Themen
Lehrer-Blog Archiv

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Posting teilen:

Ob „zec“ auf Serbisch, „conejito“ auf Spanisch oder „házinyúl“ auf Ungarisch – der Hase scheint in jeder Sprache bekannt zu sein. Aber wie ist das eigentlich mit dem Osterhasen? Gibt es den auch in jedem Land? Das war uns eine Umfrage im Verlag wert – mit erstaunlichen Ergebnissen!

Foto: www.colourbox.com

In Spanien beispielsweise kennt man den Osterhasen nicht – und auch bemalte oder gefärbte Ostereier haben hier keinerlei Tradition. Dafür feiern die Spanier Ostern eine ganze Woche lang. In der „Semana Santa“ – der heiligen Woche – finden überall im Land Osterprozessionen statt. Bei der wohl größten Prozession in Sevilla ziehen Tausende vermummte Büßer mit spitzen Kapuzen zu getragener Marschmusik durch die Straßen – ein Riesenspektakel, das jedes Jahr viele Schaulustige und Touristen anzieht. Und auch Verges hat sich inzwischen zum Anziehungspunkt für Ostertouristen entwickelt: Hier werden jedes Jahr am Gründonnerstag die Passionsspiele veranstaltet. Zahlreiche als Skelette kostümierte Männer bewegen sich dann durch die nächtlichen Gassen des Örtchens und tanzen den Dansa de la Mort – den Totentanz.

Auch in Guatemala wird Ostern eine ganze Woche lang zelebriert – wie in Spanien ohne den Osterhasen. Für die mehrheitlich katholischen Guatemalteken ist Ostern das wichtigste Fest des Jahres. Während der gesamten Semana Santa arbeitet niemand – es herrscht Feierstimmung. Wer es sich leisten kann, fährt in die ehemalige Hauptstadt Antigua zu den berühmten Osterprozessionen, die die Geschichte der Kreuzigung und Auferstehung Jesu nacherzählen. Eine Raabe-Mitarbeiterin, die dabei war, berichtet: „Während der Semana Santa gerät das sonst eher beschauliche Städtchen in einen Ausnahmezustand: Überall sieht man Menschen, die essen, trinken, kaufen oder verkaufen – und vor allem feiern. Jede der unzähligen Kirchen bereitet Jesus- und Marienfiguren vor, die anschließend mit ernster Miene durch die Straßen getragen werden. Die Luft ist getränkt von Weihrauchduft, und im Hintergrund hört man den Trauermarsch der Blaskapellen.“ Eine Besonderheit sind hier die sogenannten „Alfombras“ – farbenfrohe Teppiche aus Sägespänen, buntem Sand, Blumen, Obst und Gemüse, mit denen die Straßen der Stadt geschmückt werden.

Ein ganzes Stück weiter südlich – in Paraguay – hat ein anderer Raabe-Redakteur den größten Teil seiner Kindheit verbracht. Im Gegensatz zu Spanien und Guatemala ist der Osterhase hier wohlbekannt – und auch buntbemalte Ostereier gehören zur Tradition. Allerdings handelt es sich dabei nicht um hartgekochte Eier wie hierzulande – vielmehr werden die Eier ausgeblasen und mit einer Masse aus klein gehackten und in Zucker gerösteten Erdnüssen gefüllt. Anschließend werden die Ostereier mit einem Papierdeckel verschlossen. An Ostern schließlich werden die Eier versteckt und von den Kindern gesucht. Der Redakteur erzählt: „Die Papierdeckel wurden dann abgerissen und der leckere Inhalt ausgelöffelt. Die ganz ungeduldigen Süßmäuler haben aber einfach den Kopf in den Nacken gelegt und sich den Inhalt der Ostereier in den weit geöffneten Mund gekippt.“ Warum aber diese umständliche Osterei-Zubereitung? „Das liegt daran, dass es in Paraguay an Ostern meist sehr trocken ist und die Hühner infolgedessen weniger Eier legen. Deshalb wird bereits sehr früh mit dem Eiersammeln begonnen, damit am Osterfest auch garantiert genügend Eier für alle da sind.“

Was hat nun Serbien mit Spanien und Guatemala gemeinsam? Richtig: Auch hier gibt es den Osterhasen nicht – Ostereier dafür umso mehr. Traditionell werden diese mit Zwiebelschalen gefärbt und mit Blumenmotiven versehen. Allerdings werden in Serbien die Ostereier weder versteckt noch gesucht. Stattdessen spielt man hier ein Spiel, das „Eierpecken“ genannt wird. Und so funktioniert’s: Zwei Spieler nehmen je ein hart gekochtes Osterei in die Hand. Anschließend schlägt ein Spieler mit der Spitze seines Eis auf die Eispitze des Gegenspielers ein – mit der Absicht, die Eierschale zu zerbrechen. Wird die Spitze eines Eis eingedrückt, setzt man das Spiel mit der Breitseite der Eier fort. Wenn auch diese beschädigt ist, muss der Verlierer sein Ei essen. In diesem Jahr findet das serbisch-orthodoxe Osterfest übrigens eine Woche nach dem in Deutschland gültigen Termin statt. Die beweglichen Feste werden in den Ostkirchen nämlich nicht nach dem Gregorianischen, sondern nach dem Julianischen Kalender berechnet. Die Ostertermine der westlichen und der orthodoxen Christenheit können deshalb um bis zu fünf Wochen voneinander abweichen!

