichtbewusst, mit beinahe manischen Scheuklappen für das tatsächliche Leben, trichtert Frau Lohmark ihren Unterrichtsstoff seit 30 Jahren stupide in die Schülerköpfe und kämpft eisern für ihr Motto: Nur der Stärkste überlebt! Als Inge Lohmark plötzlich Gefühle für eine Schülerin der 9. Klasse entwickelt, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken.

Ein irrwitziger Roman, mit wunderbaren Illustrationen, in knappem Stil mit trockenem Humor. Nicht nur etwas für alle, die altes Biologiewissen wieder auffrischen wollen.

 „Flieg, Hitler, flieg!“ oder „Der Boxer“ – eine freche Satire von Ned Beauman
England im Jahr 1934: Der kleinwüchsige, jüdische Seth „Sinner“ Roach arbeitet erfolgreich als Preisboxer. Nach einem Kampf wird er von einem rätselhaften Gentleman angesprochen, der sich als Philip Eskine vorstellt. Der reiche Hobbywissenschaftler und Anhänger der Eugenik (Wissenschaft von der Selbststeuerung der menschlichen Evolution) hat bei einer Expedition einen Käfer entdeckt, der auf seinem Panzer ein Hakenkreuzmuster trägt. Durch Überzüchtung gelingt es ihm, diesen Käfer besonders widerstandsfähig zu machen – er tauft ihn „Anophthalmus hitleri“. Nun will er seine Forschungen auf Menschen ausdehnen – und überredet Roach, ihm seinen Körper für diesen Zweck zu verkaufen.
80 Jahre später leidet Kevin „Fishy“ Broom an einer seltenen Krankheit, die ihn zunehmend isoliert. Als Sammler von Nazi-Memorabilia stößt er auf einen mysteriösen Brief Adolf Hitlers an Eskine und erhält daraufhin Besuch von einem bewaffneten Unbekannten. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Grab des Boxers und machen dabei eine schreckliche Entdeckung.

Gut recherchierte, frech geschriebene Satire, die historische Fakten mit einer ordentlichen Portion Fiktion und einer Prise schwarzem Humor würzt. Intelligent, schockierend und unterhaltsam! (Unter dem Titel „Boxer, Beetle“ ist das Buch auch auf englisch erhältlich.)

 „Hyperion-Gesänge“ – eine Space Opera in zwei Bänden von Dan Simmons
In zwei Bänden („Hyperion“ und „Der Sturz von Hyperion“) begleitet der Leser sieben Pilger auf ihrem Weg zu den „Zeitgräbern“ auf dem Planeten Hyperion, in denen das „Shrike“ lebt, eine geheimnisvolle Kreatur mit unbekannten Kräften. Die Pilger erzählen sich unterwegs ihre Lebensgeschichten – ganz in der Tradition der Canterbury Tales und des Decamerone –, in denen die Gründe verborgen liegen, weshalb sie alle dorthin reisen. So entfaltet sich nach und nach die Geschichte einer hoch technisierten und über Lichtjahre verteilten menschlichen Zivilisation, die einer gewaltigen Bedrohung von Innen wie von Außen ausgesetzt ist, die das Ende der Spezies Mensch bedeuten könnte. Im Zentrum dieses Sturms stehen die sieben Pilger und das Shrike …

In der Space Opera verknüpft Dan Simmons monumentale Themen wie Philosophie, Religion, Ethik und Dichtung mit neu interpretierten Sience-Fiction Elementen und entwirft das Bild einer komplexen interstellaren Gesellschaft. Wir empfehlen die englische Fassung der Hyperion-Gesänge (engl. „Hyperion Cantos“). Und wer danach noch nicht genug hat, kann in „Endymion“ (ebenfalls zwei Bände) die Geschichte lesen, die etwa 270 Jahre nach den Ereignissen in „Hyperion“ spielt.

 Alle Tipps im Überblick:
• Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war: Ein Fall für Sebastian Bergmann. Rowohlt Polaris. 592 Seiten, Preis: € 14,95
• Jack Gantos: Dead End in Norvelt. Random House. 352 Seiten, Preis: € 7,99
• Elsa Osorio: Im Himmel Tango. Insel Verlag. 504 Seiten, Preis: € 9,99
• Jürgen Neffe: Darwin. Das Abenteuer des Lebens. Goldmann Verlag. 544 Seiten, Preis: € 10,95
• Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe. Bildungsroman. Suhrkamp Verlag. 224 Seiten, Preis: € 9,99
• Ned Beauman: Der Boxer. Dumont Buchverlag. 284 Seiten, Preis: € 9,99
• Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge – Hyperion / Der Sturz von Hyperion. Heyne Verlag. 1456 Seiten, Preis: € 15,00

Danke an Kathinka Compagnon, Marcel Meder, Jana Fritz, Carsten Freund, Kathrin Horster und Dagmar Storck für die Lektüretipps.

Ob unterm Sonnenschirm am Strand, in der Hängematte im eigenen Garten oder auf Balkonien – das Schmökern kann beginnen …

Viel Spaß, entspannte Sommertage und wunderbare Lese-Entdeckungen wünscht das RAAbe-Team!

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Verena Hasse
Verena Hasse
v.hasse@raabe.de

… betreut als Redakteurin im RAABE Fachverlag Schule das Projekt Realschule Deutsch.

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