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Gruppenarbeit neu erfunden – Benjamin Miller im Interview

Gruppenarbeit neu erfunden – Benjamin Miller im Interview

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Er ist Grundschullehrer, didaktischer Leiter seiner Schule und arbeitet beim Land Hamburg in der Lehrerausbildung: Aber Benjamin Miller, Referent der RAABE-Akademie, hat sich auch noch Gedanken darüber gemacht, wie er die Gruppen- und Teamarbeit im Unterricht optimieren kann. Resultat dieser Überlegungen ist das TeamPad©, ein ‚Tool‘ das auf der Coverdale Trainingsmethode für Führungskräfte basiert. Aber was haben Topmanager und Drittklässler eigentlich gemeinsam? Nicht viel, sagen Sie? Dann passen Sie jetzt genau auf. Wir (Benedikt Reinhard und Mirjam Dapp) haben Benjamin Miller gefragt, was es mit dem TeamPad© eigentlich auf sich hat.

Team Management-Experte und Referent der Raabe Akademie Benjamin Miller

Team Management-Experte und Referent der Raabe Akademie Benjamin Miller

Raabe Verlag: Lieber Herr Miller, Sie sind Grundschullehrer. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Methode, die eigentlich von Führungskräften angewendet wird, für die Schule weiter zu entwickeln?
Miller: Entstanden ist die Idee während meiner Beratungstätigkeit für Bildungsinstitutionen im Bereich Team- und Projektmanagement. Während der Trainings ist bei meinem Kollegen Stefan Heimers und mir die Idee gereift, dass unsere Inhalte und Methoden auch für Schüler ideal sein müssten. Wir haben dann überlegt, wie für die Zielgruppe Schüler ein Teamtraining aussehen könnte. Da sind dann natürlich unsere eigenen Erfahrungen als Lehrer eingeflossen. In Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Coverdale und etlichen Testdurchläufen ist dann das TeamPad© entstanden.

RV: Bedeutet das, Topmanager und Drittklässler arbeiten auf die gleiche Art und Weise?
Miller: Das klingt fast provozierend, oder? Jedoch arbeiten die Schüler mit dem Teampad nach einem hoch effektiven Konzept des Teammanagements, das auf einer fast 50-jährigen Trainingspraxis beruht. Die Abläufe bei der Teamarbeit sind sehr ähnlich – egal, ob Drittklässler oder Führungskraft: Beide machen Erfahrungen und lernen, diese systematisch zu reflektieren und auf die jeweilige Arbeits- bzw. Lernsituation zu übertragen. Was viele internationale Führungskräfte seit Jahren erfolgreich anwenden, wird durch das TeamPad© auch den Schülern ermöglicht: Unser Werkzeug bringt das Coverdale-Prinzip in eine Einheit und Systematik, die den Schülern dabei hilft, strukturiert, selbstgesteuert und professionell in Gruppen zu arbeiten. Da es die Steuerung der Gruppenarbeitsprozesse nahezu vollständig übernimmt, entlastet das auch die Lehrkräfte.

RV: Wie funktioniert die Lernmethode von Coverdale?
Miller: Sie basiert auf Erfahrungslernen. Die Teams arbeiten an konkreten Aufträgen innerhalb einer begrenzten Zeit. Ein Team stellt sich bis zu sechs Aufträgen. Dabei machen alle Beteiligten intensive Erfahrungen miteinander, die gemeinsam ausgewertet werden. Das ist nicht nur für Lehrer besonders entlastend, sondern gerade auch für Schüler ausgesprochen attraktiv.

RV: Ab welcher Klassenstufe lässt sich das Teampad© einsetzen?
Miller: Sobald Kinder ein wenig lesen und schreiben können. Realistisch ist der Einsatz ab Klasse drei. Danach gibt es keine Grenze mehr. Auch in Kollegenteams und in der Lehrerausbildung kommt es zum Einsatz.

