Feiern mit Vorbehalt – Kroatien wird EU-Mitglied

Feiern mit Vorbehalt – Kroatien wird EU-Mitglied

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Ab dem 1. Juli 2013 ist Kroatien Mitglied der Europäischen Union Grafik: picture alliance/dieKLEINERT.de/Martin Roth

Ab dem 1. Juli 2013 ist Kroatien Mitglied der Europäischen Union
Grafik: picture alliance/dieKLEINERT.de/Martin Roth

Normalerweise ist es ein freudiger Anlass, wenn ein Land der Europäischen Union beitritt: Feierliche Reden werden gehalten und die anderen Mitglieder gratulieren dem Neuen im Bunde. So hatte sich das sicher auch Kroatien vorgestellt, das heute als 28. Staat Mitglied der EU wird. Doch die Freude der Kroaten wird getrübt durch das Fernbleiben eines bedeutenden Gasts: Angela Merkel kündigte bereits am Donnerstag an, dass sie leider nicht an den Feierlichkeiten in Zagreb teilnehmen könne. Der Grund seien andere wichtige Verpflichtungen. Die Presse hielt dies jedoch für einen vorgeschobenen Grund. In Wahrheit ginge es um einen Rechtsstreit zwischen Kroatien und der EU und Angela Merkel wolle ein klares Zeichen setzen.

Bereits seit 2005 verhandelt Kroatien mit der EU über seinen Beitritt und hat seitdem zahlreiche Reformen durchgesetzt. Dennoch gibt es nach wie vor Probleme: Eine extrem hohe Arbeitslosigkeit, ineffiziente Behörden, Schwarzarbeit und Korruption. Wie das folgende Video der ARD zeigt, steht das Land in vergleichenden Länderrankings schlechter da als beispielsweise Bulgarien oder Rumänien.

Schwierig ist darüber hinaus der Umgang Kroatiens mit seiner eigenen Vergangenheit. Experten sehen den eigentlichen Grund für die Entscheidung Angela Merkels, am Sonntag nicht nach Zagreb zu fahren, in einem Mordfall, der 30 Jahre zurückliegt. Am 28. Juli 1983 wurde im bayerischen Wolfratshausen die Leiche des Exilkroaten Stjepan Đureković gefunden. Einer der Täter – der ehemalige Vize-Verteidigungsminister und Gründer des kroatischen Geheimdienstes Josip Perković – wurde 2008 vom Oberlandesgericht München verurteilt. Doch obwohl ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorliegt, lebt Perković völlig unbehelligt in Zagreb. Denn sein Land denkt nicht daran, ihn auszuliefern, obwohl es nach europäischem Recht eigentlich dazu verpflichtet ist.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, versucht die kroatische Regierung derzeit, mit einer speziellen „Lex Perković“ dessen Auslieferung weiterhin zu verhindern. Laut des umstrittenen Gesetzes sollen nur Kroaten, die nach 2002 Verbrechen im EU-Ausland begangen haben, dorthin ausgeliefert werden. Ob Kroatien damit in Brüssel durchkommt, ist jedoch fraglich. EU-Justizkommissarin Viviane Reding jedenfalls verkündete am Donnerstag, dass ein solches Gesetz „rechtlich nicht möglich sei“.

Anlässlich des EU-Beitritts Kroatiens zum 1. Juli 2013 haben wir aus der Politik-Redaktion ein fächerübergreifendes Beitragspaket für Sie zusammengestellt. Darin finden Sie nicht nur hilfreiche Unterrichtsmaterialien zum Thema

  • „Kroatien“, sondern auch eine Unterrichtsreihe zum Thema
  • „Festung Europa? – Europas Außengrenzen und die Migration“ sowie die Einheit
  • „Von Standards und Skandalen – Verbraucherschutz in der EU“.

Das gesamte Paket gibt es zum Schnäppchenpreis von 15 Euro in unserem Webshop – solange der Vorrat reicht!

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Kathinka Compagnon
Kathinka Compagnon
k.compagnon@raabe.de

…ist Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreut die Projekte RAAbits Spanisch und RAAbits Realschule Sozialkunde/Politik.

2 Comments
  • Peter Meier
    Posted at 17:08h, 31 Juli

    Ich sage schonmal Herzlich Willkommen! (Mit Vorbehalt ;-))

    Ich liebe das Land und die Leute, jedes Jahr mache ich dort Urlaub. Freut mich für die Kroaten, wenn Sie Mitglied werden!

    Peter

  • Kathinka Compagnon
    Kathinka Compagnon
    Posted at 09:13h, 01 August

    Da haben Sie völlig recht, Herr Meier, Kroatien ist ein tolles Urlaubsland und trotz aller Vorbehalte können wir uns für die Kroaten freuen. Herzliche Grüße aus der
    Redaktion!

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