In Serbiens Nachbarland Ungarn wird Ostern dieses Jahr – wie hierzulande – am 8. April gefeiert. Im Gegensatz zu Spanien, Guatemala und Serbien kennt man hier den Osterhasen – und er gilt auch als Überbringer der bunten Eier. Die Ostereiersuche hat in Ungarn ebenfalls Tradition. Ein ganz besonderer ungarischer Brauch ist allerdings das sogenannte Oster-Gießen: Dabei werden Mädchen und junge Frauen von ihren männlichen Zeitgenossen „gegossen“ – früher mit einem Eimer voll Wasser, heute mit einem Spritzer Parfüm oder Kölnisch Wasser. Währenddessen tragen die Jungen ein Gedicht vor. Durch das Oster-Gießen – so glaubt man – bleiben Schönheit und Gesundheit der Frauen und Mädchen im kommenden Jahr erhalten. Eine Mitarbeiterin aus dem Kundenservice erzählt: „Für ungarische Jungen und Mädchen ist dieser Brauch sehr aufregend. Zwischen den Mädchen herrscht sogar ein regelrechter Wettbewerb, wie viele Jungen ihnen am Ostermontag einen Besuch abstatten.“ Belohnt werden die Jungs übrigens mit einem Osterei oder einem kleinen Geldbetrag. Und gemeinsam gegessen wird auch. Ein typisches Osteressen ist in Ungarn der gekochte Osterschinken, der mit Brot, frisch geriebenem Meerrettich und – natürlich – Eiern serviert wird.

Foto: www.colourbox.com

Und wie sieht es bei unseren westlichen Nachbarn aus? Ein Raabe-Mitarbeiter mit belgischen Wurzeln bestätigt: Der Osterhase ist auch hier kein Unbekannter. Er heißt in Belgien „paashaas“ und bringt und versteckt die Ostereier – bei gutem Wetter vorzugsweise im Garten. Da in Belgien die Schokolade-Kultur stark ausgeprägt ist, gibt es hier sehr viel mehr Schokoladeneier-Variationen als in Deutschland. In Belgien dreht sich an Ostern eigentlich alles um die Ostereiersuche. Sonstige Geschenke werden an diesem Festtag nicht verteilt.

Lustige Spiele mit hartgekochten Ostereiern gibt es übrigens nicht nur in Serbien, sondern auch im Norden Deutschlands. Eine Praktikantin aus Berlin erzählt vom österlichen „Eiertrudeln“: „Am Ostersonntag haben wir immer einen Wettbewerb veranstaltet. Jeder erhielt zwei hartgekochte Eier, die er einen kleinen Hügel hinunterrollen lassen musste. Derjenige, dessen Eier am weitesten ‚trudelten’ und dabei nicht zerbrachen, bekam einen Punkt. Das wurde so lange gemacht, bis alle Eier kaputt waren.“

Und ein anderer Raabe-Mitarbeiter berichtet aus seiner Heimat Ostfriesland: „Bei uns gibt es die Tradition des Ostereierwerfens. Dabei geht es darum, hartgekochte Eier möglichst hoch und weit zu werfen, ohne sie zu zerbrechen. Wer die Ostereier zu professionellen Wurfgeschossen pimpen will, steckt sie in eine Socke.“

Und was den deutschen Osterhasen betrifft: Noch im vorigen Jahrhundert war dieser auch in einigen Teilen Deutschlands vollkommen unbekannt. Erstmals im Jahr 1682 für die Region des Elsaß erwähnt, hat er sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – vor allem durch seine kommerzielle Verwendung – in ganz Deutschland ausgebreitet und damit frühere Überbringer des Ostereis wie beispielsweise den Kuckuck, den Storch, den Hahn oder den Osterfuchs verdrängt.

Wer nun gar nicht mehr genug von Ostern bekommen kann, der ist im österreichischen Salzburg richtig aufgehoben: Hier hat eine Raabe-Mitarbeiterin einen Ostereierladen entdeckt, der das ganze Jahr über Unmengen von handbemalten Ostereiern verkauft – und zwar in allen erdenklichen Größen, vom Tauben- bis zum Straußenei.

Foto: Sonja Dörr

Na denn: Srećan Uskrs, feliz Pascua und kellemes Húsvétot – frohe Ostern wünscht Ihnen das Raabe-Team!

Danke an Kathinka Compagnon, Tobias Dietzsch, Sonja Dörr, Marleen Dückert, Carsten Freund, Kristina Petry, Susanne Petermann, Dirk Schepens, Jasmina Urukalo und Gerd Wilke für die zahlreichen Anregungen.

Posting teilen:
Valeska Spaetling
Valeska Spaetling
v.spaetling@raabe.de

war Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreute die Projekte „RAAbits Wirtschaft Berufliche Schulen“ und "RAAbits Realschule Sozialkunde/Politik".

keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Akzeptieren und Weiter
Diese Webseite verwendet Cookies. In unserer Datenschutzbestimmung können Sie Details über die Einstellungen der Anbieter erfahren und wie Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern können. Durch den Besuch der Website akzeptieren Sie die Nutzung von Cookies.