Konrad Adenauer – zum 50. Todestag

Konrad Adenauer – zum 50. Todestag

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Unbequem war er, der „Alte“, eigensinnig – und er stellte die Weichen für die Bundesrepublik: Konrad Adenauer. Heute jährt sich sein Todestag zum 50. Mal. Grund genug, zurückzublicken auf einen prägenden Politiker und Menschen.

Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren. Nach dem Abitur studierte er u.a. Jura in Bonn. 1907 wurde er Beigeordneter der Stadt Köln. Im Amt des Oberbürgermeisters (ab 1917), welches er bis 1933 behielt, machte er sich einen Namen in der deutschen Politik. Während der Zeit des Dritten Reiches wurde er mehrmals aufgrund seiner sozialistischen, christlich geprägten und regimekritischen Haltung verhaftet und inhaftiert.

Nach dem Amt als Oberbürgermeister von Köln war das Amt des Vorsitzenden des Parlamentarischen Rates von September 1948 bis Mai 1949 das entscheidende auf dem Weg in die deutsche Regierung. An den detaillierten Beratungen über die auf Anweisung der Alliierten neu auszuarbeitende deutsche Verfassung beteiligte sich Adenauer weniger. Er war mehr der Sprecher nach außen und gewann auf diesem Wege Ansehen in der deutschen Bevölkerung.

Erster Bundeskanzler der Bundesrepublik

Einprägsam war den Deutschen ein kleiner, aber bemerkenswerter Schritt, den er kurz nach seiner Wahl zum ersten Bundeskanzler im September 1949 machte: Adenauer war zur Übergabe des offiziellen Besatzungsstatutes durch die Alliierten Hohen Kommissare auf den Petersberg in Bonn geladen. Das Protokoll sah vor, dass die Hohen Kommissare McCloy (USA), François-Poncet (Frankreich) und Robertson (Großbritannien) bei der Übergabe auf einem Teppich stehen sollten und Adenauer davor. Diese offensichtliche Demonstration eines Machtgefälles zugunsten der Alliierten ließ sich der frischgebackene Bundeskanzler nicht gefallen. Er machte einen provokanten Schritt auf den Teppich und stellte sich vor die drei Kommissare – auf Augenhöhe.

Adenauer war kein Mensch, der sich einschüchtern ließ. Er wollte, dass Deutschland auf das internationale Parkett zurückkehrte. Adenauer wurde zum Initiator der Montanunion, eines europäischen Wirtschaftsverbundes, der zum Vorläufer der EU wurde. Er kämpfte für die Wiedererlangung der deutschen Souveränität, forcierte die Versöhnung mit Frankreich und setzte gegen viel Widerwillen in der Regierung den Beitritt der Bundesrepublik zur NATO durch. Und er baute die Soziale Marktwirtschaft aus, ohne die das „Wirtschaftswunder“ undenkbar gewesen wäre.

Die „Ära Adenauer“

Das Ende der „Ära Adenauer“ läutete der Bau der Berliner Mauer im August 1961 ein. Eine Überwindung der Teilung Deutschlands war auch Adenauers Ziel gewesen, doch nicht um jeden Preis. Der Mauerbau setzte nun ein Zeichen für eine dauerhafte Trennung beider deutscher Staaten. Adenauers Wiederwahl beinhaltete die Vereinbarung, in der Mitte der Legislaturperiode zurückzutreten. Nach der „Spiegel-Affäre“ 1963 erschien die Vereinbarung als weise Voraussicht.

Konrad Adenauer starb am 19. April 1967 und wurde in Rhöndorf beigesetzt. Sein Haus ist heute Museum und Gedenkstätte. Er war ein außergewöhnlicher Staatsmann, der in keinem Geschichtsunterricht fehlen sollte.

Die 3Sat Kulturzeit blickt ebenfalls auf den Politiker: „Westintegration, Wiederbewaffnung, Wirtschaftswunder: Diese historischen Leistungen nimmt dem ersten Nachkriegskanzler Konrad Adenauer keiner. Doch wie die aktuellen Enthüllungen zeigen, besteht auch kein Grund zur Verklärung – auch nicht am 50. Todestag, an dem eine neue Dauerausstellung in seinem ehemaligen Wohnhaus in Rhöndorf/Bad Honnef eröffnet worden ist.“

© by Bundesarchiv, B 145 Bild-F005630-0005 / Wikimedia Commons – CC-BY-SA 3.0

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Susan Schuchert
Susan Schuchert
s.schuchert@raabe.de

... ist Redakteurin im Bereich Gesellschaftswissenschaften.

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