Fit fürs Ref – Beziehungen, das A und O

Fit fürs Ref – Beziehungen, das A und O

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„Hallo, ich bin der neue Referendar für Englisch und Sport.“ Als ich mich meinen Kollegen und Kolleginnen als neuer Referendar vorstellte, bekam ich neben einem herzlichen Willkommen zu hören, dass sie selbst froh seien das Referendariat hinter sich zu haben, sie aber für Fragen stets da seien. Das Referendariat ist tatsächlich keine einfache Zeit, in der man vielen Beurteilungen ausgesetzt ist. Noch dazu befindet man sich in der ersten Berufsphase und muss meist ohne viele Vorerfahrungen vor vielen Schülern und Schülerinnen auf der Bühne stehen und unterrichten. Gleichzeitig ist es aber auch toll zu sehen, wie lang geplante Unterrichtstunden funktionieren und man sich verbessert. Schritt für Schritt werden Sie auch das Referendariat gut meistern und dabei viel über das Unterrichten lernen! Für diese Referendariats-Zeit möchte ich Ihnen ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Viele neue Menschen

Wenn Sie neu an die Schule kommen werden Sie zunächst einmal viele neue Menschen kennenlernen: Kolleginnen und Kollegen, Schulleitung, Schülerinnen und Schüler, Putzkräfte, Sekretärinnen und der Hausmeister. Ein Großteil dieser Menschen wird Sie im Referendariat unterstützen können. Deshalb ist es wichtig, eine gute Beziehung zu diesen Menschen aufzubauen. Stellen Sie sich also am Anfang allen vor und machen Sie ab und zu etwas Small Talk. Gerade auf informellen Wegen erfährt man sehr viele wichtige Informationen und erhält viel Unterstützung.

Unterstützung der Lehrerkolleginnen und Lehrerkollegen

Während des gesamten Referendariats werden Sie viel bei Ihren neuen Lehrerkolleginnen und Lehrerkollegen im Unterricht ausprobieren und wichtiges Feedback und Tipps erhalten. Die Lehrproben sind für Ihre Zukunft besonders wichtig. Bei den wichtigen Lehrproben können ihre Lehrerkollegen Sie gut unterstützen. Sie können und sollten sie um ihre Hilfe bitten. So können Ihre Kolleginnen und Kollegen Sie bei der Vorbereitung der Lehrprobenstunden unterstützen und sie sollten Ihren Unterrichtsverlaufspläne mit ihnen durchsprechen. Gerade diejenigen, die den Fachleiter und seine Vorlieben kennen und vielleicht sogar selbst ihre Lehrproben bei ihm abgelegt haben, können wertvolle Tipps geben. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Lehrprobenstunde oder die Stunde des Unterrichtsbesuches in einer Parallelklasse einer Kollegin oder eines Kollegen auszuprobieren. Fragen Sie einfach Ihre Kollegin oder Ihren Kollegen, ob es möglich wäre, die Stunde in ihrer oder seiner Klasse einmal auszuprobieren und sie werden sehen, dass Sie auf viel Hilfsbereitschaft stoßen werden. Der Kollege kann dann hinten zuschauen und nach der Stunde auch noch Feedback geben. Dies fand ich immer sehr hilfreich. In diesen Stunden habe ich dann auch immer noch gemerkt, wo die Schwierigkeiten der Stunde liegen könnten. Außerdem hat das Ausprobieren einfach auch eine mentale Sicherheit gegeben.

Unterstützung des Hausmeisters, der Putzkräfte und Sekretärinnen

Auch der Hausmeister kann hilfreich sein, wenn Sie beispielsweise am Vorabend der Lehrprobe noch einmal in das Klassenzimmer müssen und er Ihnen hierfür den Raum aufschließt. Wenn es darum geht am Anfang z.B. einen Sporthallenschlüssel oder Kopierer Chip zu bekommen, ist häufig der Hausmeister zuständig. Des Weiteren wissen Hausmeister häufig sehr gut Bescheid, wo was und wer im Schulhaus zu finden sind und können da gut weiterhelfen. Außerdem kann der Schokoriegel des Hausmeisters Kiosk nach einer anstrengenden Schulstunde sehr wichtig sein.

