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Dem Glück auf der Spur – jetzt auch in der Schule

Dem Glück auf der Spur – jetzt auch in der Schule

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(c)Thinkstock_iStockphoto_Kleeblatt_vierblättrigDie Aborigines, Australiens Ureinwohner, bezeichnen offenbar alle Nicht-Aborigines als „Glücksjäger“. Positiv ist das nicht gemeint. Es bedeutet, verrücktes Zeug anzustellen, nur um dieses komische „Glück“ zu empfinden.

Die Aborigines würden sich wahrscheinlich bestätigt fühlen beim Anblick der ARD-Themenwoche „Zum Glück“, die noch bis zum 22. November viele Beiträge zum Thema zeigt: Anke Engelke geht als Praktikantin auf die Kinderkrebsstation auf die Suche nach dem Glück. Man kann chatten und Fragen stellen rund ums Glück. Experten wie der Sprecher des Westlottos werden zu ihrer Meinung zum Glück befragt.

Ja, das Glück. Es ist uns einfach schrecklich wichtig. Vielleicht zu wichtig? In ihrem Buch „Smile or Die“ spricht sich die amerikanische Autorin Barbara Ehrenreich energisch gegen unsere Gesellschaft aus mit ihrer Pflicht zu Glücklichsein und Dauerlächeln.

Interessant, dass ausgerechnet eine amerikanische Autorin das schreibt. Schließlich sind gerade die USA ganz vorne unter den Glücksjägern mit ihrem „pursuit of happiness“ aus der Unabhängigkeitserklärung, eine Formel, die wir übrigens im Englischunterricht auswendig lernen mussten. In diesem Englischunterricht grollte ich den Amerikanern. Ich dachte, die haben doch keine Ahnung, wie die Pflicht zum regelmäßigen Schulbesuch der Glückseligkeit entgegenwirkt.

Hätte es mir damals geholfen, Glück als Schulfach zu haben? Das gibt es jetzt in vielen Schulen. In Heidelberg hat der Schulleiter Ernst Fritz-Schubert im Jahr 2007 mit dem Glücksunterricht begonnen und bald Nachahmer gefunden. In diesem Unterricht essen dann aber nicht alle permanent Schokolade oder riechen an Rosen, nein, das Fach soll auch Lebenskompetenz vermitteln und die Selbstwahrnehmung stärken. Noten gibt es auch. Und wenn man nun nicht besteht in diesem Fach? Wie erklärt man das zu Hause: „Ja, in Mathe bin ich besser, aber in Glück bin ich durchgefallen!“ Wir spinnen doch, wir Glücksjäger!

Machen wir es doch einfach dem gewitzten Pünktchen nach aus Erich Kästners wunderbarem Kinderbuch „Pünktchen und Anton“. Pünktchen, eigentlich Luise, und ihr Freund Anton spielen „Gelächter“: So finster wie möglich gucken und dabei murmeln: „Oh je, oh je, oh je. Mir ist gar nicht lächerlich zumute. Ich bin tief, tief traurig.“ Keine zwei Sekunden halten sie das Spiel durch – dann schütten sich beide aus vor Lachen.


Beitrag von Leonie Schönleber

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Ingo Becker
Ingo Becker
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Journalist @mindrockets & Blogger des RAABE Lehrer-Blog @RaabeSchule [Google+ Profil]

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