Klassenlehrer – mein erstes Mal

Herzlich willkommen in der Klassenleitung

Klassenlehrer – mein erstes Mal

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Es ist der erste Schultag nach den Ferien und ich bin zum ersten Mal Klassenlehrer einer 32-köpfigen 11. Klasse eines Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums. Als ich in die Klasse komme, schauen mich 31 Schülerinnen und ein Schüler, der sich in der letzten Reihe versteckt hat, erwartungsvoll an. Es ist zu spüren, dass alle mindestens genauso aufgeregt sind wie ich. Durchatmen, denke ich mir. Gerade als ich mich vorstellen möchte springt eine Schülerin auf und springt kreischend zur Seite. – Ich habe doch noch gar nichts gesagt, was hat sie nur? Das fängt ja gut an…

Das Rätsel löst sich aber schnell: Unter dem Tisch der Schülerin sitzt eine Heuschrecke, die ich beherzt aus dem Fenster befördere. Das sollte mir die Sympathie der Schülerinnen nachhaltig sichern, wie mir später berichtet wurde. Glück gehabt!

Genau wie diese Situation gibt es als Klassenlehrer einige vorhersehbare und nicht-vorhersehbare Situationen. Hier sind einige Tipps zum Einstieg in die Klassenleitung, die Ihnen nützlich sein könnten, die mir im Lauf der Jahre gute Dienste erwiesen haben:

Klassenklima

Am Anfang ist es gut sich mit der Klasse vertraut zu machen und gleich ein gutes Klassenklima zu etablieren, besonders wenn die Klasse neu zusammengesetzt ist. Eine Möglichkeit ist es, drei Werte, die einem für die Arbeit mit der Klasse wichtig sind, anzuschreiben und zu erläutern. In meinem Fall sind das Vertrauen, Freude und Wertschätzung. Diese erläutere ich mit Beispielen und kleinen Geschichten, sodass es für die Klasse anschaulich und interessant ist. Wenn die Schüler sich etwas besser kennen, kann man noch einmal als Klassenlehrer darauf zurückkommen und die Schüler ausarbeiten lassen, welche Werte ihnen als Klasse wichtig sind. Dann kann abgestimmt und sich geeinigt werden, welche Werte als Grundlage der gemeinsamen Arbeit gelten sollen. Diese können dann auch im Klassenzimmer an der Pinnwand für alle sichtbar aufgehängt werden.

Organisatorisches

Schon am ersten Schultag bzw. in der ersten Schulwoche gibt es viele organisatorische Dinge zu erledigen. Die Kolleginnen und Kollegen helfen hier meist gerne weiter. So müssen Sie zum Schuljahresbeginn wichtige Bekanntgaben an die Klasse weitergeben wie z.B. den Ablauf bei einem Feueralarm. Am Anfang müssen Sie auch die Tafeldienst- und Ordnungsdienstregelung besprechen. Dann muss je nach Schule noch die An- und Abmeldung vom Religions- und Ethik-Unterricht stattfinden. – Außerdem müssen die Klassensprecher gewählt und ihre Aufgaben besprochen werden. Viele Schulen haben im Intranet auch einen Prozess mit den Klassenlehreraufgaben. Was Sie am Anfang auf jeden Fall erstellen sollten, ist ein Fotoplan mit Fotos und Namen der Schülerinnen und Schüler.

Ein praktischer Tipp: wenn die Schülerinnen einzeln beim Fotografieren ein Blatt mit ihrem Namen hochhalten, sollte der Name mit einem dunklen Stift sehr groß auf das DinA 4 Blatt geschrieben werden. Ansonsten ist der Name im verkleinerten Fotoplanbild nicht mehr lesbar.

Fehlzeiten verwalten

Klassenlehrer sind für die Verwaltung der Fehlzeiten verantwortlich. Ob im Klassenbuch oder digital – fehlende Schüler müssen „registriert“ werden. Zur Aufgabe des Klassenlehrers gehört dann auch Detektivarbeit, wenn es darum geht übermäßig hohen Fehlzeiten von Schülern auf den Grund zu gehen. Wenn ein Schüler hohe Fehlzeiten hat, gilt es zunächst durch Gespräche mit dem Schüler herauszubekommen, woran dies liegt. Falls hier keine triftigen Gründe vorliegen ist es notwendig der Schülerin die Konsequenzen bei häufigem Fehlen klarzumachen. Hier sollten Sie herausfinden, wie dies Ihre Schule handhabt. Viele Schulen haben einen mehrstufigen Plan, wie bei hohen Fehlzeiten vorgegangen wird. Ein praktischer Aspekt ist es auch herauszufinden, ob die Schule ein vorgefertigtes Entschuldigungsblatt für Fehlzeiten hat oder falls das nicht der Fall ist, ein solches anzulegen. Dies sollten Sie dann den Schülern digital zu schicken und ein paar Mal ausdrucken. Ansonsten bekommt man teilweise unleserliche „Fresszettel“, wie ich aus Erfahrung weiß.

Klassenleitung – macht Freude

Neben ein paar nervigen Aufgaben wie der Fehlzeitenverwaltung bietet die Klassenlehrertätigkeit eine tolle Möglichkeit die Schüler sehr gut kennenzulernen und ein enges Vertrauensverhältnis aufzubauen. So lernen die Schüler einen auch selbst mehr als Menschen kennen. Hier ist meine Erfahrung, dass es sich lohnt den Schülern zu sagen, was mir wichtig ist und ruhig auch mit Humor auf einer persönlichen Ebene zu interagieren.

Auf Klassenfahrten werden Sie die Schüler dann noch besser kennenlernen und viele schöne und lustige gemeinsame Momente erleben. Diese teils lustigen Anekdoten können Sie dann auch gut in Ihrer Abschlussrede bei der Abschlussfeier zum Besten geben. Als Dank werden Sie dann immer wieder und gerade beim Abschluss viel Wertschätzung erhalten. So erhielt ich beim Abiball ein Buch mit persönlichen Briefen aller meiner Schülerinnen, die mir als tolle Erinnerung an die gemeinsamen drei Jahre bleiben. In dem Buch hatte u.a. die beste Schülerin geschrieben (Abitursschnitt 1,1), dass sie selbst oft nicht an sich geglaubt hatte. Es hätte ihr sehr viel bedeutet, dass ich ihr Mut gemacht und sie unterstützt hätte. Dies sind dann die sehr schönen Momente eines Klassenlehrers.

Auch wenn es am Anfang viel Arbeit erscheint, ist die Klassenlehrertätigkeit eine der schönsten Tätigkeiten im Lehrerberuf. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Start und viel Freude dabei!

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Ole Kersten
socialmedia@raabe.de

ist Lehrer an einer Beruflichen Schule in Waldkirch bei Freiburg und unterstützt die RAABE-Redaktion im August 2017. Hier kann er Einblicke in die Arbeit unseres Schulbuchverlags gewinnen. Besonders interessiert ihn der Bereich Bildungsmanagement und die Raabe Akademie.

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