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Der Countdown zur EM läuft

Der Countdown zur EM läuft

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Nur noch 21 Tage, dann rollt der Ball bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Am 8. Juni um 18 Uhr bestreiten Polen und Griechenland das Eröffnungsspiel. Sind die Gastgeber vorbereitet?

Die acht Stadien, in denen die EM-Spiele angepfiffen werden, sind fertiggestellt. Die Infrastruktur um die Stadien herum ist es teilweise noch nicht. Während sich die Nationalmannschaften in ersten Trainingslagern auf die Europameisterschaft vorbereiten, schwitzen auch viele Bauarbeiter. An der Zufahrtsstraße zum Stadion von Lwiw z. B. arbeiten sie noch.

Die Baustellen werden weniger, entscheidende aber bleiben. Das Autobahnteilstück zwischen Lodz und Warschau z. B., dessen Bauauftrag aus Kostengründen an einen chinesischen Konzern vergeben wurde, ist immer noch nicht fertig. Die chinesische Firma ist pleite. Jetzt arbeiten andere Firmen mit Hochdruck an der neuen Trasse. Ein Wettlauf gegen die Zeit, der wohl verloren geht. Autofahrer auf polnischen Autobahnen, die bereits fertig sind, werden im Juni Maut bezahlen müssen. Viele Straßenbauprojekte oder auch Hotelanlagen werden wohl erst nach der Europameisterschaft fertig werden. Dies gilt besonders für die Ukraine. Nicht umsonst empfiehlt die UEFA für Reisen innerhalb des Landes hartnäckig immer noch das Flugzeug. Die Straßen weisen einfach zu viele Unebenheiten auf. Straßen, die die Bezeichnung „Autobahnen“ verdienen würden, gibt es nicht.

Bei den fehlenden Hotelzimmern allerdings wissen sich die ukrainischen Organisatoren zu helfen: Touristen sollen auf Camping-Plätzen und in Studentenwohnheimen schlafen können. Die Studenten müssen dafür weichen. Und nicht nur das: Teilweise waren sie sogar angehalten, ihre Zimmer zuvor noch auf eigene Kosten zu renovieren. In jedem Fall bezahlen sie aber weiterhin die Miete ihrer Zimmer im Wohnheim. Wenn sie Glück haben, dürfen sie nach der Europameisterschaft wieder einziehen. Die Prüfungen an den Universitäten wurden jedenfalls um einen Monat vorverlegt. Das haben die staatlichen Behörden bestens organisiert.

Die Fußball-EM wird stattfinden. Egal ob alles perfekt vorbereitet wurde – oder nicht.

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Carsten Freund
Carsten Freund
c.freund@raabe.de

… arbeitet in den Redaktionen „RAAbits Geographie“ und „RAAbits Realschule Erdkunde“ im RAABE Fachverlag für die Schule mit und betreut Abdruckrechte-Anfragen des gesamten RAABE-Verlags.

6 Kommentare
  • Tobias Dietzsch
    Gepostet um 10:14h, 21 Mai

    naja, ich erinnere mich an Südafrika, wo auch etliches auf den letzten Drücker fertig wurde. Andererseits wundere ich mich schon ein wenig über die Vergabekriterien – auch wenn der Sport im Mittelpunkt stehen muss, sollten doch die Menschenrechte (vielmehr deren Fehlen) m. E. nicht ignoriert werden.

  • Marcel Meder
    Marcel Meder
    Gepostet um 10:34h, 21 Mai

    „Sollte“. Ein schöner Wunschtraum (siehe ESC die Tage). Aber bei solchen großen Veranstaltungen geht es ja vermutlich auch (oder: vor allem?) immer um’s Geld, Prestige etc. Da sind Menschenrechte dann vielleicht doch nicht so wichtig – ?

  • Jasmina
    Gepostet um 15:37h, 22 Mai

    Als die EM 2007 nach der Orangenen Revolution vergeben wurde, war nicht absehbar, in welche Richtung sich das Land weiterentwickeln würde.

  • Marcel Meder
    Marcel Meder
    Gepostet um 08:22h, 23 Mai

    @Jasmina: Du scheinst über detailliertes Hintergrundwissen zu verfügen, über das ich nicht verfüge. Peinlich für mich 🙂 Aber natürlich interessant. Man hätte wahrscheinlich trotzdem das Ruder noch herumreißen können … ?

  • Jasmina
    Gepostet um 09:11h, 24 Mai

    Alles nicht so einfach. Als die EM vergeben wurde, war Julia Timoschenko auf dem Weg, Regierungschefin zu werden. 2011 wurde sie inhaftiert. Wann hätte man die EM-Vergabe rückgängig machen sollen? Und sollen die EM und andere sportliche Großereignisse nur an Länder vergeben werden, in denen demokratische Strukturen nach westlichem Vorbild herrschen? Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass die EM in der Ukraine stattfindet. Nun schaut ganz Europa auf das Land und die Medien haben die Möglichkeit, kritisch zu berichten.

  • Marcel Meder
    Marcel Meder
    Gepostet um 11:10h, 25 Mai

    @Jasmina: Ein guter Punkt. Ich will keinesfall bestreiten, dass der (mediale, politische) Fokus auf die Ukraine (und auch im Falle Aserbaidschan) nichts bewegen kann. Die Frage ist nur, ob sich die Gremien, die über die Vergabe solcher Großeregnissse entscheiden, solche differenzierten Gedanken überhaupt machen. Vielleicht sollten sie die Konzentration Politik – Kommerz – Sport doch ein wenig anders verteilen und den Fokus ein wenig mehr auf Politik als auf den Kommerz legen. Denn vermeiden lässt sich – und das sollten solche Gremien inzwischen wissen – lässt sich die Politik eben gerade nicht, wie sie immer postulieren!

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