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Connecting people(s) – 150 Jahre Transatlantisches Unterseekabel

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Connecting people(s) – 150 Jahre Transatlantisches Unterseekabel

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Wenn man heutzutage zum Telefon oder Smartphone greift, um beispielsweise einen Freund in den USA anzurufen, denkt man sich nicht allzu viel dabei: man wählt die Nummer, wartet ein Weilchen, während es läutet, und wenn dann am anderen Ende abgenommen wird und die Beschimpfungen abgeklungen sind, weil man wieder einmal den Zeitunterschied vergessen hat, unterhält man sich ganz normal und tauscht die neuesten Entwicklungen in Beruf und Privatleben aus, um etwa einen Monat später einen mittleren Herzinfarkt zu bekommen, wenn man die Telefonrechnung bekommt.

Von der Leichtigkeit, ein Telefonat über den großen Teich hinweg zu führen

Bei alledem vergisst man jedoch leicht, dass wir diesen Komfort noch gar nicht so lange genießen können. Noch vor etwa anderthalb Jahrhunderten, als der Gedanke an ein Telefon nicht viel mehr als ein Hirngespinst einiger weniger Erfinder war, benötigte eine Nachricht von Europa in die USA etwa zehn Tage, was der durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit desjenigen Schiffes entsprach, das die Nachricht in Form eines Telegramms oder Briefes an Bord transportierte.

Der lange Weg zur transatlantischen Kommunikation

Die Idee, die Übermittlungsgeschwindigkeit von Überseenachrichten mittels eines transatlantischen Unterseekabels zu beschleunigen, geisterte schon seit Ende der 1830er Jahren durch die Köpfe einiger Forscher. Initiiert von Samuel Morse, einem Pionier in Sachen Telegrafie, wurde zum Beweis der Machbarkeit schon 1842 ein Kabel durch die Bucht von New York gelegt und erfolgreich eine Nachricht hindurch telegrafiert. Dennoch sollte es noch einige Jahre dauern, bis das Projekt in Angriff genommen werden konnte. In der Zwischenzeit wurden technische Verbesserungen an der Bauart des Kabels vorgenommen, z.B. wurde die Art der Isolation überarbeitet, und ein weiteres Unterseekabel wurde 1850 erfolgreich zwischen England und Frankreich verlegt.

Dennoch war und ist die Distanz zwischen Nordamerika und Europa eine ganz andere Hausnummer. Cyrus West Field, die treibende Kraft hinter diesem Vorhaben, und die durch ihn gegründete Atlantic Telegraph Company begannen im Jahr 1854 mit dem unvorstellbaren Unterfangen. Die Vorarbeiten bestanden im Verlegen eines Kabels von Nova Scotia durch den St. Lawrence Strom nach Heart’s Content auf Neufundland in Kanada (was 1855 gelang), von wo aus das Kabel letzten Endes über den Atlantik bis nach Valentia Island in Irland reichen sollte. Um das zu bewerkstelligen, mussten sich zwei Schiffe in der Mitte des Atlantiks treffen. Die Kabel, die sie an Bord hatten, sollten daraufhin miteinander verbunden und versenkt werden.

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Die Gedenktafel für das transatlantische Unterseekabel auf Valentia Island in Irland
– © John Flanagan (CC BY 3.0 EN)

Dieses Unterfangen gelang erst im dritten Anlauf 1858, nachdem die ersten beiden Versuche zuvor durch Riss des Kabels gescheitert waren. Als erste Nachricht überhaupt telegrafierte am 16. August Königin Victoria an den US-Präsidenten James Buchanan die Worte „Europe and America are united by telegraphy. Glory to God in the highest, on earth peace and good will to all men.” und einige weitere Glückwünsche. Trotzdem benötigte die gesamte Nachricht der Königin noch immer sechzehn Stunden, um übermittelt zu werden. Nichtsdestotrotz verbreitete sich das Gelingen der erfolgreich übermittelten Nachricht schlagartig, in New York wurde die Glocken geläutet und Salutschüsse abgefeuert.

Umso länger dann die Gesichter, als durch technisches Versagen sowohl materieller als auch menschlicher Art das Kabel bereits nach etwa drei Wochen den Dienst quittierte. Die Enttäuschung war riesig, einige Zweifler stellten sogar in Abrede, überhaupt jemals Kontakt gehabt zu haben. Die Rede von einer Zeitungsente machte die Runde.

“It is a great work, a glory to our age and nation, […]”

Deswegen dauert es bis 1864, bis Cyrus Field neue Geldgeber auftreiben konnte, der Erfolg zweier durch das Mittelmeer und das Rote Meer verlegte Unterseekabel Anfang der 1860er Jahre trugen dazu nicht unerheblich bei. Schließlich konnte im Juli des Jahres 1866 im zweiten Anlauf (im ersten Anlauf 1865 riss das Kabel erneut und versank) die Verbindung wieder hergestellt werden. Eine der ersten übermittelten Nachrichten am 28. Juli war, neben den üblichen Glückwünschen, die Kunde über den Friedensvertrag zwischen Preußen und Russland.

Und dieses Mal hielt die Verbindung, Nachrichten konnten fortan mit einer Geschwindigkeit von acht Worten pro Minuten von Kontinent zu Kontinent übermittelt werden (telegrafiert per Morse-Code, wohlgemerkt, das erste transatlantische Telekommunikationskabel wurde erst knapp ein Jahrhundert später im Jahr 1956 verlegt, zuvor musste man sich mit Funk behelfen). Das verlorene Kabel aus dem Jahr zuvor übrigens wurde in einer Nadel-im-Heuhaufen-Aktion gesucht und tatsächlich gefunden. Dieses Kabel bildete die zweite Verbindung zwischen den Kontinenten. Und auch heutzutage werden noch immer Unterseekabel zu unterschiedlichsten Zwecken verlegt

Vielleicht denken Sie beim nächsten Telefonat in die Staaten daran, was vor 150 Jahren einige wagemutige Pioniere geleistet haben.

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Ralf Baumgartner
Ralf Baumgartner
r.baumgartner@raabe.de
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