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Denkpausen machen den Meister!

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Mehr Achtsamkeit in der Grundschule − mit Bewusstheit zu mehr Ausgeglichenheit

Achtsamkeit Grundschule

Was brauchst du? – © colourbox

Still sitzen, ruhig sein, aufpassen! – Wir Redakteurinnen und Redakteure des Raabe-Verlags können mit Ihren Schülern mitfühlen. Nach einem zweiwöchigen Fahrrad- oder Wanderurlaub wieder an den Schreibtisch zurückzukehren ist auch für uns keine leichte Sache. Zwei Wochen Zeit für Bewegung, Bummeln, Eisessen, Genießen und Fühlen. Der Büroalltag hat uns schnell eingeholt und da machen sich auch schon wieder unsere Nackenschmerzen und andere Zipperlein bemerkbar.

Vom Gefühl zum Bedürfnis

Machen Sie sich und Ihren Schülern den Übergang in den Unterrichtsalltag mit regelmäßigen achtsamen Bewegungspausen leichter. Sie sensibilisieren die Kinder nicht nur für sich selbst und andere, sie steigern auch ihre Lernmotivation und Konzentration.

So können Sie beginnen:

Stehe oder sitze entspannt und aufrecht. Schließe die Augen. Was fühlst du?

Wenn du noch nichts spürst, sage einmal „Ich“. Experimentiere dabei mit deiner Stimme. Sag es mal energisch, mal weich, mal leise, mal laut.

Achte darauf, welches Gefühl du jetzt wahrnimmst.

Wie kannst du dieses Gefühl mit deinem Körper ausdrücken?

Was ist dein Bedürfnis?

 

„Wenn ich nicht mitspiele, werde ich vielleicht später gehänselt.“

Achtsamkeit Gefühle Grundschule

Gefühle spüren, Bedürfnisse ausleben – © colourbox

Wie gut es Ihren Schülern tut, dass sie regelmäßig an ihre Handlungsfreiheit erinnert werden, können Sie selbst sehen. Manchen Kindern wird es möglicherweise anfangs etwas schwerfallen, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu spüren. Verständlich, denn auch in der Schulpause bleiben diese oft missachtet. Durch Angst vor Ausgrenzung bei Rückzug oder Imagepflege durch betont lässiges Verhalten – obwohl man sich ganz klein fühlt – verlieren die Kinder den Kontakt zu sich selbst. Unterstützen Sie sie dabei, wieder in Fühlung mit sich zu kommen. Die Augen zu schließen und das Wort „Ich“ auszusprechen helfen dabei sehr. Mit etwas Geduld wird sich ein Gefühl einstellen und dann heißt es zappeln, atmen, locker hüpfen. Wichtig ist, dass alle Kinder nicht nur darauf achten, was sie fühlen, sondern auch darauf, was sie brauchen. Damit es zu keinen Grenzüberschreitungen kommt und alle sich während dieser achtsamen Zeit wohlfühlen können, sollten Sie vorab einige Regeln vereinbaren, z. B. Körperkontakt nur nach Absprache, keine Gewaltanwendung gegenüber anderen, gegenüber Dingen oder gegenüber sich selbst.

Und dann kann`s z. B. so weitergehen:

1.       Wenn ich angespannt bin, dann …

schüttle ich meinen Körper aus. Dabei federe ich in hüftbreitem Stand mit den Knien, meine Arme hängen locker am Körper herunter. Auch der Kopf ist ganz locker. Jede verkrampfte Körperpartie wird besonders bedacht und ausgeschüttelt.

2.       Wenn ich die Luft angehalten habe, dann …

atme ich ganz tief in den Bauch und langsam wieder aus. Ich achte darauf, dass ich die Schultern dabei locker lasse. Ich kann einen Ton beim Ausatmen machen. Ich kann z. B. seufzen.

3.       Wenn ich wütend bin, dann …

balle ich meine Fäuste. Ich boxe in die Luft. Ich stampfe auf den Boden. Ich mache Liegestütze.

4.       Wenn ich Kraft spüre, dann …

trommle ich mit meinen Händen auf meine Brust. Ich springe in die Luft.

5.       Wenn ich Freude fühle, dann …

möchte ich ganz groß werden. Ich hüpfe. Ich mache einen Hampelmann. Ich lache.

6.       Wenn ich traurig bin, dann …

möchte ich mich am liebsten ganz klein machen und lege meine Arme um mich. Ich kann jemanden suchen der mich z. B. mit einer Umarmung oder mit Streicheln tröstet.

7.       Wenn ich mich klein fühle, dann …

zeige ich das mit meiner Körperhaltung. Anschließend stärke ich mich in einer Siegerposition, indem ich die Arme nach oben nehme.

8.       Wenn ich am liebsten weglaufen würde, dann …

dribble ich ganz schnell auf der Stelle und nehme die Arme dabei mit. Ich träume mich für kurze Zeit an meinen Lieblingsort und erhole mich dort ein bisschen.

9.       Wenn ich Kopfschmerzen habe, dann …

greife ich mir in die Haare und massiere meinen Kopf. Dabei atme ich tief in den Bauch und langsam wieder aus. Ich versuche, ob eine Dehnung im Nacken hilft oder ob Schulterkreisen guttut.

10.   Wenn ich mich anstecken lasse, dann …

sehe ich zu, was ein anderes Kind ausdrückt. Vielleicht passt das ganz gut zu meinem Gefühl. Ich lasse mich anstecken und zusammen fühlen wir uns nicht allein.

Achtung, während der gesamten Zeit gilt:

„Ich bleibe immer bei MEINEN Gefühlen!“

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Tipp: Teilen Sie das Klassenzimmer in drei Zonen ein. In einer Zone finden sich Kinder ein, die sehr lebhafte Gefühle ausagieren möchten, z. B. Freude und Kraft. In  einer anderen Zone (z. B. auch auf dem Flur) finden die Kinder Ruhe, Trost und Entspannung. Eine dritte Zone bietet Raum für Wut und Ärger. Diese Gruppen unterstützen sich gegenseitig in einem intensiveren Ausagieren ihrer Gefühle.

Interesse füreinander entwickeln

Achtsamkeit Gefühle Grundschule

sich selbst wahrnehmen und sich wahrgenommen fühlen – © colourbox

Bei der Durchführung dieser Übungen werden Sie schnell feststellen, welche unterschiedlichen Bedürfnisse Ihre Schüler haben. Vielleicht können Sie dadurch manche Reaktionen während des Unterrichts besser verstehen und ein Gespräch, das Ihre Beobachtungen thematisiert, kann große Wirkung zeigen. Bevor Sie jedoch einen wahrgenommenen Körperausdruck vorschnell interpretieren und als Gesprächsanlass nutzen, befragen sie zuerst das Kind zu seinem Gefühl. Nehmen Sie sich die Zeit für‘s Zuhören.

Wir wünschen Ihnen einen bewussten Start ins neue Schuljahr!

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Stefanie Marlit Kindl
Stefanie Marlit Kindl
s.kindl@raabe.de

...betreut bei RAABE das Werk "Einfach künstlerisch - Kunst und Werken fachfremd unterrichten".

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