RV: Wie viel Zeit ist denn damals vergangen vom Ursprung der Idee bis hin zu ihrer tatsächlichen Umsetzung?
Miller: Nachdem die Idee geboren war, sind bis zur ersten Produktion etwa zwei Jahre vergangen. Zahlreiche Testdurchläufe und die Anwendung in den verschiedenen Altersgruppen haben am meisten Zeit in Anspruch genommen.

Mit dem Teampad© bearbeiten Ihre Schüler Projekte effizient und eigenständig. Bild ©: Benjamin Miller

Mit dem Teampad© bearbeiten Schüler Projekte effizient und eigenständig. Bild ©: Benjamin Miller

RV: Wie kann das TeamPad© den Unterricht bereichern?
Miller: Ich würde Ihre Frage gerne aus drei Perspektiven beantworten, nämlich aus der des Lehrers, dann aus der des Schülers und aus der Perspektive der Schule.
Der Lehrer wird deutlich entlastet, denn das Tool bietet ihm eine klare Systematik und übernimmt wesentliche Aufgaben der Teamsteuerung. Er formuliert einen Arbeitsauftrag, den die Schüler dann mit dem TeamPad© bearbeiten. Je eingespielter die Schüler dabei sind, desto einfacher wird der Einsatz.
Die Schüler arbeiten miteinander um ein Ziel zu erreichen, tauschen sich aus, werden dabei selbständiger und entwickeln sich auch durch schwierige Prozesse oder ein Scheitern weiter. Wir können ja bekanntlich Wesentliches aus Fehlern lernen, sofern wir sie reflektieren. Sich in der Gruppe mit seinen Stärken und Schwächen zu zeigen, wird selbstverständlich und auch als zunehmend sinnvoller erlebt, denn die Gruppenmitglieder ergänzen einander. So wird Teamarbeit effektiv und sinnvoll.
An der Schule kann das TeamPad© Grundlage für eine gemeinsame Teamkultur sein. Wenn beispielsweise im Jahrgang 5 die Arbeit damit als gemeinsame Systematik und Kultur etabliert wird, kann bis zum Abitur von Klassen- und Fachlehrern damit gearbeitet werden.

RV: Wo und in welchem Rahmen haben Sie das TeamPad© bereits ausprobiert?
Miller: In Grundschulen, in der Sek 1 und Sek 2 und im Lehrertraining im Rahmen des Referendariats. Als besonders hilfreich und auch arbeitsökonomisch hat sich das Seminarformat bewährt, in dem wir direkt mit einer Schulklasse einen Tag lang arbeiten. Danach wissen Lehrer und Schüler, wie mit dem Tool gearbeitet und gelernt werden kann und die Schüler durchlaufen bereits wichtige gemeinsame Prozesse.

RV: Was sind Ihre Erfahrungen beim Einsatz im Unterricht? Wie kommen Ihre Ideen bei Schülern und Lehrern an?
Miller: Obwohl die Schüler sehr gefordert sind, erleben wir sie fast ausschließlich sehr motiviert. Gemeinsam etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen macht einfach Spaß, selbst wenn es mal schwierig wird.

RV: Herr Miller, vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview.

Wenn Sie Benjamin Miller und das Teampad an Ihre Schule holen möchten, schreiben Sie eine E-Mail an info@raabe-akademie.de und fordern Sie unverbindlich weitere Informationen zu unserer Fortbildung an. Innerhalb Hamburgs können Sie sogar auf finanzielle Unterstützung durch die Agentur für Schulberatung hoffen.

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Mirjam Dapp
Mirjam Dapp
m.dapp@raabe.de

... ist Volontärin im RAABE Fachverlag für Bildungsmanagement und unterstützt die Redaktion bei der Betreuung der Werke "Auf dem Weg zur inklusiven Schule" und "Auf dem Weg zur inklusiven Grundschule". Außerdem ist sie für die RAABE Akademie zuständig, zusammen mit Benedikt Reinhard.

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