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Und plötzlich sind sie da! – Flüchtlingskinder an der Schule aufnehmen

Und plötzlich sind sie da! – Flüchtlingskinder an der Schule aufnehmen

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Die Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung ist neben Inklusion und neuen Bildungsplänen gegenwärtig weiter das Topthema an Schulen und in der Öffentlichkeit. Natürlich beschäftigen auch wir uns intensiv mit diesem Thema.

Wie ist die Stimmung an Schulen? Das wollten wir wissen und haben in den letzten Monaten zahllose Gespräche mit Schulleitungen und Lehrkräften geführt. Die einhellige Meinung unter den Befragten ergab, dass die gegenwärtige Situation an alle hohe Anforderungen stellt, kreative Lösungen benötigt werden und großes Engagement erforderlich ist – teilweise bis zur Belastungsgrenze. Aber: Andererseits bietet die Beschulung von Flüchtlingskindern auch Chancen und kann eine Bereicherung für die Schule sein. Hier einige Aussagen aus einer Schule an der seit einiger Zeit geflüchtete Jugendliche unterrichtet werden:

Flüchtlinge an der Schule – das heißt für mich…

„Eine große Hürde sind Sprachprobleme, man verständigt sich mit Händen und Füßen oder mithilfe von Bildern, manchmal werden auch Schüler aus anderen Klassen zum Übersetzen geholt.“

„Regeln sind wichtig, denn die Jugendlichen kennen zum Teil nicht viele Regeln, zum Beispiel was Pünktlichkeit im Unterricht oder generell regelmäßiges Erscheinen im Unterricht angeht.“

„Bei den Elterngesprächen benötigt man immer einen Dolmetscher. Auch Termine zu finden ist nicht immer einfach.“

„Die Jugendlichen, die bei uns unterrichtet werden, brauchen Aufgaben. Es ist wichtig, sinnvolle Freizeitgestaltungsmöglichkeiten zu finden, damit sie besser in die Gesellschaft integriert werden und aufgeräumt sind.“

„Eine große Bereicherung ist, dass die Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Ländern kommen. Das schafft Vielfalt an der Schule und ermöglicht das Kennenlernen anderer Kulturen, Sitten und Gebräuche.“

In unseren Gesprächen sind wir auch der Frage nachgegangen, wie Schulleitungen bei dieser Mammutaufgabe – Integration der geflüchteten Kinder und Jugendlichen – unterstützt werden können. Am Ende unserer Suche nach Antworten steht nun das Praxishandbuch für Schulleiterinnen und Schulleiter: Flüchtlinge an der Schule aufnehmen, aus dem wir Ihnen vorab ein paar Tipps herausgesucht haben:

Dolmetscher organisieren

Bei wichtigen Gesprächen sollte ein Dolmetscher dabei sein – doch woher bekommen?
Oft kann das Asylantenheim oder die Kommune jemanden engagieren, wenn nicht, könnte es in der Schulelternschaft Personen geben, die übersetzen können, im Notfall kann auch ein älterer Schüler aus dem gleichen Herkunftsland weiterhelfen. (Flüchtlinge an der Schule aufnehmen, S. 11)

Netzwerke knüpfen

Grundsätzlich gilt auch hier das Prinzip „Gemeinsam statt einsam“ – holen Sie sich Hilfen von externen Kooperationspartnern, wie ehrenamtlichen Vereinen oder Initiativen, vernetzen Sie sich mit anderen Schulen in Ihrer Umgebung. Netzwerke können Ihre Arbeit wirksam unterstützen. Sie können auf Erfahrungen anderer zurückgreifen, sich abstimmen und koordinieren. Das Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ hat es sich zum Beispiel zur Aufgabe gemacht, existierende Bündnisse vor Ort zu unterstützen und die Gründung neuer Netzwerke zu begleiten. Sechs regionale Servicebüros in Deutschland helfen bei der Suche nach anderen Akteuren in der Flüchtlingsarbeit und der Entwicklung neuer Netzwerke. (Flüchtlinge an der Schule aufnehmen, S.28 und S.37)

Vielfalt an der Schule

Sinnvoll ist es, im Kollegium das Thema Vielfalt und Interkulturalität auf die Tagesordnung zu setzen. Bei vielen Lehrkräften, die in Willkommensklassen unterrichten, besteht das Bedürfnis, mehr über die Schulsysteme der Herkunftsländer der neuen Schülerinnen und Schüler zu wissen (Flüchtlinge an der Schule aufnehmen, S.132). Diese Informationen können hilfreiche Anhaltspunkte liefern in der Einschätzung, was und wie ein in die Klasse kommendes Kind bisher gelernt hat und warum es sich wie verhält. Führen Sie zum Beispiel einen Pädagogischen Tag zu diesem Thema durch, organisieren Sie spezielle Vorträge oder planen Sie eine Projektwoche oder Projekttage zur Wissensvermittlung über die Lebensumstände und Kulturkreise der neuen Schüler. (Flüchtlinge an der Schule aufnehmen, S.55)

Klare Regeln von Beginn an

Bei allem Verständnis für die neuen Schülerinnen und Schüler und dem Wunsch, den Übergang möglichst sanft für sie zu gestalten, ist die Vermittlung von Regeln sehr wichtig. Das gilt für vermeintlich simple Dinge: im Unterricht nicht essen oder aufstehen, um sich ein Getränk zu holen, bis hin zu pünktlichem täglichem Erscheinen und Anwesenheit bis zum Ende des Schultags. Solche Regeln ergeben sich oft bereits durch die Schulordnung – sie könnten zum Beispiel in verschiedene Sprachen übersetzt und bereits am ersten Tag mit den ausländischen Schülerinnen und Schülern besprochen werden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Regeln klassenintern aufzustellen, festzuhalten (schriftlich und visuell) und von allen als „Vertrag“ gegenzeichnen zu lassen. (Flüchtlinge an der Schule aufnehmen, S.131)

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg: Die Kinder und Jugendlichen werden es Ihnen danken.

Titelfoto: © iStock/Signature Collection

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Natalie Fessler
Natalie Fessler
n.fessler@raabe.de

ist Redakteurin im Bereich Bildungsmanagement.

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