Das „Grandhotel Cosmopolis“ – für Gäste mit und ohne Asyl

Martin Karhoff Augsburg Grandhotel Cosmopolis Integration Asylbewerber Flüchtlinge Migranten Migration

Das „Grandhotel Cosmopolis“ – für Gäste mit und ohne Asyl

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© Martin Karhoff. Wer den schmucklosen, hellgelben Sechziger-Jahre-Bau des „Hotel Cosmopolis“ betritt, schreitet über einen roten Teppich. Gäste werden von Concierges in rot-goldenen Anzügen begrüßt. An der Wand hinter der Rezeption hängen Uhren. Sie zeigen wie spät es ist in Gaza, Port-au-Prince oder Lampedusa.

Am Anfang der Geschichte steht ein leerstehendes Altenheim. Doch aus dem, was zu Beginn nur eine kühne Idee war, entstand ein einzigartiges Integrationsprojekt: Das Grandhotel Cosmopolis in Augsburg. Das Haus inmitten der Altstadt hat 45 Zimmer, 27 davon sind ständig belegt. Hier haben Familien aus Syrien, dem Irak oder Tschetschenien ein vorübergehendes Zuhause gefunden.

Auf den unteren Etagen befinden sich Ateliers, Foto- und Tonstudios. Die übrigen Zimmer sind für Hotelgäste. Sie wurden von Künstlern gestaltet. Dusche und WC befinden sich auf dem Flur, die Möbel stammen aus Spenden – ebenso wie auf den Etagen der 60 hier untergebrachten Asylbewerber. Feststehende Preise gibt es nicht. Hotelgäste zahlen, was sie für richtig halten.

Das Grandhotel Augsburg ist ein humanitäres und kulturelles Modellprojekt. Es verbindet die Unterbringung von Flüchtlingen, Hotelgästen und Künstlern mit einem Café, einer Bühne für kulturelle Veranstaltungen und Ateliers. Ein kleiner sozialer Kosmos, ein Ort für Begegnungen verschiedener Kulturen im Herzen Augsburgs, der allen offen steht.

Ein Asylheim als Begegnungsstätte?

Das zumindest war das Konzept von Künstlern und Aktivisten, die Flüchtlingen signalisieren wollten, dass sie bei uns willkommen sind. Im Garten spielen Kinder aus allen Kulturen, im gemeinsamen Essensraum kommen Erwachsene miteinander ins Gespräch. Hotelgäste gewinnen einen Einblick in die Sorgen und Probleme der Asylsuchenden. Diese wiederum erfahren Hilfe und Respekt. Das Wort „Flüchtling“ hört man hier nicht.

Es gibt nur Hotelgäste mit und ohne Asyl

Dabei spielt der Name „Grandhotel“ ganz bewusst mit Emotionen und Erwartungen. Er setzt uns auf eine glamouröse, und damit falsche Fährte. Er fungiert als Störfaktor und fordert uns heraus, Gewohntes neu zu denken. Dieser Ort lädt uns ein, Menschen aus allen Kulturen, die bei uns eine Heimat suchen, die gewillt sind, sich hier eine neue Zukunft aufzubauen, als Bereicherung zu betrachten, auf sie zuzugehen.

Eine wahrgewordene Utopie?

Das Grandhotel Augsburg setzt ein positives Signal. Bald wird in München ein ähnliches Projekt realisiert werden, das „Grandhotel Bellevue di Monaco“. Das ist ein guter Anfang. Dennoch bedarf es mehr solcher Initiativen.

Mehr Infos zum Grandhotel Augsburg sowie zu Übernachtungsmöglichkeiten finden Sie hier.

Hintergrundinfos zum Thema „Flüchtlinge“ finden Sie in unserem Beitrag: Tödliche Grenzen? – Europas Flüchtlingspolitik in der Diskussion. Eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe I

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Claudia Hagemann
Claudia Hagemann
c.hagemann@raabe.de

… ist Redakteurin im RAABE Fachverlag für die Schule und betreut die Projekte „RAAbits Ethik/Philosophie“ und „RAAbits Religion“.

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