Einsamkeit an der Spitze

Einsamkeit an der Spitze

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Gemeinsam plauschen … Gemeinsam lachen … Auch einmal gemeinsam lästern … Was wäre der Schulalltag ohne die Kolleginnen und Kollegen?

© Pixland

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Sie sind Gleichgesinnte, die mit uns im selben Boot sitzen. Mit ihnen teilen wir Freud und Leid des Arbeitsalltags, verbringen Pausen gemeinsam im Lehrerzimmer, beraten uns über schwierige Schülerfälle und lästern miteinander über besserwisserische Eltern oder die zähe letzte Konferenz.

Schulleitung – und plötzlich ist alles anders?
Doch was ist mit den Kolleginnen und Kollegen, die das Lehrerzimmer verlassen und Leitungsaufgaben übernehmen? Sie lassen das Kollegium und die gewohnten Team-, Fach- und Arbeitsstrukturen hinter sich. Sie erklimmen eine neue Hierarchiestufe. Sie wechseln in die Schulleitung – und plötzlich ist alles anders.

Natürlich besteht der Großteil der Leitungstätigkeit aus Kommunikation, Gesprächen und Beziehungen. Das Verhältnis von Schulleitungen zu ihren Mitarbeitenden ist meist kollegial. Und natürlich sind Schulleiter, zumindest an größeren Schulen, in ein Leitungsteam eingebunden, in dem sie Rückmeldungen erhalten, sich auf Augenhöhe beraten und vor Entscheidungen gemeinsam das Für und Wider abwägen.

© iStockphoto

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Trotzdem wird der Rollenwechsel oft als extrem erlebt: Die neuen Aufgaben haben mit den bisherigen nur noch wenig gemeinsam. Langsam schleicht sich eine gewisse Distanz zum Kollegium ein: Vielleicht verstummt das eine oder andere Gespräch, wenn man das Lehrerzimmer betritt. Und dann ist da noch die Gesamtverantwortung. Sie bringt mit sich, dass auch schwierige Entscheidungen zu treffen sind und unter Umständen Leistung von Kolleginnen und Kollegen eingefordert werden muss. Das ist nicht immer angenehm – und es kann schon mal das Gefühl aufkommen, allein oder allein gelassen zu sein …

Kampfansage an die Einsamkeit!
Unser Autor Kurt Heldmann hat uns schon vor Erscheinen seines Beitrags in den neuen Management-Werken (Leiten – Führen – Managen und Schulleitung praktisch!) ein paar Tipps für Schulleitungen zusammengestellt.

Nutzen Sie (kleine) Möglichkeiten im Alltag, um mit Gefühlen der Einsamkeit besser umgehen zu können und ihnen etwas entgegenzusetzen:

  • Selbsterkenntnis: Werden Sie sich Ihrer Rolle bewusst. Akzeptieren Sie, dass Sie nicht mehr Teil des Kollegiums sind, sondern eine besondere Funktion einnehmen. Das zu verleugnen („Ich bin Erster unter Gleichen“) verschärft das Problem auf Dauer nur.
  • Netzwerke: Reduzieren Sie die Einsamkeit an der Spitze zusammen mit anderen Schulleiterinnen und Schulleitern Ihrer Region.
  • Coaching: Ein individuelles Coaching kann den Rollenwechsel begleiten sowie in besonderen Situationen bei der Problemlösung und Entscheidungsfindung helfen.
  • Gemeinsame Ziele: Sorgen Sie für gute gemeinsame Ziele, Visionen und Prozesse, nehmen Sie Ihr Kollegium mit. Dann sind Sie nicht alleine!
  • Wir-Gefühl: Stärken Sie das Wir-Gefühl, indem Sie Erfolge als gemeinsame Erfolge deklarieren. Ganz nach dem Motto: WIR haben ein Ziel  – WIR erreichen es – WIR haben Erfolg.
  • Kontaktpflege: Natürlich haben Sie viel zu tun. Pflegen Sie dennoch Kontakte und schaffen Sie Nähe, auch wenn es gerade keinen konkreten Anlass dafür gibt. Halten Sie Smalltalk im Lehrerzimmer, besuchen Sie den Hausmeister in seiner Werkstatt, zeigen Sie, dass Sie sich für Ihre Mitarbeitenden interessieren.
  • Stark im Leitungsteam: Das verlorene Miteinander im Kollegium kann durch eine gute Zusammenarbeit im Schulleitungsteam abgelöst werden.
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Verena Hafner
Verena Hafner
v.hafner@raabe.de

... entwickelt als Produktmanagerin im RAABE Fachverlag für Bildungsmanagement neue Angebote zu Schulleitungsthemen und betreut die Projekte „Leiten, Führen, Managen“ und "Schulleitung praktisch!"

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