Der rosarote Tod – wie man in Deutschland und anderswo der Verstorbenen gedenkt

Der rosarote Tod – wie man in Deutschland und anderswo der Verstorbenen gedenkt

Posting teilen:

Feierlichkeiten zu Allerheiligen in Kachina, Mexiko
Foto: picture alliance/Spaces_Images

Eine Gruppe schwarz gekleideter Personen ist auf einem Friedhof versammelt. Der Himmel ist grau, die Gesichter ernst. Eine Blaskapelle spielt eine schleppende Melodie, bevor der Pfarrer zu einer Rede ansetzt. Es ist der erste November, deutsche Katholiken feiern Allerheiligen und gedenken der christlichen Heiligen und all derer, „um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott“. Da es sich bei Allerheiligen um einen „stillen Feiertag“ handelt, sind Tanzveranstaltungen und laute Musik verboten.

Szenenwechsel: Auch in Mexiko gedenkt man am ersten November der Verstorbenen, aber ganz anders als bei uns. Am sogenannten „Día de los muertos“ schmücken die Menschen die Gräber ihrer Angehörigen mit orangefarbenen Blumen, Kerzen und rosaroten Plastikskeletten. Auf Friedhöfen und öffentlichen Plätzen treffen sich die Familien, um gemeinsam zu essen, zu trinken und zu tanzen und so das Leben zu feiern.

Anders als bei uns glaubt man in Mexiko nämlich nicht, dass die Verstorbenen endgültig verschwinden. Einmal im Jahr an Allerheiligen – so der Glaube – kehren sie auf die Erde zurück, um den Lebenden einen Besuch abzustatten. Damit sich die Toten während ihres Besuches auch willkommen fühlen, bieten ihnen die Hinterbliebenen am Feiertag ihre früheren Lieblingsspeisen und -getränke an.

Die UNESCO hat den mexikanischen „Día de los muertos“ 2003 zum Weltkulturerbe erklärt. In anderen lateinamerikanischen Ländern gibt es übrigens ähnliche Traditionen, etwa in Bolivien, wo die Menschen am neunten November, dem sogenannten „Día de las Ňatitas“, die Schädel von Verstorbenen schmücken, um sie auf dem Friedhof aufzubahren. In vielen Familien gelten die Skelette als Beschützer und werden daher das ganze Jahr über zu Hause aufbewahrt.

Für uns in Europa sind solche Traditionen eher befremdlich. Entweder wir halten sie für naiven Aberglauben oder sie lassen uns erschaudern. Vielleicht ärgern wir uns sogar, weil wir sie als unangemessen empfinden, angesichts der „Ernsthaftigkeit“ des Themas. Aber warum eigentlich ist der Tod in unserer Gesellschaft solch ein Tabuthema? Weshalb sterben die meisten Menschen einsam und isoliert von ihren Angehörigen in Krankenhäusern oder Altersheimen? Immerhin ist der Tod – genauso wie die Geburt – ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Jährlich wiederkehrende Feiertage wie Allerheiligen erinnern uns an diese Tatsache, ganz egal, wie wir sie begehen.

Warum nutzen Sie nicht die Gelegenheit und beleuchten das Thema Tod und wie wir damit umgehen im Unterricht mal aus einem anderen Blickwinkel? Zum Beispiel mit dem Beitrag „Ante la muerte todos somos iguales“ aus RAAbits Spanisch, der dazu viele anregende Materialien liefert.

Posting teilen:
Kathinka Compagnon
Kathinka Compagnon
k.compagnon@raabe.de

…ist Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreut die Projekte RAAbits Spanisch und RAAbits Realschule Sozialkunde/Politik.

No Comments

Post A Comment

Akzeptieren und Weiter
Diese Webseite verwendet Cookies. In unserer Datenschutzbestimmung können Sie Details über die Einstellungen der Anbieter erfahren und wie Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern können. Durch den Besuch der Website akzeptieren Sie die Nutzung von Cookies.