Ehre, wem Ehre(namt) gebührt

Ehre, wem Ehre(namt) gebührt

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Können Sie sich noch an die US-Wahl im Jahr 2000 erinnern, als George W. Bush mit einem nach wie vor umstrittenen, hauchdünnen Vorsprung vor Al Gore die Präsidentschaftswahl gewann? Grundlage der Kritik an Bushs Wahlsieg war nicht zuletzt der Einsatz von Wahlcomputern im Bundesstaat Florida. Deren mäßige Funktionalität führte zu einer einmonatigen Verspätung in der Feststellung des Wahlergebnisses. Ein paar Jahre später folgte die Wiedereinführung der Wahl per Stimmzettel und Wahlcomputer wurden verboten.

Die Gründe, die dafür maßgebend waren, wie z.B. keine Sicherstellung des Wahlgeheimnisses, korrekte Wertung der Stimme (wenn ich Partei A wähle, bekommt dann auch wirklich Partei A die Stimmte oder doch Partei B aufgrund von Zuordnungsfehlern o.ä.), Nachvollziehbarkeit der Ergebnisermittlung oder auch die Angreifbarkeit über das Internet (ein Thema, das derzeit auch mit der hierzulande eingesetzten Software zur Ergebnisübermittlung diskutiert wird), waren u.a. auch ausschlaggebend für das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, den Einsatz von Wahlcomputern als verfassungswidrig einzustufen.

Was aber auch bedeutet: es braucht weiterhin viele helfende Hände, die sich um die Vorbereitung und Durchführung der Wahl kümmern.

Ein paar Zahlen

Und es sind nicht wenige Hände, die gebraucht werden. Für die diesjährige Bundestagswahl wird die Bundesrepublik in 299 Wahlkreise eingeteilt. Diese sind wiederum unterteilt in mehrere Wahlbezirke: um die 88.000 Urnen- und Briefwahlbezirke werden es sein, in denen jeweils ein Wahlvorstand, dessen Stellvertreter und drei bis sieben Beisitzer tätig sein werden; insgesamt 650.000 ehrenamtliche Wahlhelferinne und Wahlhelfer werden so am Wahlwochenende im Einsatz sein. Und diese Menge Freiwilliger will erst einmal gefunden werden.

Wobei: freiwillig?

Lehrer als Wahlhelfer

Zu jeder Wahl stellen sich viele Bürgerinnen und Bürger als Wahlhelfer zur Verfügung, viele von ihnen üben diese Tätigkeit auch viele Jahr(zehnt)e lang aus. Die Beweggründe mögen höchst unterschiedlich sein: sei es die kleine Aufwandsentschädigung, die man dafür bekommt, sei es ein wenig Abwechslung im Alltag und um wieder unter Menschen zu kommen, oder die demokratische Verantwortung, die man empfindet.

So sehen es übrigens auch die Wahlhelfer hier im RAABE-Verlag: Demokratie umfasst mehr, als nur alle vier Jahre (oder demnächst fünf?) seine Stimme abzugeben und ansonsten nur Forderungen an die Politik zu stellen. Eine Wahl bietet die Möglichkeit, die Demokratie aktiv zu unterstützen und zu ermöglichen, dass eine Wahl überhaupt stattfinden kann. Man sollte nicht den Fehler machen, die Demokratie als eine Selbstverständlichkeit zu begreifen. Ein Blick in die Nachrichten zeigt, dass dem leider nicht so ist, sondern einer aktiven Mitarbeit bedarf.

Doch oft reicht das freiwillige Engagement nicht aus, weswegen bis kurz vor der Wahl noch händeringend Personal für den Wahlsonntag gesucht wird. Finden sich aber nicht genügend Freiwillige, werden von den Landeswahlämtern oft per Los die noch benötigten Wahlhelfer verpflichtet und in das Amt berufen. Meist werden dazu Angestellte und Beamte aus dem öffentlichen Dienst herangezogen – darunter also auch viele Lehrer und Erzieher.

Ehrenamt ist nicht gleich Ehrenamt

So ganz freiwillig ist aber die Tätigkeit als Wahlhelfer auch für „normale“ Bürger nicht. Entgegen des mittlerweile üblichen und doch recht schwammigen Sprachgebrauchs, der von „freiwilliger Tätigkeit“ (Essensausgabe bei den Tafeln, Hausaufgabenhilfe in Asylunterkünften) bis „bürgerschaftlichen Engagement“ (Vereinsmitarbeit, Parteizugehörigkeit) alles enthalten kann, bedeutet „Ehrenamt“ im eigentlichen Sinn die Übernahme eines Amtes, in das man berufen oder gewählt wird. Damit wird es zu einer verpflichtenden öffentlichen Funktion, von der man nur unter Angabe triftiger Gründe zurücktreten kann, schlimmstenfalls droht sonst ein Ordnungsgeld. Das Ehrenamt wird somit zur Bürgerpflicht.

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Ralf Baumgartner
Ralf Baumgartner
r.baumgartner@raabe.de
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