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„Ein Fall für zwei“ – ein Interview mit Dr. Herbert Asselmeyer

„Ein Fall für zwei“ – ein Interview mit Dr. Herbert Asselmeyer

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Dr. Herbert Asselmeyer Foto: DFV

Dr. Herbert Asselmeyer
Foto: DFV

Unsere Fortbildung für Stellvertreterinnen und Stellvertreter in Kooperation mit der Hessischen Führungsakademie rückt immer näher. Ein guter Grund für uns, unserem Referenten Dr. Herbert Asselmeyer kurz auf den Zahn zu fühlen …

RAABE: Sie werden am 10. Oktober in Fulda eine Qualifizierungsveranstaltung für stellvertretende Schulleiterinnen/stellvertretende Schulleiter hessischer Schulen durchführen. Was hat Sie bewogen, der Bitte der Hessischen Führungsakademie und des Raabe Verlages zu entsprechen und die Veranstaltung zu leiten?

Dr. Asselmeyer: Das Thema beschäftigt mich seit Jahren, nicht zuletzt durch die Leitung eines Modellversuchs „Qualifizierung von Ständigen Vertretern und Vertreterinnen von Schulleitern und Schulleiterinnen“ (QStV) im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums. Hier ging es darum, mit größtmöglichem Sachverstand, vor allem unter Einbeziehung aller wichtigen Akteure des Schulsystems die Rolle StV neu zu entdecken und darüber als Wissenschaftler zu berichten (Entwicklung, Erprobung, Evaluation, Reflexion). Doch nicht nur die Theorie, auch die Praxis ist mir sehr wichtig – nicht nur die in Niedersachsen. Deshalb habe ich die Einladung gern angenommen.

RAABE: In Niedersachsen haben Sie zahlreiche Qualifizierungsveranstaltungen selbst durchgeführt. Welche Erfahrungen konnten Sie dort bezüglich des Engagements der teilnehmenden Stellvertreter machen?

Dr. Asselmeyer: Wichtig war für mich, dass durch die kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema über einen längeren Zeitraum die Vorurteile unter Lehrkräften, Schulleitungen, Wissenschaft und Schuladministration immer geringer wurden. Genauer: Es entstand immer überzeugender und authentischer ein richtiges Arbeitsbündnis „Schule gestalten“ Das haben auch die Teilnehmer so empfunden.

RAABE: Ein Ziel der Konzipierung einer professionellen Ausbildung von stellvertretenden Schulleitern als Ständige Vertretung ist deren Aufwertung gegenüber den Schulleitern. Können Sie das bitte noch einmal aus Ihrer Sicht verdeutlichen?

Dr. Asselmeyer: Gern. Ein besonderes Merkmal dieser „neuen Schulleitungs-Konstruktion“ liegt in dem Verständnis von Ständig-den-Schulleiter/die Schulleiterin-vertreten. Es ist ein Unterschied, ob Schulleitungen die Vertretung ständig informieren und einbeziehen, sodass ein Mitdenken, ein Beraten bei Entscheidungen oder ein Folgenbedenken möglich sind, oder ob der Stellvertreter nur sporadisch mit einbezogen wird. Wenn Schulleitung aber den Stellvertreter als Ständigen Vertreter begreift, wird die „organisationale Achtsamkeit“ wesentlich erhöht – denn mehr Augen sehen auch mehr!

RAABE: Auf welche Art und Weise möchten Sie dies erreichen?

Dr. Asselmeyer: Schulleiter und Schulleiterinnen erarbeiten – in Ergänzung zur formalen Festlegung, dass ein Schulleiter oder eine Schulleiterin die Schule leitet – ein teamorientiertes Arbeitsbündnis, formulieren also einen Führungs-Kontrakt im Rousseau‘schen Sinne‘, wie sie ihre Führungsaufgaben wahrnehmen wollen (Führungsleitbild, Rollen, Aufgabenverteilung und kommunikative Zuständigkeiten in Ergänzung zum herkömmlichen Geschäftsverteilungsplan).

Raabe: Ohne schon zu viel zu verraten: Was haben Sie in Fulda vor? Was werden die Teilnehmer aus der Qualifizierung mit nach Hause nehmen können?

Dr. Asselmeyer: Ich bin sicher: Sie werden staunen, was sich in der Pädagogik und Organisationslehre getan hat in den letzten fünf Jahren! Und: Dass es immer mehr Entgrenzung gibt – also dass man wegkommt vom herkömmlichen Verständnis „Einer leitet – viele folgen“ und hinkommt zur Haltung „Wir als Kollegium leben Eigenverantwortung vor! Denn: Wir nehmen Verantwortung für unsere Schule wahr auf den Handlungsebenen des oberen, des mittleren und des unteren Schulmanagements“.

RAABE: Herr Dr. Asselmeyer, wir danken für die Einblicke, die Sie uns gewährt haben. Da wir Ihr Engagement kennen und wissen, mit welcher Begeisterung Sie Ihre theoretischen wie praktischen Kenntnisse vermitteln, sind wir sicher, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine spannende Veranstaltung erwarten wird. Noch gibt es freie Plätze und Anmeldungen sind möglich unter

http://www.raabe-schulleitung.de/seminare/fulda/anmeldung

 

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Gerd Birkigt
Gerd Birkigt
g.birkigt@raabe.de

... ist Redaktuer im Bereich Bildungsmanagement.

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