Es poltert und donnert – Trump und Kim Jong-un gewittern, aber wird es regnen?

Es poltert und donnert – Trump und Kim Jong-un gewittern, aber wird es regnen?

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Die Schlagzeilen sind voll von Wortfetzen wie „ Atomkonflikt“, „Angriff auf Insel“ oder „Feuer, Wut und Macht“. Wüssten wir nicht, um welche Zeit es sich handelt, lassen sie sich auch auf andere Geschehnisse als die derzeitigen beziehen. Wer sich ein wenig für historisches Weltgeschehen interessiert, dem kommt schnell die Kubakrise, Wilhelm II. oder auch Pearl Harbor in den Sinn.

Man nehme eine Prise Machtgehabe, stationiere Soldaten in der Nähe des Gegners und drohe ihm mit Säbelrasseln. Und schon haben wir eine wohl bekannte explosive Mischung:

Diesen Schlagabtausch servierten sich schon John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow 1962: Kennedy war seit mehr als eineinhalb Jahren im Amt des amerikanischen Präsidenten, Chruschtschow seit 1958 Regierungschef der Sowjetunion und beiden Weltmachten ging es um Machtdemonstration, vor allem indem die andere eingeschüchtert wird. Um dem Vordringen des von den Amerikanern gefürchteten Kommunismus entgegenzuwirken, unterstützte die US-Regierung einen Invasionsversuch von Exilkubanern (Schweinebucht). Doch der scheiterte kläglich. Der Schlag zog freilich einen Gegenschlag nach sich, indem die Sowjetunion atomare Waffen auf Kuba stationierte. Der Krieg stand praktisch vor der Haustür der Amerikaner und zwar mit zerstörerischem Vermögen. „Das bedeutet Krieg mit Russland!“, polterte der damalige Verteidigungsminister McNamara. Doch es kam nicht dazu. Über Radio Moskau ließ Chruschtschow schließlich den Abzug der Waffen bekannt geben. Vielleicht sehen in dem Verhalten der beiden Staatschefs einige auch ein wenig Trump und Kim Jong-un.

Die blutrünstigen Drohungen und diplomatische Impertinenz, dazu protzendes Säbelrassen und drängendes Geltungsbewusstsein scheinen momentan die politische Richtung der Kontrahenten zu sein. Ähnliches kennen wir auch von Wilhelm II. und wissen deshalb auch, dass dieses Verhalten Deutschland in eine Isolation brachte, man denke nur an die Ententen von 1904 und 1907 und den „Panthersprung“ nach Agadir 1911.

Das typische Trump-Verhalten hat mittlerweile dazu geführt, dass Nordkorea wegen anhaltender Drohungen (die nur heiße Luft sind?) einen Angriff auf die Pazifik-Insel Guam in Betracht zieht. Momentan befinden sich auf dem US-Außengebiet mit Luftwaffenstützpunkt etwa 6000 amerikanische Soldaten. Spätestens seit dem Film Pearl Harbor von 2001 (man beachte die Bedeutung des Produktionslandes) kann hier jeder gewisse Parallelen feststellen: Der Angriff auf die Militärbasis war für Amerika nachvollziehbar eine schreckliche Erfahrung. Zum ersten Mal wurden sie von Ausländern auf ihrem Gebiet angegriffen. Man bedenke, dass seit Anfang des 19. Jahrhunderts keine Schlacht auf nordamerikanischem Boden mehr geführt worden war. Die Folge war der aktive Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Und nun befinden sich wieder Soldaten auf einer Insel im Pazifik und Nordkorea droht mit einem Angriff auf Guam…

Bisher scheinen sich die Staatschefs wie Raubtiere gegenseitig zu umkreisen. Sie demonstrieren aggressiv ihre Stärke und lassen die Welt wissen, dass sie da sind. Doch bellende Hunde beißen nicht, heißt es so schön. Es bleibt zu hoffen, dass die Hunde wirklich nicht beißen werden.

Dass Geschichte immer präsent ist und mehr Arbeit in die Aufbereitung gesteckt werden könnte, zeigen solche Verhaltensweisen. „Alles schon mal gewesen“. Nur lernt irgendwie doch selten jemand daraus…

Inspirierende Einheiten zur Herstellung von Parallelen in der Weltgeschichte finden Sie hier.

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Sabine Friedrich
Sabine Friedrich
s.friedrich@raabe.de

... ist Redakteurin in der Redaktion Gesellschaftswissen und Sprachen.

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