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Deutschland und der Siegeszug christlicher Politik

Deutschland und der Siegeszug christlicher Politik

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren gesellschaftliche und christliche Normen und Werte noch weitgehend deckungsgleich, doch dies veränderte sich im Laufe des Jahrhunderts. Unser Grundgesetzt ist durch christliche Normen geprägt, doch die Kirchen haben sich in Deutschland aus weltlichen Belangen insofern zurück gezogen, dass sie nur noch beratend tätig sind. Während die CDU sich dem christlichen Menschenbild verschreibt (der Mensch hat durch Gottes Handeln eine schützenswerte Würde vom Moment der Empfängnis an), ist sie offen für Menschen jeden Glaubens.

Oft stimmt die Parteimeinung mit der der Kirchen überein, richtet sich jedoch nicht explizit danach. Doch wie kam es dazu, dass sich eine christliche Partei erfolgreich zu einer der größten in Deutschland entwickeln konnte und zumindest bis zur kommenden Bundestagswahl noch Regierungspartei ist?

Gehen wir etwa 200 Jahre zurück….

Bis ins 19. Jahrhundert gab es in Deutschland noch keine strikte Trennung von Staat und Kirche. Dies änderte sich 1803 mit dem Reichdeputationshauptschluss, der die geistlichen Fürstentümer im deutschen Reich endgültig auflöste. Katholische Fürstbischöfe wurden zu Bischöfen „degradierte“ und in weltlichen Belangen entmachtet. Für die Evangelischen Landeskirchen galt jedoch nach wie vor das Staatskirchentum: der jeweilige Landesherr war auch Kirchenoberer seiner Landeskirche. In Preußen war dies Friedrich Wilhelm III. Er führte 1825 auch im katholischen Rheinland ein, dass Kinder in der Konfession des Vaters zu erziehen waren, da dort vermehrt Ehen zwischen evangelischen Militärangehörigen oder Beamten (Katholiken war die Beamtenlaufbahn verwehrt) und katholischen Frauen geschlossen wurden.

Das Katholische Deutschland sollte sich innerhalb des Reiches jedoch gegen das protestantische Preußen behaupten. Nach 1848 gab es zunächst in der Nationalversammlung in der Paulskirche einen „Katholischen Klub“, und später in fast allen deutschen Staaten katholische Fraktionen oder fraktionsähnliche Vereinigungen. Nach dem Deutschen Krieg 1866 wurde der politische Katholizismus auch für Laien interessanter, da sie sich dadurch repräsentiert fühlten. Am 13. Dezember 1870 wurde schließlich die Zentrumspartei gegründet.

Titelseite des Reichsdeputationshauptschluss

Titelseite des Reichsdeputationshauptschluss

Kulturkampf

In den 1870er Jahren war der Kulturkampf ein zentrales innenpolitisches Thema, der letztlich zur Stärkung der Zentrumspartei beitrug. Der Kulturkampf gipfelte im sogenannten „Mischehenstreit“, der im Rheinland besonders präsent war und 1875 mit der Einführung der Zivilehe im gesamten Deutschen Reich sein Ende fand.

Für Bismarck waren die Katholiken Reichsfeinde, die im Zweifelsfall loyal zum Papst und nicht zum Staat stünden. Zwischen 1873 und 1876 wurden zahlreiche Gesetze erlassen, die eine Trennung von Staat und Kirche bzw. die Unterordnung der Kirche unter den Staat zum Ziel hatten. Die Schwächung der Katholiken, die im „Zentrum“ ihre politische Heimat hatten, erreichte Bismarck nicht. Von den Kulturkampfgesetzen blieben die Zivilehe und die staatliche Schulaufsicht als erste Schritte hin zu einem modernen säkularen Staat.

Papst Pius IX. und Reichskanzler Bismarck.
Pontifex: „Nun bitte, genieren Sie sich nicht!“ Kanzler Bismarck: „Bitte gleichfalls!“.

Jahrhundertwende

Ab 1880 näherte sich die Zentrumspartei der Reichsregierung an: herrschaftstreu und demokratieskeptisch war sie zwar gegen die Sozialdemokratie, setzte sich aber für eine staatliche Sozialpolitik ein.

In der Weimarer Verfassung wurde zwar endgültig die Trennung von Staat und Kirche für Deutschland festgelegt, allerdings gewisse Möglichkeiten zu Kooperationen eingeräumt. Diese Artikel finden sich auch heute noch im Grundgesetz in Art. 140. Am 5. Juli 1933 löste sich die Zentrumspartei auf, woraufhin am 20. Juli 1933 feierlich ein Reichskonkordat mit dem Vatikan unterzeichnet wurde, das bis heute das Verhältnis der katholischen Kirche zum deutschen Staat regelt. Unter Anderem ist in diesem Staatsvertrag festgehalten, dass Kirchenorganisationen und Gemeinden der kath. Kirche Körperschaft öffentlichen Rechtes sind, mit allen damit verbundenen Rechten, z.B.: Recht auf Freiheit des Bekenntnisses, Erhebung der Kirchensteuer durch den Staat, Einhaltung des katholischen Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen, Recht auf katholische Bekenntnisschulen.

Wahlplakat der Zentrumspartei von 1932.

Wahlplakat der Zentrumspartei von 1932.

Nach 1945

Zwar gründete die Zentrumspartei sich neu im Frühjahr 1945 und existiert bis heute als katholische Splitterpartei, parallel sammelten sich aber auch unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen Deutschlands christliche Unionen; die CDU entstand. Viele Mitglieder der ersten Stunde entstammten der Zentrumspartei, wollten nun aber eine explizit konfessionsübergreifende Partei, die die Differenzen zwischen katholisch und evangelisch überwinden sollte. Bereits 1949 erreichte die CDU eine Mehrheit bei der ersten Bundestagswahl, erst 20 Jahre später musste sie in Regierungsopposition treten.

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Einen kurzen Überblick zu Religion im Wahlkampf finden Sie hier.

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Regina Himmel
Regina Himmel
r.himmel@raabe.de

...ist Redakteurin im Bereich Gesellschaftswissenschaften.

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