Die Putzkräfte waren bei mir zum Beispiel in der Lehrprobenzeit immer sehr unterstützend. Wenn ich ihnen gesagt hatte, dass an jenem Tag in dem Klassenzimmer meine Lehrprobe stattfinden wird, haben sie immer besonders akribisch darauf geachtet, dass alles ordentlich war. So hatte ich einmal die Tafel für den nächsten Tag geputzt, doch kurze Zeit später sprach mich die Putzfrau an: „Herr Kersten, ich habe die Tafel für Ihre Lehrprobe noch einmal richtig geputzt. Das hatten Sie aber nicht richtig gemacht und sah überhaupt nicht sauber aus!“

Die Sekretärinnen werden Ihnen ebenfalls viel Unterstützung bieten während des Referendariats. Wenn Sie irgendwelche Materialien wie Plakate, Stifte, ein Laminiergerät oder andere technische Geräte brauchen, sind hierfür meistens die Sekretärinnen zuständig. Auch wenn es um organisatorische Dinge geht wie z.B. wenn eine Schülerin oder ein Schüler im Sportunterricht verletzt hat, die Eltern angerufen werden sollen und ein Unfallversicherungsformular ausgefüllt werden muss, sind die Sekretärinnen zuständig. Mit ihrem reichen Schulerfahrungsschatz können Sie bei vielerlei Problemchen aushelfen.

Unterstützung der Schulleitung

Die Schulleitung wird ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn es z.B. auf die Schulrechtsprüfung zugeht geben viele Schulleiterinnen und Schulleiter den Referendarinnen und Referendaren noch einmal einen Crashkurs und weisen auf wichtige Dinge hin. Da häufig Schulleiterinnen und Schulleiter selbst als Prüferinnen und Prüfer eingesetzt werden, wissen sie auch, worauf Wert gelegt wird und was wichtig ist.

Eine besondere Situation stellt sich an beruflichen Schulen dar. Hier gibt es sehr viele unterschiedliche Schulformen, die man als Referendar kennen sollte, und hier können Schulleitungen helfen einen guten Überblick zu bekommen.

Am Ende des Referendariats wird es für Sie noch einmal richtig spannend wenn es um die Stellensuche geht. Schulleiterinnen und Schulleiter haben häufig einen guten Einblick, wie das Stellenvergabe Verfahren abläuft. Des Weiteren können Sie meistens gut abschätzen, wie es mit der Stellenlage aussieht. Wenn man sich im Referendariat gut angestellt hat, kann es auch gut sein, dass die Schulleiterin oder der Schulleiter versuchen wird Sie an der Schule zu halten und Ihnen eine Stelle anbieten wird. Deshalb: Anstrengung und gute Kommunikation mit der Schulleitung lohnt sich immer.

Unterstützung der Schülerinnen und Schüler

Auch die Schülerinnen und Schüler können im Referendariat eine große Unterstützung sein. Das A und O ist es denke ich eine gute Beziehung auch zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen. Am Anfang wird vieles im Unterricht nicht perfekt laufen, das ist aber vollkommen in Ordnung. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Fehler sind ein wichtiger Teil des Lernprozesses (das auch den Schülern zu vermitteln, ist übrigens nie verkehrt). Gerade wenn zu den Schülerinnen und Schülern eine gute Beziehung besteht, sehen sie darüber hinweg, wenn etwas nicht gut funktioniert. Im Gegenteil sie können auch wertvolle Tipps und Feedback geben. Da lohnt sich manchmal die Frage an die Schülerinnen und Schüler, was ihnen an einer Übung oder Stunde gefallen oder nicht gefallen hat.

Humor und Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe zu begegnen bietet, finde ich, eine Möglichkeit zum guten Beziehungsaufbau mit den Schülerinnen und Schülern. Zusammen über etwas zu lachen und kurz über das Fußballspiel des vorherigen Abends zu reden, bietet eine gute Möglichkeit, eine gute Beziehung aufzubauen. Ebenfalls bei den Lehrproben sind die Schülerinnen und Schüler wichtige Helfer. In einer Lehrprobe sah ich, wie ein Schüler mich während einer Arbeitsphase unauffällig heranwinkte: „Herr Kersten, bei uns fehlen noch die Arbeitsblätter.“ Die Schülerinnen und Schüler haben dann selbst immer mitgefiebert und wollten hinterher wissen, mit welcher Note die Stunde bewertet wurde.

Unterstützung durch ein gutes Netzwerk

Netzwerke zu schaffen ist also meiner Meinung nach das A und O, um das anstrengende Referendariat gut zu meistern und dabei auch Spaß zu haben. Sie sind im Referendariat nicht alleine und viele Menschen werden Sie dabei unterstützen wenn Sie auf sie zugehen und mit ihnen in Kommunikation treten.

Ich wünschen Ihnen viel Erfolg im Referendariat, tolle Lernerfahrungen, ein gutes Netzwerk und auch Spaß!

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Ole Kersten
socialmedia@raabe.de

ist Lehrer an einer Beruflichen Schule in Waldkirch bei Freiburg und unterstützt die RAABE-Redaktion im August 2017. Hier kann er Einblicke in die Arbeit unseres Schulbuchverlags gewinnen. Besonders interessiert ihn der Bereich Bildungsmanagement und die Raabe Akademie.

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